Im Vorfeld dieses Artikels wurde uns aus dem Verband heraus eine Reihe konkreter Fragen zur aktuellen Förderstruktur gestellt. Diese möchten wir euch transparent darstellen – hier exemplarisch am Beispiel Formation Skydiving (FS) aus dem Jahr 2025.
Die zugrunde liegenden Zahlen und Dokumente sind öffentlich einsehbar, auch für alle anderen Disziplinen, und können über die Geschäftsstelle bezogen werden.
1. Wie hoch ist die Förderung im Bereich FS?
Die Förderung im Bereich FS für 2025 beträgt:
- 18.500 € aus DFV-Mitteln
- 1.800 € aus externen Mitteln (BKF)
Summe: 20.300 €
2. Wie verteilen sich die Fördermittel auf die verschiedenen Disziplinen und Bundestrainer?
Die Fördermittel für Bundestrainer im Jahr 2025 verteilen sich wie folgt:
Outdoor:
- AE: 3.600 €
- CF: 0 €
- CP: 5.000 €
- FS: 18.500 €
- PS: 4.000 €
- SP: 8.100 €
- ST & AL: 9.000 €
- WS: 4.400 €
Indoor:
- DY: 4.000 €
- IFS: 5.000 €
- ISF: 2.000 €
- PfD: 4.000 €
Summe: 67.600 €
Die Höhe der jeweiligen Etats orientiert sich insbesondere an:
- der Anzahl der förderungswürdigen Athleten
- der Anzahl und Art der anstehenden Wettkämpfe
Ziel ist eine möglichst vergleichbare Förderung pro Athlet.
3. Wofür werden die Fördermittel konkret eingesetzt?
Die Mittel im Bereich FS werden insbesondere für folgende Zwecke eingesetzt:
- 13.068 € Zuschüsse für internationale Wettkämpfe (Nenngelder, Reisekosten, Teilnahmegebühren)
- 7.000 € Zuschüsse für Training
- 8er Training: 2.500 € (Tunnel Abu Dhabi)
- 4er Training: 2.000 € (Coaching)
- Talentevent: 2.500 € (Tunnel München)
- 232 € wurden nicht abgerufen
Diese Maßnahmen werden nur bezuschusst. Ein erheblicher Teil der Kosten wird weiterhin von den Athleten selbst getragen.
Die Teams können selbst entscheiden, wofür und wo sie die Gelder einsetzen.
4. Wo werden diese Mittel eingesetzt?
Die Fördermittel werden eingesetzt für:
- internationale Wettkämpfe
- Tunneltrainings
- Coachingmaßnahmen
Eine direkte Bindung an bestimmte Sprungplätze besteht in diesem Bereich nicht.
5. Welche Athleten oder Teams erhalten Fördermittel?
Gefördert werden:
- Kaderathleten, die entsprechende Leistungsnormen erfüllen
- Nachwuchs über gezielte Maßnahmen (z. B. Talentevents)
6. Wie wird der Breitensport allgemein gefördert?
Die Förderung des Breitensports erfolgt vor allem über:
- strukturelle Maßnahmen
- Verbandsleistungen
- Projekte, die allen Mitgliedern zugutekommen
Eine detaillierte Aufschlüsselung erfolgt in den folgenden Punkten.
7. Welche Förderungen gibt es konkret im Breitensport (2025)?
Im Bereich Breitensport wurden u. a. folgende Mittel eingesetzt:
- Blue Sky Trophy: 1.900 €
- Digitalisierung & IT-Infrastruktur: 102.448,03 €
- Jugendförderung: 10.000 €
Zusätzlich profitieren alle Mitglieder indirekt von:
- Leistungen der Geschäftsstelle
- Beauftragungen und Verwaltungstätigkeiten
Grundsätzlich: Es erfolgt keine gezielte Förderung einzelner Vereine, Gruppen oder Plätze. Stattdessen werden Maßnahmen gefördert, die möglichst allen Mitgliedern zugutekommen.
8. Wie setzt sich die Mitgliederstruktur zusammen?
- ca. 5 % Wettkämpfer
- ca. 95 % Breitensport
9. Wie verteilt sich die Förderung zwischen Leistungs- und Breitensport?
Gesamtmittel (grob):
- Leistungssport: ca. 120.000 €
- Breitensport: ca. 114.000 €
Verteilung:
- Leistungssport: ~51 %
- Breitensport: ~49 %
10. Wie viele Mitglieder hat der Verband aktuell?
Stand 31.12.2025:
- 6.058 aktive Mitglieder
- 4.158 Schnuppermitglieder
Aus unserer Sicht als Delegierte gehört die Frage, wie wir Mittel zwischen Leistungs- und Breitensport verteilen, seit Jahren zu den Dauerbrennern. Das Thema kommt immer wieder auf den Tisch und wird kontrovers diskutiert. Der Großteil der Delegierten kommt aus dem Breitensport, und genau diese Perspektive bringen wir auch regelmäßig in die Gespräche mit dem Präsidium ein. Denn wir Delegierte arbeiten nicht für das Präsidium oder den Leistungssport, sondern für alle Mitglieder.
Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass wir als Spitzenverband beide Bereiche im Blick behalten müssen. Wir sind verpflichtet, sowohl den Leistungs- als auch den Breitensport zu fördern. Das bedeutet: Ganz einfache Lösungen gibt es hier nicht.
