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Mit einem Aufgebot von zehn Sportlern und Jürgen Barth als „Head of Delegation“ reiste die deutsche Delegation nach Vrchlabi zur 17. FAI-Para-Ski-Weltmeisterschaft. Nach mehreren Trainingseinheiten und Wettkämpfen wurden die Teams zusammengestellt. Germany I: Daniel Born (Sportfördergruppe der BW), Andreas Fischer, Nick Grimm und Reinhold Haibel (alle FSC Bad Wiessee). Germany II: Leichsenring, Job, Oppel und Strobel (alle FSV Rüwalders). Die Juniorenwertung bestritt Robin Griesheimer (Sportfördergruppe der BW) und die Damenwertung: Gerda Klostermann-Mace.

Es gingen Sportler aus den Nationen Russland, Österreich, Tschechien, Italien, Kanada, Slowenien, Schweiz, Niederlande und Deutschland an den Start.

Am Anreisetag konnten noch Trainingssprünge durchgeführt werden. Durch die widrigen Windverhältnisse verzichteten viele Teams darauf. Das deutsche Team versuchte sich an den Bedingungen, um einen ersten Eindruck von der Wettkampfstätte zu bekommen. Anschließend wurde die erste Mannschaftsführersitzung durchgeführt. Schon jetzt erkannte man, dass dieses Event unter der Leitung von Martin Gabla eine gut organisierte WM sein würde. Bei der Sitzung wurde das Programm des nächsten Tages bekanntgegeben. Die WM startete mit dem Zielspringen, da sich die Wetterverhältnisse im Laufe der Woche verschlechtern sollten.

Tag 1 – Zielspringen:

Pünktlich um 8:45 Uhr wurden die ersten Teams aufgerufen und die Windspringer auf die Absetzhöhe gebracht. Anhand des Winddrifters und der Testspringer war gleich klar, dass es kein leichtes Unterfangen werden würde. Volle Konzentration war gefordert, weil die schwierigen Windverhältnisse keinen Standardanflug zulassen würden. Hochkonzentriert und motiviert ging das deutsche Team an den Start. Daniel Born von der Sportfördergruppe würde das deutsche Team absetzen. Ihm folgten Reinhold Haibel, Nick Grimm und Andi Fischer. Die Staffelung wurde aufgebaut, alles lief nach Plan perfekt ab. Daniel Born ging in den Endanflug und landete mit 5 cm Abweichung. Reinhold Haibel ging in den Endanflug, unterschätzte die Windstärke, ließ den Schirm anlaufen und brachte ihn nicht zum Stehen. Er wurde mit 37 cm abgestraft. Danach landete Nick Grimm mit 9 cm und Andi Fischer traf 3 cm. Mit einer Gesamtabweichung von 54 cm im ersten Sprung fand sich die Mannschaft um Reinhold Haibel auf Platz 6 der Teamwertung. „Nicht aufgeben“, sprach Jürgen Barth den Springern zu. „In der Teamwertung ist noch alles möglich.“ Leichter gesagt als getan! 

Der zweite Sprung stand an. Reinhold versuchte, wieder volle Konzentration aufzubauen. 15 Minuten Call, 5 Minuten Call, Einsteigen, Exit, Schirmöffnung, Staffelung, Endanflug und Abstieg. Daniel 10 cm, Reinhold 5 cm, Nick 5 cm und Andi 10 cm. Besser! … aber für eine WM nicht gut genug.

Dritter Sprung. Mit weiteren 30 cm rutschte das deutsche Team immer weiter nach hinten. Sofort folgte der vierte Sprung. 20 cm! Es würde doch nicht endlich aufwärts gehen?

Fünfter Sprung. Alle deutschen Springer hofften, dass sich jetzt jeder im Griff hatte und das Feld von hinten aufgerollt werden konnte. 15 Minuten Call, 5 Minuten Call, Einsteigen, Exit, Schirmöffnung, Staffelung, Endanflug und Abstieg. Leider wieder nicht! Andi setzte sich komplett vor die Messscheibe. 50 cm! Allen stand der Schreck im Gesicht! Jetzt war es endgültig vorbei! Mit hängenden Köpfen verließen sie das Sprunggelände in Richtung Hotel. Eine entspannte Stimmung wollte nicht wirklich aufkommen.

Bei der Mannschaftsführersitzung wurde für den folgenden Tag das Skirennen angesetzt.

