Ja, systematische Arbeit ist anstrengend und nervig und gezielte Investitionen schmälern das Champagner-Budget. Lohnt es sich trotzdem?
Zugegeben, der als Überschrift gewählte Spruch wurde schon zu DDR-Zeiten als Ironie verstanden, aber in dieser für uns nach Wetter und damit finanziellem Ertrag ausnehmend schlechten Saison 2025 war er schon eine Art Durchhalteparole. Also immer vorwärts, denn Planbarkeit ist gerade in unserem Sport wichtig, da man sich Erfolge in vielen, oft kleinen Schritten erarbeiten muss. Da wäre es fatal, wenn wirtschaftliche Schwankungen sich unmittelbar auf Sportförder-Budgets und -Programme auswirken würden.
Vorwärts immer in Gransee: TeamBerlin
Wir erinnern uns (oder können auf www.fsg.fun die Beschreibung nachlesen):
Das Programm TeamBerlin bietet engagierten FSG-Springern in Gransee spürbare organisatorische und finanzielle Vorteile bei Tickets, Kursen, Materialkäufen und potenziell Sponsoring. Der „Preis“ dafür ist die Teilnahme z.B. an CP-Kursen, regelmäßiges Springen und in der höchsten Förderstufe eine obligatorische DM-Teilnahme.
Für FSG und GoJump gab es mit den jüngsten Erfolgen bei der DM 2025 eine erneute Bestätigung, dass wir weiter auf dem richtigen Weg sind. Ob der erneute 1. Platz von PACE (4-Way AA), der tolle 2. Platz von Airtron oder der in harter Konkurrenz fantastische 3. Platz von Skylicious – das viele Training trägt Früchte. Im Laufe der Saison wuchs die TeamBerlin-Programmteilnehmerzahl weiter an und wir haben viele Erkenntnisse gewonnen, die 2026 in die Programmgestaltung einfließen werden. Auch eine Verzahnung des Programms mit Events wie CloudNine fand schon statt und viele TeamBerliner sprangen dort mit.
Zur nächsten DM wird die Zahl der FSG/GoJump-geförderten Athleten aus Gransee weiter wachsen und mindestens eine weitere Disziplin kommt hinzu. Aber auch nicht so wettbewerbsorientierte Springer nutzen vermehrt das Programm, um gemeinsam mit Gleichgesinnten sicherer und mit mehr Spaß zu springen.
Klar, systematisches Training braucht Flugzeugkapazität, daher wurde von GoJump trotz fragwürdigen Wetters an kritischen Sprungtagen eine Caravan 208B zugechartert, um nach und nach die Brücke zu einem permanent für die Sportspringer rotierenden Flugzeug zu bauen.
Das alles kostet Geld in Zeiten schlechter Konjunktur – wo ist der Nutzen?
Vereine wie die FSG und Unternehmen wie GoJump haben natürlich kein unerschöpfliches Budget. Sportliche Erfolge sind schön, aber ohne materiellen Nutzen funktioniert es auf Dauer nicht, denn die schwierige gesamtwirtschaftliche Lage ist auch im Berliner Markt angekommen.
Der Nutzen ist allerdings vielfältig und auch messbar:
- Regelmäßiges Training und Kurse stützen, was für FSG und GoJump gemeinsam die höchste Bedeutung hat: Schwere oder gar tödliche Unfälle hatten wir seit Jahren nicht und selbst die Zahl der Kleinigkeiten wie Verstauchungen oder angeknackste Knöchel tendiert gegen null (Tandem ohnehin seit Jahren ohne Unfall). Das hält Anfänger wie Fortgeschrittene im Sport und vermeidet Betriebsunterbrechungen, die neben dem Spaß für alle auch das Tandemgeschäft als wichtige Quelle der Sportfördermittel stören würden.
- Die FSG ist ein konstant wachsender Verein in einem bundesweit mit Schrumpfung kämpfenden Sport. Wer Spaß hat und sich betreut und sicher fühlt, der springt öfter und entwickelt freundschaftliche Bindungen. Einbindung in ein Programm und die damit einhergehende, fühlbare Wertschätzung der Teilnehmer fördert Identifikation mit dem Verein und damit die Bereitschaft zur uneigennützigen Mitarbeit.
