Liebe DFV-Mitglieder,
Die wesentlichen Fakten zur Lage der Skydive-Nation wurden in der vorhergehenden FFX-Ausgabe ausführlich beleuchtet, wobei sehr wohl zwischen übergeordneten Trends und sportspezifischen Befunden unterschieden wurde. Worauf Community bzw. Verband Einfluss nehmen können, um das Beste daraus zu machen, ist im Strategiepaket “Mission & Vision” abgebildet und weitreichend durchdekliniert. Dazu gehört natürlich, möglichst viel von dem zu bewahren, zu erhalten und zu pflegen, was unseren Sport ausmacht und was uns alle an unserem Sport so fasziniert. Mindestens genauso muss der Fokus aber auf die Zukunft und die sich abzeichnenden Chancen gerichtet sein, denn manches wird bei noch so vielen Bemühungen einfach nicht so bleiben wie es einmal war – allein die demografischen Entwicklungen sind hierfür beispielgebend.
Wenn ich also die Augen schließe und mir vorstelle, wie unser Sport in 10 oder 15 Jahren aussieht, möchte ich möglichst viele vertraute Bilder sehen, mich an Orte und Menschen erinnern, die ich kenne, weil ich damit schöne Erlebnisse verbinde. Ich sehe aber auch, dass die vielen vertrauten Menschen gar nicht mehr springen, sondern bestenfalls noch zum Coachen, ehrenamtlichen Bodendienst oder einfach nur zum Socializen an den Sprungplatz kommen. Dafür sehe ich jüngere, abenteuerlustige Menschen, die mit genauso viel Neugierde, Freiheitsliebe und Idealismus daherkommen wie unsereiner dermaleinst, allerdings unter ganz anderen Rahmenbedingungen und mit anderer Anspruchshaltung. Dazu sehe ich Batterie-elektrisch betriebene Flugzeuge, die sich anders anhören und anders riechen als ich es gewohnt bin, ich sehe Kinder und Jugendliche, die ihre fliegerischen Fertigkeiten spielerisch im Tunnel entwickeln und nun endlich auch unter freiem Himmel ausleben dürfen, und ich sehe zahlreiche Menschen mit Beeinträchtigungen, die das IPS (Indoor Paraskydiving) für sich entdeckt haben, ihren Körper zwar nicht uneingeschränkt bedienen, aber fliiiiiegen können und zum festen Bestandteil der Community geworden sind.
Weiterentwicklung wird also auch von Veränderungen geprägt, und diese müssen angenommen, manchmal auch bewusst herbeigeführt werden – ökonomisch Vorbelastete mögen hier an die Schumpeter’sche kreative Zerstörung denken. Eine solche wird in dieser FFX-Ausgabe thematisiert, denn ihr werden nur noch zwei weitere folgen. Weil das – der einen ans Herz gewachsene und dem anderen schon lange als völlig entbehrlich daherkommende – Printmedium reichlich Ressourcen beansprucht, vor allem im defizitären Beauftragungshaushalt, weil die Aktualität der Inhalte oftmals nicht mehr gegeben ist, weil das Zielpublikum nicht nur aus interessierten Insidern, sondern auch aus brachliegendem Potenzial außerhalb der Community besteht, und weil sich das Mediennutzungsverhalten generell verändert hat (mehr Bilder, mehr Videos, mehr Sound, weniger Text usw.), vollzieht der DFV eine Wende in seiner Verbandskommunikation. Der Entschluss hierfür ist lange gereift, zumal die Diskussion über die Existenzberechtigung eines Hochglanz-Verbandsmagazins so alt ist wie der FF-Xpress selbst. Was in Zukunft möglich sein und sich zum neuen Standard entwickeln soll, beschreibt Nadeja ausführlich in ihrem Beitrag. Was es in der Leserschaft auslöst, darüber kann nur spekuliert werden, denn bislang kennen wir nur die Stimmen derjenigen, die sich mehr oder minder lautstark über alles Mögliche beklagt haben, gerne verbunden mit der Forderung nach Abschaffung des aus der Zeit gefallenen Mediums, dafür selten bis nie begleitet vom Angebot, selbst etwas beizutragen, das der idealen Mischung eines gehaltvollen, spannenden, wohl formulierten und attraktiv bebilderten Inhalts nahekommt. Diejenigen, die sich über all die Jahre auf die Ankunft jedes einzelnen Hefts gefreut und es dann auch mit Genuss gelesen haben, waren bislang unterrepräsentiert, aber in den Reihen der Delegierten und des Präsidiums durchaus vertreten – little me eingeschlossen.
So verbinde auch ich den Schritt mit etwas Wehmut, sehe allerdings die Notwendigkeit zur Neuausrichtung des Medienmixes, der viele Vorteile gegenüber dem Althergebrachten zu bieten in der Lage ist. Und wenn mich dann doch einmal die Wehmut packt, wende ich mich meiner – ich behaupte einfach mal – kompletten FFX-Sammlung zu, blättere, lese, schmunzle und schwelge in der Vergangenheit, die es so nicht mehr gibt.
Was es aber immer noch gibt und nie der Vergangenheit angehören wird, ist das Erlebnis im Luftstrom, das bei tropischen Temperaturen, wie sie gerade vorherrschen, auch eine willkommene Form der Kühlung darstellen kann. Daher: Hebt ab und fliiiiiegt, so oft Ihr wollt und könnt!
Euer
Henning Stumpp