Mach‘s mit Gummi!

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Haben unsere Packgummis Einfluss auf das Öffnungsverhalten des Fallschirms? Ja, haben sie! Es gibt große und kleine, flache und runde (Tubes), man kann sie einmal oder zweimal um die Leinen wickeln, vorne durch die Ösen oder seitlich am POD anbringen. Aber welcher Gummi ist der richtige für mein Gurtzeug und was ist das beste Set up für eine gute Öffnung?

Die Schwierigkeit bei der Antwort: es gibt keine eindeutig richtige Antwort auf diese Frage! Die Praxis zeigt, dass viele unterschiedliche Wege ans Ziel führen und was beim einen funktioniert, bereitet beim anderen Probleme. Wir wollen deshalb keine Ideallösung vorgeben, sondern zum Denken anregen, welche Probleme evtl. auftreten können und was wir mit wenigen Handgriffen ausprobieren und verbessern können.

Welche Funktion übernehmen unsere Packgummis? Sie sind an unserer Packhülle, dem POD, angebracht und ermöglichen eine Aufnahme der Leinen. Nachdem das Handdeploy den Container geöffnet hat und den POD herauszieht, soll er möglichst gerade und symmetrisch, senkrecht nach oben gezogen werden.

Verwenden wir unterschiedliche Größen und Arten von Gummis haben wir unterschiedliche Spannungsverhältnisse beim Ausschlaufen der Leinen und der POD wird nicht im sauberen Zick-zack nach oben ausgezogen, sondern taumelt unkontrolliert hinter uns her. Eine Seite wird schneller abgezogen, die andere blockiert mehr, das zerstört schnell die Symmetrie. Jede Rotation des PODs wird auch in der Öffnungsstabilität des Fallschirms spürbar, d.h. er öffnet im Heading oder seitlich verdreht nach rechts oder links. Im schlimmsten Fall endet die Öffnung sogar mit Fangleinen-Verdrehungen, sogenannten Li­ne-twists oder in einem Line-over, also Leinenüberwurf an der Kappe. 

Wird der POD durch zu starke Spannung an den Gummis gebremst, macht sich das auch in einer längeren Öffnungsstrecke bemerkbar. Springer, die oft mit Leinenverdrehungen, Off-Heading-Öffnungen oder langen Öffnungsstrecken zu tun haben, können sicherlich an dieser Stelle ein wenig am Set up spielen.

Nun die Frage – einmal um die Leinen oder zweimal?

Ein guter Ansatz ist es, die Gummis an den vorderen Ösen nur einmal herumzuwickeln. Der POD befindet sich ja grundsätzlich in unserem Lee-Bereich am Rücken und bekommt wenig Luftanströmung ab. Wenn die ersten Leinenschläge leichter abgehen, ist der POD schneller im sauberen Luftstrom und „tanzt“ weniger auf unserem Hinterteil. Da der POD nun schon etwas an Fahrt und Geschwindigkeit aufgenommen hat, können die seitlichen Packgummis bedenkenlos zweimal um die Leinen geschlauft werden und werden dennoch zügig abgezogen. Das ist definitiv ein Bonus für eine saubere Öffnung. Vielfach bewährt hat sich die Methode mit großen Gummis an den Ösen (einfach eingeschlauft) und großen Gummis an der Seite, die dann doppelt genommen werden. Alternativ kann man auch kleine Gummis seitlich nehmen, die dann nur einfach umwickelt werden. 

Ob große oder kleine Gummis verwendet werden sollen, hängt vom Leinentyp des Fallschirms ab. Für dünne 500 HMA-Leinen empfiehlt sich eher die kleinere Variante. Bei 750 Microlines oder Dacron-Leinen mit größerem Durchmesser eher die größeren. Das hängt aber auch stark vom Schirmtypen ab (7 Zeller oder 9 Zeller), denn je nach Bauform haben Schirme mehr oder weniger Leinen. Ihr seht also, eine grundsätzlich richtige Antwort fällt schwer. Was man generell über alle Arten der Packgummis sagen kann: wartet nicht so lange, bis sie reißen. Wenn ein Gummi Risse hat oder ausgeleiert ist, wechselt ihn aus und wickelt ihn nicht dreimal um die Leinen. Die Kosten dafür sind überschaubar, denn ein neuer Leinensatz kostet immer mehr. Mischt nicht willkürlich Tubes und flache Gummis und nehmt für rechts und links die gleiche Größe, das ist schon mal die halbe Miete.

Ob die Wahl nun auf Tubes oder auf flache Gummis fällt, ist Geschmackssache. Ein Pluspunkt für die flache Variante ist, dass viele Sprungplätze sie kostenlos auslegen. Tubes sind definitiv die teurere Alternative, dafür aber auch etwas langlebiger. Eine Lösung „für immer“ sind Tubes aber auch nicht. Sie sollten, wie auch flache Gummis, als regelmäßiges Verschleißteil betrachtet werden. Wer dem Gummi-Wahn gänzlich entfliehen will, kann auch auf einen „Semi Stowless Pod“ oder „Magnetic Pod“ umsteigen, da gibt es ja heutzutage von vielen Herstellern auch ganz schicke Lösungen.

In diesem Sinne, schöne und unfallfreie Sprünge!

Sepp Bunk & Raphael Schlegel

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2019-06-27T11:43:56+02:00

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