Anzeige

I[/fusion_dropcaphr Lieben, ich muss mich bei euch entschuldigen, bin ich euch doch einige Artikel schuldig geblieben in den letzten Monaten. Um ehrlich zu sein, war dies eine Mischung aus „zu viel Arbeit“ und „leerem Kopf“. Ich wollte nie etwas schreiben, nur um des Schreibens willen, deswegen hat es diese schöpferische Pause vielleicht auch gebraucht. Aber DANKE für euer Feedback, die Nachfragen, ob und wann es weitergeht usw. … das spornt an.
Ich wäre nicht der, der ich bin, wenn ich nicht immer etwas „anders“ denken und handeln würde, oft recht laut, manchmal etwas rebellisch. Und um diesem Rahmen treu zu bleiben, behandle ich in dieser Ausgabe ein paar Tricks und Kniffe, die mir persönlich das Packen eines Hauptfallschirms erleichtern.
Reden und schreiben kann man viel, SEHEN ist viel wichtiger, und dank der neuen AR-Technologie ist es sehr einfach, euch mit einigen Tutorial-Videos das Ganze näherzubringen. Folgt einfach den Anweisungen auf Seite 5. Bevor ich beginne, hier noch mal der Hinweis, es handelt sich jeweils UM MEINE PERSÖNLICHE ERLERNTE ANSICHTSWEISE!! Dies ersetzt weder Packschulungen noch Ausbildungshandbücher, diese gibt es aus gutem Grund, und bei allem solltet ihr weder schlampig werden noch euer Fallschirmsystem unnötigem Stress aussetzen.
Das erste Video ist eigentlich nur zum Warmwerden und behandelt ein persönliches Anliegen von mir. #changeyourloop, wechselt eure Loops, lieber zu oft als zu spät! Und es ist einfacher, als ihr denkt, egal an welchem Punkt der Loop sitzt. Lange Rede, kurzer Sinn, macht einfach euer Packband oder -boy durch den alten, bevor ihr ihn rauszieht, dann lässt sich der neue auch viel schneller einfädeln. Das wusstest ihr schon? Mega! Aber die Neuen unter uns noch nicht, und denen wollen wir ja helfen 😉
Das Gurtzeug ist ordentlich ausgelegt, kein Dreck o.ä. im Container, die Vorbremsen sind gesetzt. Und jetzt? Leinencheck! Leider sehe ich es immer wieder, der Check wird zwar gemacht, aber nur bis hoch zum Slider. Natürlich protestieren jetzt viele von euch, zu Recht, aber schaut ruhig mal nach links und rechts beim Packen. Und gebt Tipps! Richtig, verfolgt die Leinen beim Check durch den Slider durch bis zur Kappe selbst, um zu vermeiden, dass sich vielleicht ein Überschlag oberhalb des Sliders gebildet hat. Passiert leider öfter, als man denkt. Und es hat nichts mit „Kontrolletti“ zu tun, wenn jeder dem anderen mal auf die Finger schaut.
„Schütteln hilft“!!!! Hört auf zu grinsen, es geht immer noch ums Packen 🙂 Wenn ihr mit gestreckten Leinen nach dem Leinencheck die Kappe mal so richtig, ich meine RICHTIG durchschüttelt, spart ihr euch die Hälfte des Sortierens, es ist alles schon vorgelegt. Es sei denn, man steht auf Leinen-Ikebana, dann dürft ihr gern so weitermachen. Ich bin zu faul dafür.
Aber nach dem Schütteln hat der Schirm annähernd das Bild, welches ihr seht, wenn ihr nach oben schaut, kurz bevor sich die Kappe komplett entfaltet – das hilft ungemein in der Vorbereitung.
Da liegt sie nun, die ganze Pracht … Wer schon mal versucht hat, seinen Anzug in eine Streichholzschachtel zu kriegen, weiß, wie wir leiden. Gerade neue Schirme, in neuen PODs, die sich immer zu klein anfühlen, bringen einen gern dazu, sich andere Sportarten wie Schach und Halma näher anzusehen. Oder sich einsam in eine Ecke zurückzuziehen und in Embryonalstellung zusammengerollt wie ein Cocktailshrimp das Elend zu beklagen.
In der Praxis sieht man dann oft eine Mischung aus fernöstlichen Massageversuchen oder den allzeit beliebten Missionarspack, bei dem versucht wird, die Unmengen an Nylon durch Drauflegen und Rumrutschen zu bändigen. Sieht nicht nur schlüpfrig aus, sondern ist es auch.
Euer Deckblatt ist die Lösung! Haltet die Oberseite (auf der man so gern rumrutscht) immer und um jeden Preis unter Spannung! Auf der einen Seite kniet ihr ja drauf (wenn ihr dabei mit den Knien auf den Sliderösen sein solltet, merkt ihr das gleich), auf der anderen Seite wird durch eure Hände, durch eure Unterarme die nötige Gegenspannung erreicht, indem ihr das Material immer leicht nach vorne schiebt. Drauflegen ist meist gar nicht nötig, etwas, was ich lernen musste, weil es mir mit zunehmendem Alter immer schwerer wird, wieder hochzukommen 😀
Und egal was ihr macht, eines ist auf keinen Fall erlaubt: Wieder Loslassen!! Euer Schirm will und wird sich entfalten, selbst in diesem Zustand kennt er nur das Ziel zu fliegen.
