Vom 14.-23.11.25 reiste die deutsche Delegation unter der Leitung von Oberfeldarzt Dr. Haunstein nach Doha zur 47. CISM im Fallschirmspringen an. Gespickt ausschließlich mit Mitgliedern der Sportfördergruppe waren in der Männermannschaft Elischa Weber, Kai Erthel, Robin Griesheimer, Samuel Wallrath und Elias Kammer. Bei den Junioren gingen Zoe Stoll, Magnus Ostler und Natalie Henzler ins Rennen um die Medaillen, wobei die beiden Letztgenannten nicht nur die Jüngsten in der Mannschaft waren, sondern auch gleichzeitig an ihrer ersten CISM teilnahmen. Betreut wurden sie von den beiden Heimtrainern Wolfgang Lehner und Christoph Zahler. Ebenfalls vor Ort war der Bundestrainer Torsten Kunke, dieses Mal in der Funktion als Schiedsrichter. Bereits zwei Tage eher reisten der Leiter der Sportfördergruppe und gleichzeitiges Mitglied des internationalen Fallschirmkomitees Oliver Vent, der stellvertretende Leiter der Sportfördergruppe Sascha Lasotta und Christian Kautzmann an, die in verschiedenen Funktionen für den guten Ablauf der Weltmeisterschaft mitwirkten. Aber auch sonst wurde viel deutsch in Katar gesprochen. Neben den Betreibern der Zielanlage aus Österreich waren, wie bereits bei den vergangenen vier Weltmeisterschaften, Christian Schomaker und Silvio Csuck in der Organisation am Manifest im Einsatz. Auch Carsten „Casi“ Thiel hielt für den Veranstalter die Weltmeisterschaft bildlich fest und berichtete aktuell über die sozialen Medien. Komplettiert wurde die deutsche Delegation durch den Physiotherapeuten Denny Steinbrecher, der mehr als gedacht zu tun bekommen sollte.
Der Organisator stellte einen perfekt vorbereiteten Wettkampf auf die Beine und wie so oft in arabischen Staaten ließ auch die Eröffnung keine Wünsche offen. Neben einer beeindruckenden Airshow und einem amtlichen Weltrekord, waren auch die hochrangigen Persönlichkeiten des Landes anwesend.
Bereits 2021 fanden die Welttitelkämpfe am selben Ort statt und mit sehr guten Erinnerungen und bestens vorbereitet ging es für alle Athleten am 14. November los. Mehr als 200 Sportlerinnen und Sportler aus 29 Nationen traten an, um die Besten im Ziel-, Stil- und Formationsspringen zu ermitteln. Die deutsche Mannschaft war in mehreren Disziplinen Medaillenkandidat, und so starteten die Mannen um Wolfgang Lehner auch verheißungsvoll in den Wettkampf. Bei sehr anspruchsvollen Wetterbedingungen lagen nach der Halbzeit im Zielspringen die Männer im Medaillenbereich, aber bis Platz sechs trennten die Mannschaften lediglich wenige Zentimeter. Die Damen und Junioren begannen mit Stilspringen und beide Damen zeigten ihre guten Trainingsleistungen und konnten an den Medaillenplätzen kratzen.
Am dritten und vierten Wettkampftag fielen die ersten Entscheidungen. Sowohl bei den Damen als auch den Juniorinnen wurden sowohl im Ziel- als auch Stilspringen die begehrten Medaillen vergeben. Das schwierige Wetter forderte seinen Tribut und dennoch konnten beide Juniorinnen auch hier ihr Können zeigen und denkbar knapp, mit nur drei Zentimetern Rückstand auf die Gewinnerin Lois Baal aus Frankreich, sicherte sich Natalie Henzler die Silber- und nur weitere vier Zentimeter dahinter Zoe Stoll die Bronzemedaille im Zielspringen. Gleichzeitig spulten beide ihre Stilsprünge sicher ab und stellten dabei mehrfach persönliche Bestzeiten auf. Nach insgesamt fünf Sprüngen in dieser Disziplin konnten sich beide noch einmal farblich verbessern. Natalie gewann mit einer halben Sekunde Vorsprung auf ihre Landsfrau Zoe Gold, gefolgt von Lois Baal. Diese Leistung reichte sogar für Platz drei und vier in der Frauenwertung für Natalie und Zoe und lässt erahnen, welches Potenzial beide jungen Springerinnen mit gerade einmal 20 und 22 Jahren für die Zukunft haben.
In der Addition aus beiden Disziplinen konnten sich beide Athletinnen über eine weitere Medaille freuen. In der Einzelkombination gewann Natalie ihre zweite Goldmedaille, Bronze ging an Zoe.
