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Liebe DFV-Mitglieder,

man nehme 6 EL Mitgliedsbeiträge des DFV, 1 EL Haushaltsmittel der DAeC-Landesverbände und gebe sie in das mit „BKF-Sporthaushalt lfd. Jahr“ beschriftete Behältnis. Dem Kühlfach entnehme man das entsprechende Behältnis aus dem Vorjahr und hebe den Inhalt bedenkenlos unter – in Ausnahmejahren kommen so 1-2 EL extra hinzu, regelhaft ist es, wenn überhaupt, nur ein kleines Teelöffelchen. Die entstehende Masse verrühre man zu einer homogenen Geldmenge und würze diese mit einer Messerspitze Spenden, welche durch Auskratzen des ganzjährig aufgestellten Spendentöpfchens maximal gewinnbar ist. Den Griff zum Fläschchen mit den BMI-Geldern, also mit den Mitteln des in Deutschland für die Sportförderung zuständigen Innenministeriums, kann man sich als Fallschirmsportler getrost sparen. Während es in den 90er bzw. den frühen nuller Jahren noch 3-4 EL zusätzliche Mittel enthielt, ist das Fläschchen seit Jahren leer. Mithin ist der Füllvorgang des Sportetats abgeschlossen – entspricht ein EL realistischerweise zehntausend Euro, kommen 70-95 T€ zusammen.

Das hört sich nach viel an, ist es aber nicht. Denn ca. 10 T€ werden allein dafür beansprucht, dass Schiedsrichter ausgebildet, Bundestrainer und Athletensprecher für ihre Aufwendungen entschädigt, Delegierte zur IPC-Sitzung entsandt sowie Anti-Doping-Maßnahmen durchgeführt werden. Weitere 5-10 T€ fließen zur Förderung des Breitensports an die Ausrichter von Deutschen Meisterschaften. Für die gezielte Spitzensportförderung verbleiben also 50-80 T€, die gerecht aufgeteilt sein wollen. Aber was ist gerecht? Welches Prinzip und welcher Verteilungsschlüssel sind anzuwenden?

Hierauf mag jede und jeder eine individuelle Antwort finden. Die Bundeskommission Fallschirmsport (BKF) verfährt seit Jahren nach dem Grundsatz, alle Disziplinen und A-Kader-Sportler möglichst gleich zu behandeln. Dabei bezieht sich die Gleichheit sowohl auf Art und Umfang der Förderung als auch auf die zu erfüllenden Qualifikationsnormen. Die Förderung besteht in der Übernahme des Nenngelds für die Teilnahme am internationalen Spitzenwettbewerb sowie der (Teil)Erstattung der Reisekosten dorthin, was impliziert, dass der Förderbetrag nur dann für alle gleich hoch ist, wenn alle zu identischen Konditionen am selben Wettbewerb teilnehmen. Also nie. Die zu erfüllenden Qualifikationsnormen sind Ergebnis eines im Vorjahr stattfindenden Vorschlags-, Beratungs- und Entscheidungsprozesses, an dem alle Bundestrainer bzw. Koordinatoren, der Athletensprecher sowie der BKF-Vorstand beteiligt sind. Auch hier ist die absolute Gleichheit eine Illusion, wenn man sich allein die unterschiedlichen Bewertungsmethoden im FS, AE oder CP vergegenwärtigt. Als gemeinsamer Nenner hat sich herausgebildet, dass beim Gewinn der Deutschen Meisterschaften bzw. bei der Teilnahme an einem anderen benannten Qualifikationswettbewerb eine Leistung nachgewiesen werden muss, die international zum Erreichen des Halbfinals oder unter die Top 25% des Teilnehmerfelds führt. Die exakten Eckdaten und der genaue Wortlaut für alle Disziplinen sind auf der Webseite des DFV unter der Rubrik „Kader & Disziplinen“ veröffentlicht.

Angesichts der vielen Disziplinen, ob indoor oder outdoor, ob mit geschlossenem Container oder am Schirm hängend, kann sich jeder leicht ausrechnen, dass die Begehrlichkeiten hoch, die Aussichten  auf eine substanzielle, sprich die Kosten auch nur ansatzweise deckende Förderung aus dem Sporthaushalt indes recht niedrig sind. Kein Wunder also, dass sich die Motivation zum Erreichen von Spitzenleistungen weniger an pekuniären Anreizen als an der Intensität des im Sportlerherzen brennenden Feuers festmachen lässt.

Einen möglichst hitzigen Start in die Freiluftsaison wünscht

Henning

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