Die Luft ist raus! Nicht bei euch, ihr habt ja jetzt nen Trick, aber aus eurer Kappe. Jetzt kniet ihr immer noch darauf, je nach Gesinnung Richtung Osten oder Westen, jetzt sollt ihr das Teil auch noch falten. Nochmals, das Wichtigste ist, die Spannung des Deckblattes zu halten – lasst ihr irgendwo los, fangt ihr von vorne an. Der zweite Tipp steht im Gegensatz zu den in der Schulung vermittelten Ansätzen: Wir lernen (aus gutem Grund), zuerst einen S-Schlag am unteren Ende des Fallschirmes zu machen, diesen zu fixieren und noch einen zweiten größeren S-Schlag oben drüber zu machen. Das funktioniert bestens bei Schulkappen, die meist aus einem Mix von luftdurchlässigem F-111 Material und Nullgewebe bestehen, diese komprimieren sich oft besser. Bei nagelneuen reinen ZP (Zero Porosity) Schirmen sieht die Wirklichkeit oft anders aus. Hier muss man mit einem anderen Ansatz arbeiten, damit es leichter geht. Und man sieht es immer öfter, es wird zuerst der eigentlich große zweite Schlag gemacht und dieser dann in den POD verbracht, bevor man den „ersten“ Schlag setzt. Hat den großen Vorteil, dass man mit weniger Material zu kämpfen hat. Man zäumt die Kuh von hinten auf.
Aber Vorsicht, ich wiederhole mich (eine Eigenschaft alter Männer), in jedem Fall müsst ihr mit allen Körperextremitäten, die zur Verfügung stehen, die Spannung der Packung halten. Wie ich das mache, seht ihr im Video, aber ihr könnt das viel eleganter, da bin ich mir sicher 😉
Ein Wort noch zu den Leinengummis: Versucht immer die Kappe im POD so weit zu komprimieren, dass die Öse zum Gummi geht und nicht umgekehrt. Das geht, ich glaub an euch!!!!
Noch ein weiteres Wort zu den Gummis, oder die Gretchenfrage, doppelt oder einfach? Da halte ich mich an PD, die aufgrund etlicher Versuche sagen, doppelt ist gut!!! Der Grund ist einfach: Wenn ein POD aus dem Gurtzeug rauskommt, dann entwickelt er eine gewisse Dynamik, wackelt hin und her, zieht sich aber auch zusammen und auseinander wie eine Ziehharmonika. Und in dieser Dynamik kann es passieren, dass ein Leinenbündel bereits vorher aus einem zu lockeren Gummi rutscht und dadurch extreme Probleme verursachen kann. Verdrehungen, Lineovers und – am häufigsten – harte Öffnungen. Gummis so eng zu ziehen, dass man Baglocks verursacht, ist heute kaum noch möglich. Eher reißen sie ab. Und das ist so gewollt.
Jetzt haben wir fast gewonnen. Der Schirm ist im POD, die Leinen wunderschön aufgeschlauft, eine Restlänge von ca 40 cm (ein Unterarm oder was sonst gerade zur Verfügung steht), ihr habt eure Riser verstaut und … STOPP, jetzt hätte ich fast noch einen Tipp vergessen: Ich hatte vor etlichen Jahren in einem Manual (ich meine, es war Infinity) gelesen, die Riser nicht übereinander, sondern sidebyside, also nebeneinander zu legen. Also, übereinander mit 90 Grad Drehung einzulegen wie gelernt und dann nebeneinander zu bringen. Auch das steht natürlich im Gegensatz zu dem, was wir lernen. Aber es hat keinerlei Einfluss auf die Öffnung und das Gurtzeug sieht im geschlossenen Zustand stimmiger aus.
Egal wie, der POD muss jetzt noch in den Container, und da wird oft mehr gekämpft als im Winterschlussverkauf.
Meines Wissens (ACHTUNG! Ja, ich kann mich irren) wird der POD bei jedem Container so gedreht, dass die Leinen am Boden des Gurtzeuges liegen (der Boden ist da, wo auch die Hilfsschirmtasche ist ;-), dabei natürlich darauf achten, dass die freie Überlänge der Leinen schön sauber da liegt. Aber, wenn wir den POD einfach um 90 Grad drehen, stehen die Leinen unten wieder raus, und es ist schwer bis unmöglich, die erste Klappe des Containers zum Loop zu ziehen. Unabhängig davon, dass das sowohl aufs Material als auch auf eure Finger geht.
Jetzt ich wieder: Ich drehe den POD so weit, dass die Öse der Bridle knapp oberhalb des Reservecontainers liegt, also nicht 90, sondern nur etwa 75 Grad. Und achte darauf, unten keine Leinen zu sehen. Dann gehe ich mit beiden Knien auf den Pod und arbeite ihn weiter rein. Es ist auch erlaubt, dabei leicht an den Klappen des Hauptcontainers zu ziehen (leicht, ohne scharfe Fingernägel oder was auch immer), arbeitet den POD nach und nach ein, BEVOR ihr mit eurem Pack-Tool die Flaps zum Loop zieht. Bei jeder Klappe zieht ihr den Loop vollständig durch die Öse, das erleichtert euch den jeweils nächsten Schritt. Irgendwann habt ihr gewonnen, und das Beste: Es wird von mal zu mal leichter.
Noch mal: Es handelt sich hier lediglich um MEINE Art und Weise, ich hab’s nicht erfunden. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und Wege, wir haben an jedem Platz erfahrene Trainer und Lehrer, die euch gerne helfen, ihr werdet (oder habt schon) eigene Techniken entwickeln, ich will hier nur ein paar Tipps und Tricks aus meiner Erfahrung weitergeben.
Bei allen Zweifeln, die euch befallen, allen Unsicherheiten im Zusammenhang mit Packen hat eines immer geholfen, und das schon bei meiner Ausbildung damals:
Der Schirm WILL fliegen, dafür ist er gemacht, das ist sein Ziel. Wir können ihn nur daran hindern 🙂

Raphael Schlegel

0 Shares

Categories

Anzeige