Bei den Männern blieb es in allen drei Disziplinen weiterhin spannend. Nach der Hälfte der Sprünge im Stilspringen konnten sich Robin Griesheimer und Elischa Weber ein bisschen vom Rest des Feldes absetzen und den Titel unter sich ausmachen. Aber auch die anderen drei Mannschaftskameraden zeigten ihr Können und alle fünf Sportler lagen am Ende unter den Top 10. Am vierten und fünften Wettkampftag konnte aufgrund des starken Windes nur Stil- und Formationsspringen durchgeführt werden. In der fünften und damit Finalrunde der Männer bahnte sich ein Herzschlagfinale zwischen Robin und Elischa an. Aber auch die beiden tschechischen Springer lagen noch in Schlagdistanz. Mit persönlicher Bestzeit von 5,94 Sekunden legte Robin die Latte für seinen Mannschaftskameraden sehr hoch. Auch Elischa zeigte einen sehr guten Sprung, lag aber nach fünf Runden dann tatsächlich 4 Hundertstel Sekunden hinter Robin. Die Bronzemedaille ging an Oldrich Sorf aus Tschechien. Gleichzeitig ging es im Männerfinale auch um den Titel bei den Junioren. Die Bronzemedaille hatte sich bereits Magnus Ostler gesichert, der damit seine erste internationale Medaille sein Eigen nennen durfte. Im Zweikampf um Gold ging Elias mit kleinem Vorsprung in die Finalrunde. Auch hier zeigte er einen soliden Sprung und konnte nach fünf Sprüngen und persönlicher Bestzeit über die Goldmedaille jubeln. Silber mit lediglich 19 Hundertstel Sekunden Rückstand ging an Michael Urban aus Österreich.
Im Formationsspringen kamen die Mannen um Wolfgang Lehner auch gut in dieser Disziplin in den Wettkampf und belegten nach der Halbzeit einen Podestplatz. Hier ging es neben dem Gewinn einer Medaille vor allem darum, vor den Tschechen zu bleiben, die besonders in dieser Disziplin noch einmal eine Schippe draufgelegt hatten. Aufgrund des starken Windes waren an den letzten beiden Wettkampftagen nur noch Formationssprünge möglich. Nachdem sie sich in Runde drei bereits auf den zweiten Platz verbessert hatten, ging es in den verbleibenden Runden darum, diese Position zu halten. Besonderen Druck machten die Türken und die leicht favorisierten Spanier, die Runde um Runde aufholten und den Deutschen gefährlich nahe kamen. Allerdings wurde nach fünf Runden der Wettkampf aufgrund des zu starken Windes abgebrochen und damit blieb Deutschland auf dem Silberrang. Gold sicherte sich überlegen das Team Hayabusa aus Belgien und Bronze ging an die Türkei.
Ebenfalls aufgrund der Wetterbedingungen wurde die achte Runde im Mannschaftszielspringen nicht mehr ausgetragen. Allerdings hat diese Entscheidung einen fahlen Beigeschmack, denn zu Beginn des letzten Wettkampftages wurde trotz Wetterprognose nicht mit Ziel begonnen, sondern das Formationsspringen bevorzugt. Somit blieben die Ergebnisse der siebten Runde in der Wertung. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge mussten die Deutschen dieses Ergebnis akzeptieren. Weinend, weil mit dem denkbar knappsten Abstand zu Bronze von lediglich einem Zentimeter Rückstand und auch nur zwei Zentimeter Rückstand zu den beiden Führenden nur der undankbare vierte Rang übrig blieb. Lachend, weil Robin zentimetergleich mit einem Katari Gold im Einzelzielspringen gewann und damit seinen Sieg an gleicher Stelle wie vor vier Jahren wiederholen konnte. Gold im Mannschaftszielspringen ging an die Hausherren aus Katar, zentimetergleich mit Tschechien, aber mit besserem Rundenergebnis, und die Bronzemedaille sicherten sich die Eidgenossen aus der Schweiz.
Nachdem alle Wettkampfsprünge beendet waren, blieb nur noch die „Königsdisziplin“ die Kombinationswertung offen. Ähnlich wie im Zehnkampf gilt es hier, in der Addition der drei Disziplinen keine Schwäche zu haben und mit ausgeglichenen Leistungen zu punkten. Besonders gut ist das den Deutschen gelungen. Nachdem die beiden Juniorinnen bereits mit Gold und Bronze ihren Hals schmücken konnten, konnte sich Elias knapp hinter Michael Urban aus Österreich die Silbermedaille erkämpfen. Bei den Männern ging nach den beiden Einzeltiteln von Robin auch in der Einzelkombination kein Weg an ihm vorbei; er machte damit das Triple perfekt. Erstmals in der über 60-jährigen Geschichte der CISM gelang es einem männlichen Sportler, alle drei Titel in einem Wettkampf zu gewinnen. Was für eine Leistung! Dafür wurde Robin mit dem Ehrenpokal für den besten Springer ausgezeichnet. Auch die anderen Deutschen konnten sich im Feld der über 150 Teilnehmer gut behaupten. Elias gelang in der Männerwertung Rang sechs, nur einen Platz dahinter reihte sich Kai auf Rang sieben ein. Das erklärte Ziel, der Gewinn der „Königdisziplin“, nahm Gestalt an und um 12.30 Uhr lokaler Zeit durften die Deutschen erneut jubeln. Mit zwei Platzziffern Vorsprung auf Tschechien konnte sich die deutsche Mannschaft die Goldmedaille sichern. Bronze ging überraschend nach Österreich.
Mit insgesamt sieben Gold-, fünf Silber- und vier Bronzemedaillen, einem neuen Junioreneuroparekord im Stilspringen durch Zoe Stoll war Deutschland einmal mehr der große Gewinner bei der diesjährigen Militärweltmeisterschaft.
Ergebnisse: https://results.worldskydiving.org/FrontEnd/ContestedEvents/1151
Hauptfeldwebel Torsten Kunke