Die Höhe der Leistungssportförderung sehen wir durchaus kritisch und haben darüber auch intern schon oft und intensiv gesprochen. Gleichzeitig zahlen viele Athletinnen und Athleten bereits heute einen großen Teil ihrer Wettkämpfe aus eigener Tasche. Wenn wir hier weiter kürzen würden, besteht ganz konkret die Gefahr, dass irgendwann kaum noch jemand antritt. Aktuell kommt da in Summe – etwa für Reisekosten, DM-Förderung und weitere Posten – ein Betrag von bis zu rund 120.000 € zusammen.
Auch im Breitensport gibt es Bereiche, in denen Potenzial liegen bleibt. Für die Jugendarbeit standen zuletzt rund 10.000 € bereit – die im Jahr davor gar nicht abgerufen wurden, weil es kein entsprechendes Referat gab. Nachdem wir dazu aufgerufen haben, sich einzubringen, haben sich lediglich fünf Plätze gemeldet. Das zeigt aus unserer Sicht deutlich: Geld allein reicht nicht. Es braucht auch Leute vor Ort, die bereit sind, etwas daraus zu machen.
Grundsätzlich verfolgen wir im Breitensport derzeit den Ansatz, keine einzelnen Vereine, Gruppen (z. B. Lehrer) oder Plätze (etwa beim Infrastrukturausbau) gezielt zu fördern, da wir hier keine faire und gleichberechtigte Förderung sicherstellen könnten.
Stattdessen setzen wir auf Maßnahmen, die allen Mitgliedern gleichermaßen zugutekommen.
Ein aktueller Schwerpunkt ist dabei die Digitalisierung. Ziel ist es, Prozesse zu vereinfachen, den Zugang zu Angeboten zu verbessern und den administrativen Aufwand für alle Beteiligten zu reduzieren. Langfristig soll dadurch auch finanzieller Spielraum entstehen, den wir an anderer Stelle einsetzen können.
Finanziell stehen wir insgesamt vor großen Herausforderungen. Für 2026 haben wir – nach langen Diskussionen – ein geplantes Minus von rund 131.300 € beschlossen. Das war keine leichte Entscheidung, sondern eine ganz bewusste: Wir investieren das Geld gezielt in Maßnahmen zur Mitgliedergewinnung, zum Beispiel in den Aufbau von Community-Strukturen. Unser Gedanke dahinter ist klar: Wenn wir jetzt nichts tun, wird es langfristig richtig schwierig. Wenn sich der Mitgliederrückgang so fortsetzt, kann es sein, dass sich der Verband in etwa acht Jahren nicht mehr trägt.
Ein weiterer Punkt, der uns beschäftigt, ist die Beauftragung. Diese ist seit der Umstellung auf Lifetime-Lizenzen dauerhaft defizitär – und gleichzeitig wächst der Umfang der Leistungen, die wir erbringen müssen. Einsparen können wir hier nur sehr begrenzt, weil wir diese Leistungen erfüllen müssen. Und dieses Defizit müssen wir aktuell aus der Verbandskasse ausgleichen.
Um zusätzliche Mittel und Perspektiven zu schaffen, haben wir uns in den letzten Jahren bewusst dafür entschieden, Projekte – etwa im DOSB-Kontext – weiterlaufen zu lassen, auch wenn sie zweckgebunden an den Leistungssport sind. Aber es ist erst mal Geld, das da ist. Und das an anderer Stelle entlasten kann.
Auch die Investitionen in die Digitalisierung haben zusätzlich zum Ziel, Prozesse zu vereinfachen, Zeit zu sparen und die Geschäftsstelle zu entlasten, damit wir langfristig effizienter arbeiten können. Und dadurch auf lange Sicht Geld sparen, das wir anderswo einsetzen können.
Trotz allem bleibt die zentrale Herausforderung: Wir haben insgesamt wenig Geld. Selbst wenn wir die Leistungssportförderung deutlich reduzieren würden, kämen rechnerisch vielleicht rund 30 € pro Mitglied zusätzlich im Breitensport an. Das zeigt, dass einfache Umverteilungen das Grundproblem nicht lösen. Wir brauchen vor allem gute Konzepte, wie wir die vorhandenen Mittel sinnvoll einsetzen. Ob die aktuelle Förderstruktur langfristig optimal ist, lässt sich sicher diskutieren – aktuell ist sie jedoch das Beste, was wir haben.
Formal gibt es 53 Delegiertenplätze, aktuell sind jedoch nur 29 dieser Stellen besetzt. Und nicht jeder kann immer aktiv an Themen arbeiten. Das bedeutet: Wir kümmern uns vor allem um die dringendsten Baustellen, wie Mitgliederentwicklung oder Finanzen. Viele andere Themen – zum Beispiel langfristige Förderkonzepte – können wir oft nur anstoßen, aber nicht wirklich ausarbeiten.
Unsere Entscheidungen sind deshalb häufig das Ergebnis vieler Diskussionen – und am Ende auch Kompromisse. Nicht perfekt, aber unter den aktuellen Bedingungen das aus unserer Sicht Machbare. Gleichzeitig versuchen wir, mit den vorhandenen Möglichkeiten das Beste für den Sport und für alle Mitglieder herauszuholen.
Was uns wichtig ist: Wir müssen die Herausforderungen gemeinsam lösen. Mehr Leute, die sich einbringen, mehr Ideen, mehr Know-how – all das hilft uns weiter. Wir sehen unsere Rolle darin, Themen aufzunehmen, abzuwägen und Lösungen zu organisieren. Gleichzeitig sind wir auf die Unterstützung aus dem Verband angewiesen – denn welche Themen wir priorisieren, hängt am Ende von euren Rückmeldungen ab.
Für die Delegierten
Daniel „Sid“ Klein (Daniel.klein@dfv.aero)