Tag 2 – Skirennen:

Ein windiger, aber sonniger Tag. Ideal für das Skirennen, so der erste Eindruck. Leider hatte die Sonneneinstrahlung die Skipiste bereits aufgeweicht und es stand nur eine sehr weiche Skipiste für das Skirennen zur Verfügung. Die Verantwortlichen bemühten sich um faire Bedingungen für alle Athleten, aber die Sonne hatte bereits solch eine Kraft, dass alle Bemühungen scheiterten und nach dem Qualilauf nur noch der erste Wertungsdurchgang des Skirennens durchgeführt werden konnte. Der zweite Durchgang des Skirennens wurde auf den dritten Wettkampftag verschoben. Das Skifahren, die Paradedisziplin der Österreicher, aber auch der Deutschen, ließ etwas Hoffnung aufkommen, um die schlechten Sprungergebnisse auszugleichen. Beim Skirennen hofften die Mannen um Reinhold Haibel, in der Rangfolge wieder etwas nach vorne zu kommen. Nach dem ersten Durchgang führte Sebastian Graser (A) vor Marco Valente (ITA) und Reinhold Haibel.

Tag 3 – Skirennen:

Wie angekündigt, war es ein verregneter Tag. Die Hoffnung, dass die nächtlichen Temperaturen die Skipiste erhärten lassen würden, schwand, als die Aktiven die Piste besichtigten. Es würde ein sehr schweres Rennen werden – das wussten alle Racer. Der sehr eng gesteckte Lauf verlangte von den Athleten alles ab. Kaum ein Läufer konnte den Lauf fehlerfrei bewältigen. „Es ist, wie es ist. Man muss das Beste daraus machen“, motivierte Jürgen Barth. Die deutschen Athleten bewältigten den schweren Lauf bravourös und konnten sich auf den vierten Platz vorschieben. Mit nur 9 cm auf Platz 3 in der Kombinations-Teamwertung verfehlten die deutschen Athleten den erhofften Medaillenplatz nach dem Skifahren. „Die vielen Trainingstage auf Ski haben sich doch gelohnt“, so Reinhold Haibel. Nur Nick Grimm war mit seiner Skileistung nicht ganz zufrieden.

Reinhold Haibel beendete das Skirennen mit dem dritten Platz. Der Österreicher Sebastian Graser dominierte das Rennen mit vier Sekunden Vorsprung vor dem Italiener Marco Valente. Andreas Fischer erfuhr sich Platz 15, dicht gefolgt von Nick Grimm. Daniel Born wurde 21.

Tag 4 – Finalsprünge:

Meet-Direktor Martin Gabla verkündete am Morgen des Finaltages, dass alles versucht würde, um den ausstehenden sechsten Durchgang und die Finalsprünge noch zu absolvieren. Das Regenradar ließ nur eine zweistündige Wolkenlücke erkennen, und so wurde früh am Morgen das Sprunggelände präpariert, um pünktlich mit dem Springen starten zu können. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, motivierte Jürgen Barth seine Mannschaft. „Es sind nur 9 cm! Das ist noch möglich!“, redete Nick Grimm auf seine Teamkollegen ein. Alle Aktiven harrten am Sprungplatz aus und warteten auf die Wolkenlücke. Mit Karaoke und Gruppentänzen am Sprunggelände, mit Kicker und Kaffee in der nahe gelegen Berghütte wurde die Zeit überbrückt, bis letzten Endes der Wettbewerb als beendet erklärt wurde. Somit starb die letzte Hoffnung, den Rückstand auf das tschechische Team noch aufzuholen, um mit etwas Glück doch noch mit einer Medaille nach Hause zu fahren. Team Austria wurde erstmals Mannschaftsweltmeister vor dem jungen russischen Team und dem erfahrenen Team aus Tschechien. Die Herreneinzelwertung gewann Sebastian Graser überlegen vor dem Russen Alexey Burenin und Thomas Saurer aus der Schweiz. Die Damenwertung gewann Magdalena Schwertl (A) vor Franzi Christian (CH) und July Schosser (A). Die Teamwertung der Damen ging an Team Austria, vor Team Switzerland und Team Czech Republic. Die Juniorenwertung ging ebenfalls an Sebastian Graser vor Ivan Gusikhin (RUS) und Manuel Sulzbacher (A). Die Masterwertung ging an Thomas Saurer (CH) vor Anton Gruber(A) und Marco Valente aus Italien. Mit einer stilvollen Abschlusszeremonie wurde die 17. FAI Para-Ski-Weltmeisterschaft durch Michael Egger beendet und anschließend in den Festsaal der Stadt Vrchlabi geladen. Mit rockiger Musik wurde bis in die Morgenstunden gefeiert, bis anschließend die lange Heimfahrt gestartet werden konnte.

„Der Saisonhöhepunkt war unerfreulich. Wir wollten eine Medaille gewinnen, was nach dem Saisonverlauf auch möglich gewesen wäre. Die guten Ergebnisse bei den Weltcup-Veranstaltungen trösten etwas über das schlechte Abschneiden bei der WM hinweg, aber am Ende zählt nur das WM-Ergebnis“, so Bundestrainer Reinhold Haibel.

Reinhold Haibel

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