- Erfolg ist attraktiv und anziehend. Wo viel erfolgreicher Sport ist, entstehen Gravitationskräfte, die weitere erfolgreiche Sportler und Coaches anziehen – auch, weil hier die wirtschaftliche Basis für sie wächst.
- Systematisch trainierende Sportler (ob wettkampforientiert oder nicht) sind bessere Partner für die Flugzeugplanung: Die Auslastung steigt, die Verarbeitung von Auslastungsspitzen lässt sich besser steuern, die Risiken der teuren Charter von Zusatzkapazität werden kleiner.
- Mehr bunte Action auf dem Platz ist auch attraktiv für Zuschauer. Zuschauer konsumieren, bringen andere mit und entwickeln u.U. auch den Wunsch, selbst zu springen oder einen Sprung zu verschenken. Gerade sichtbar am Boden einen Sprung vorbereitende TeamBerlin-Sportler triggern viel Neugier und Interesse. Sportler im Flugzeug führen Tandemgästen (= zukünftige AFF-Kunden und Vereinsmitglieder) sehr lebenspraktisch vor, wie spannend der Sport sein kann.
Soso, die Sicherheit, Effizienz und der Sport. Aber was ist mit harmlosem Spaß?
Auch der vollkommen zweckfreie Spaß kommt in Gransee nicht zu kurz. Endlich gelang mal nach Jahren wieder die Organisation von Ballonsprüngen, die quasi in Minuten ausgebucht waren. Kommt wieder im nächsten Jahr, ist schon abgemacht! Immerhin sieben Springer werden pro Ballonfahrt abgesetzt und im Erstversuch wurden alle in überschaubarer Zeit etwas abseits der DZ nach softer Landung erfolgreich vom GoJump-Bus eingesammelt.
Und Rekorde, habt ihr auch Rekorde?
Naja. Schon. Na gut, der sportliche Wert unseres neuen Rekords ist nicht direkt DOSB-tauglich. Aber zumindest passt er imagemäßig zum Osten, dem man ja immer eine erhöhte FKK-Affinität unterstellt: Wir haben den deutschen Rekord im Nacktformationssprung von 8 auf 9 Springer anheben können. Ein Team aus 14 FSG-Mitgliedern und GoJump-Springern versuchte sich an einer Art Ringelpietzkreis … naja, wir arbeiten weiter daran. GoJump sponsorte mehrere Loads – sonst stellen wir ja eher Team-Kombis – hier dann mal nicht.
Nächste Saison ein neuer Versuch aus zwei Caravans? Gastspringer willkommen!
Wieder eine DM in Gransee?
Was für ein Glück wir in 2024 mit der DM in Gransee hatten, haben wir 2025 bei unserem Besuch der DM in Stadtlohn wohl erst so richtig begriffen: Der großartige Einsatz der Vereinsmitglieder und dann so schlechtes Wetter … ein wahnsinniges Pech! Aber dieses Risiko gehört zu unserem Sport und deshalb begreifen wir in Gransee das Ausrichten einer DM in gewissen Abständen als Ehrensache für jede DZ, die sportlich ernstgenommen werden möchte. Und sportlich ernstgenommen wollen wir auch künftig werden!
… und was wird aus den Granseer „Sondernummern“?
Ja, wir haben auch in 2025 wieder tausende Tandemgäste in DFV-Schnuppermitglieder verwandelt. Ein erklärender Satz, ein Lächeln – schon macht der Gast sein Kreuzchen. Und entsprechend wenig Verständnis haben wir nach wie vor für andere große Tandemproduzenten, die diesen kleinen Dienst am Sport nicht hinbekommen.
Und wer in Gransee springt, der tut das weiter ausschließlich als
DFV-Mitglied. Ob schon immer gewesen oder eben flink beim Manifestieren frisch eingetreten – beides ok. Wer es nicht für sinnvoll hält, die einzig wirksame Lobby unseres Sports mit einer Handvoll Euros zu unterstützen, springt eben woanders. Ein großer Gransee-Exodus blieb bislang aus.
Nga Dieu & Jan Dietrich Hempel