Liebe DFV-Mitglieder,
es ist wohl ein Phänomen unserer Zeit, dass negative Nachrichten und noch viel mehr negative Verlautbarungen Einzelner die Sicht vieler Menschen auf das Geschehen in hohem Maße beeinflussen, weil sie via Multiplikation – über soziale Medien ebenso wie über traditionelle Hörensagen-Wege – schnell die Stimmung vieler prägen. Dabei entspringen die öffentlich geteilten Impulse oftmals Momenten der Unzufriedenheit, der Enttäuschung oder empfundener Ungerechtigkeit, was allzu menschlich ist und der individuellen Stimmungshygiene womöglich zuträglich ist, weil dem Ärger Luft verschafft wird. Gleichwohl sorgt es auf Empfängerseite für eine Disbalance, wenn dort nicht mindestens ebenso viele positive Signale ankommen – in der Psychologie und Beziehungsforschung gilt als Faustregel sogar ein Verhältnis von fünf zu eins, um das Gewicht und die emotionale Wirkung eines Tadels oder einer schärferen Kritik durch Lob auszugleichen. So reinigend es für das frustrierte Individuum also sein mag, der Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen und das Ergebnis in die unendlichen Weiten des Netzes zu senden oder den Mitmenschen direkt vor die Füße zu kippen, so wenig hilfreich ist es, um die Situation tatsächlich zum Besseren zu wenden. Denn abgesehen davon, dass die eigentliche Ursache der Verstimmung gar nicht unbedingt außerhalb, sondern an der Quelle selbst zu finden wäre – das Ego lässt grüßen –, lässt sich berechtigte Kritik viel wirkmächtiger adressieren, indem sie sachlich vorgetragen und idealerweise mit einem konstruktiven Verbesserungsvorschlag garniert wird.
Das beschriebene Phänomen prägt nach meiner Wahrnehmung gegenwärtig in mehr oder minder großem Ausmaß beinahe alle Lebensbereiche, und so natürlich auch unsere Springer-Community im Allgemeinen bzw. die Rolle des Verbands im Besonderen. Da vollzieht sich in allen Ressorts sooo viel Positives, Kreatives und Professionelles, angetrieben und realisiert von engagierten, gestaltungswilligen und uneigennützig agierenden Akteuren. So komisch das anmuten mag, für mich sind – abgesehen vom Springen aus Flugzeugen und der Quality-time im Team oder mit anderen feinen Menschen am Sprungplatz – die regelmäßigen Sitzungen im Präsidium und im Sportausschuss ein Quell der Freude, der Motivation und der Balance, um dem entgegenzuwirken, was an destruktiven und bisweilen wirklich belastenden Verlautbarungen kursiert. Denn wir dampfplaudern uns keinen zurecht, belobhudeln uns nicht wechselseitig für nichts und suhlen uns auch nicht im nur von uns selbst wahrgenommenen Erfolg, sondern wir sichern die Existenz des Fallschirmsports, gestalten das regulatorische Umfeld und schaffen Mehrwert innerhalb und außerhalb der Community. Nie mit dem Anspruch, dass es besser nicht geht, aber stets im maximalen Bemühen, das Bestmögliche auf die Beine zu stellen.
Um nur ein paar wenige Errungenschaften abseits vom sichtbaren Tagesgeschäft aufzuzählen: Der Beauftragungsvertrag mit BMV/LBA wurde verlängert, konkrete Vorschläge zur Deregulierung sind unterbreitet, gegen für den Luftsport bedrohliche Gesetzesnovellierungen – einige davon wurden nur in der Geschäftsstelle des DFV und nirgends anders identifiziert – wird interveniert, mit zahlreichen Institutionen wie DAeC, LBA, EASA, DOSB, NADA, ISC, FAI oder WGA wird kommuniziert und interagiert, die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit mit Abkündigung des FFX, neuer Webseite (ab Q1/27) und dem Aufbau neuer Kanäle ist in vollem Gang, die Jugendarbeit reüssiert auf lange nicht dagewesenem Niveau, die Digitalisierung der Geschäftsstelle vollzieht sich – nicht nur, aber auch – im Zuge der Einführung und des Ausbaus des SEWOBE-Systems auf Hochtouren (bislang ist nur eine kleine Spitze des Eisbergs sichtbar), die Buchhaltung wird an die Erfordernisse angepasst, die sich aus dem Fluss von Fördermitteln ergeben, die komplette Sportförderung erfährt in all ihren Ausprägungen einen Qualitätssprung nach dem anderen und auch die Delegiertenarbeit wird unermüdlich befeuert und gestärkt, sodass sie mittlerweile auch aus der Breite adressiert und gefordert wird.
Und noch mal: Niemand behauptet, dass es nicht besser geht. Aber besser geht’s nicht mit Nörgeln, Pöbeln und Beleidigen, sondern indem ein Mangel aufgezeigt, ein Vorschlag zur Beseitigung formuliert und eingebracht wird, um die Umsetzung dann auch gerne einzufordern bzw. sich kritisch mit der Begründung auseinanderzusetzen, falls der Vorschlag auf Ablehnung stößt. Dazu gibt es den direkten Weg zum Präsidium, den Kontakt zur Geschäftsstelle, die Mitarbeit in Gremien und Ausschüssen oder die Ansprache der Beauftragten, Sprecher und Delegierten. Nichts bleibt ungehört, wenn es anständig und konstruktiv auf den dafür geeigneten Weg gebracht wird.
Den neuen Delegierten an dieser Stelle schon mal ein herzliches Willkommen und ein wirksames Agieren in gestärkter Besetzung. Und damit auch das nicht zu kurz kommt: Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der (bei Formulierung dieser Zeilen noch) kommenden DM viel Freude und Erfolg!
Euer
Henning Stumpp