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Liebe DFV-Mitglieder,

vor knapp vier Jahren, Ende 2014, haben der Bundesminister des Inneren – damals Herr Dr. de Maizière – und der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Herr Hörmann, die gemeinsame Entscheidung getroffen, die Spitzensportförderung zu reformieren. Zu Beginn des Jahres 2015 wurde daraufhin unter Beteiligung zahlreicher Verbände und Gremien das bis dato geltende System umfassend auf den Prüfstand gestellt, um Probleme und Defizite zu benennen, gemeinsame Zielstellungen zu entwickeln und Empfehlungen für eine Neustrukturierung zu erarbeiten. Im Herbst 2016 stellten der Innenminister und der DOSB-Präsident das entstandene Eckpunktepapier dem Sportausschuss des Bundestags vor, im Anschluss erhielten auch die Verbände sowie die Sportministerkonferenz der Länder die Gelegenheit, sich mit dem Konzept zu befassen. Da es von allen politischen Gremien im Grundsatz bestätigt wurde, kann es spätestens seit Ende 2016 als beschlossene Sache gelten, weshalb die Öffentlichkeit im Verlauf des letzten Jahres in vielen Medien darüber in Kenntnis gesetzt wurde – manch einer erinnert sich vielleicht an den Auftritt des Innenministers im akt. Sportstudio.

Was das mit dem Fallschirmsport zu tun hat? Prima facie nicht viel, da es an vorderster Front um die Spitzensportförderung in den olympischen Disziplinen geht. Bei etwas näherer Betrachtung aber recht viel, denn die Reformen an besagter Front werden in beinahe unveränderter Form auch auf Nicht Olympische Verbände übertragen, zumindest auf diejenigen, die sich im unmittelbaren Umfeld der olympischen Sportarten befinden. Und schon sind wir beim Fallschirmsport, da Canopy Piloting (CP) seit Jahren und auch in absehbarer Zukunft fester Bestandteil der World Games ist, welche national wie international dieselbe organisatorische Aufmerksamkeit durch die Verbände genießen wie die Olympischen Spiele.

Mit den Großen zu spielen erfordert durchweg professionellere Strukturen als wir sie bislang gewohnt sind, zumindest wenn wir auch an die Fördertöpfe des BMI heran wollen. Das beginnt bei einem (hauptamtlichen) Sportdirektor, geht über wohl ausgebildetes Trainerpersonal und flächendeckend vorhandene Landes- bzw. Bundesstützpunkte bis hin zu klaren Kaderstrukturen, Wettbewerbsformaten und Qualifikationsrichtlinien. Genau hier gilt es in naher Zukunft abzuwägen, wie hoch der Preis der Strukturanpassung ist und welcher zusätzliche Benefit durch öffentliche Zuschüsse winkt. Bis eine Entscheidung hierüber getroffen oder gar eine Änderung herbeigeführt ist, füllen wir unseren Sporthaushalt wie gehabt aus Mitgliedsbeiträgen, um unseren Sportlern in allen möglichen Disziplinen die Reise zu und die Teilnahme internationalen Spitzenwettbewerben zu ermöglichen, und achten darauf, dass klare Qualifikationsregeln gesetzt und eingehalten werden.

Im Jahr 2018 fanden Cat.1-Wettbewerbe bereits für die klassischen Disziplinen (Bulgarien), Canopy Piloting (Polen) und Wingsuit (Tschechien) statt, wo insgesamt mehr als 20 Deutsche Sportler durch den Verband bezuschusst teilnahmen. Die größte Veranstaltung steht noch bevor, wenn Anfang Oktober 27 Sportlerinnen und Sportler zur WM für Formationsspringen (FS), Canopy Formation (CF), Artistische Disziplinen (AE) und Speed Skydiving (SPS) nach Australien fliegen. Da ist es leicht nachvollziehbar, dass der Sporthaushalt, der alle Jahre wieder mit etwa 80 T€ gefüllt wird, nichts mehr hergibt, um auch noch die Indoor-WM in Bahrain zu beschicken.

Unserer Deutschen Delegation in Australien viel Erfolg! Allen anderen einen an Strukturen, Vorgaben und Formalien armen Herbst, was sich idealtypisch im Freifall erleben lässt.

Henning

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