Alles begann mit einer spontanen Entscheidung. Ein Freund aus der Fallschirmsprung-Community erzählte von einer Veranstaltung auf den Seychellen, und als ich die Fotos der Landezonen auf unberührten Stränden und kleinen Inseln sah, umgeben von türkisfarbenem Wasser, wusste ich sofort, dass ich dabei sein musste. Die Vorstellung, ein Flugzeug zu verlassen und auf weißem Sand zu landen, eingerahmt vom Ozean, fühlte sich außergewöhnlich an. Es versprach etwas, das ich auf keiner anderen Dropzone zuvor erlebt hatte.
Obwohl ich seit 40 Jahren in diesem Sport aktiv bin, sollte dies mein erstes tropisches Boogie und meine ersten Strandlandungen werden – eine Erfahrung, die dem Ganzen eine völlig neue Ebene der Aufregung verlieh.
Bei der Ankunft traf ich die Organisatoren Herman und Dario, zwei Legenden des Sports. Die Atmosphäre war lebendig und herzlich. Fallschirmspringer aus aller Welt waren zusammengekommen, vereint durch eine gemeinsame Leidenschaft, die keine Worte brauchte. Alle waren voller Vorfreude aufs Springen, Lernen und Genießen.
Die Sprünge selbst waren schlicht spektakulär. Aus der Höhe wirkten die Inseln wie verstreute Smaragde, die auf einer Glasfläche schwammen. Sanft auf warmem Sand zu landen, mit dem Ozean nur wenige Meter entfernt, fühlte sich wie ein Traum an – einer dieser Sprünge, die man ein Leben lang nicht vergisst.
Am ersten Sprungtag fiel die Entscheidung, nach Bird Island zu fliegen. Der Blick aus dem Flugzeug war atemberaubend: eine endlose Weite des Ozeans, unterbrochen von Korallenriffen, die unter der Wasseroberfläche leuchteten. Dank vorhersehbarer Winde ließ sich ein klares und sicheres Landemuster mühelos festlegen. Die Landung auf dem weichen, puderartigen Sand war surreal, doch die wahre Magie begann erst danach. Tausende Vögel umgaben uns, ihre Rufe hallten wie ein feierlicher Empfang über die Insel. Sie begleiteten uns zu dem offenen Truck, der uns zum Inselrestaurant und zur Bar brachte. Und als ob die Vögel nicht schon genug gewesen wären, wurden wir auf der kurzen Fahrt von riesigen Landschildkröten begrüßt, die seit Jahrhunderten auf der Insel leben. Drei Sprünge an einem einzigen Tag in einem solchen Paradies zu erleben, fühlte sich fast unwirklich an – und ich kann kaum beschreiben, wie glücklich wir uns schätzen durften.
An den folgenden Tagen ging es zum ebenso beeindruckenden Strand von Grand Anse. Der lange Sandstrand und die wechselnden Gezeiten stellten eine neue Herausforderung dar, machten jeden Anflug etwas technischer und jede Landung noch lohnender. Dort absolvierten wir sieben weitere Sprünge, jeder so schön wie der vorherige, eingerahmt von kristallklarem Wasser, sich wiegenden Palmen und dem fernen Summen der Insel, die zum Leben erwachte. Es war pures Glück – vom Abheben bis zur Landung.
Was diese Veranstaltung wirklich besonders machte, war ihr Geist. Es ging nicht um Wettbewerb oder Rekorde, sondern darum, die reine Essenz des Fallschirmspringens an einem der schönsten Orte der Welt zu feiern. Die Organisatoren schufen ein nahtloses, entspanntes und sicheres Erlebnis, bei dem alles wie von selbst zu fließen schien.
Herman und Dario wurden von einem unglaublichen Team professioneller Kameraflieger unterstützt, die Erinnerungen für ein ganzes Leben festhielten. Familienmitglieder waren ebenfalls dabei und verliehen der Atmosphäre zusätzliche Wärme. Unterstützt wurde das Event von erfahrenen Piloten sowie dem besonderen Nervenkitzel, aus Militärflugzeugen zu springen – gemeinsam mit lokalen Fallschirmspringern, die sich perfekt ins Team einfügten.
Die Gesamtstimmung glich einem tropischen Urlaub: herzliche Abendessen, Barbecues am Strand, Tage im Sand, gemeinsame Mahlzeiten, endloses Lachen und neue Freundschaften, die ein Leben lang halten werden. Das Fallschirmspringen auf den Seychellen erinnerte mich daran, warum ich diesen Sport liebe. Es geht um mehr als den freien Fall oder die perfekte Landung – es geht um die Gemeinschaft, den Geist, die gegenseitige Fürsorge und die außergewöhnlichen Orte, an die uns das Fallschirmspringen führt.
Als Ergebnis dieser Reise bin ich fest entschlossen, mich dieser Gruppe bei jeder sich bietenden Gelegenheit anzuschließen. Es brauchte nicht viel Überzeugung, um bereits ein weiteres Boogie in Ägypten zu buchen, und es wird schon über weitere tropische Abenteuer gesprochen. Die beste Nachricht? Das Seychelles Boogie kehrt nächsten April zurück – und wir können es kaum erwarten, wieder dabei zu sein und noch mehr Freunde mitzubringen.
Herman und Dario, ihr seid die besten Botschafter, die sich unser Sport wünschen kann. Es war mir eine absolute Ehre, den Himmel mit euch zu teilen.
PS – Besonderer Dank geht an:
- Col. Michael Hollanda – Chief of Staff, Seychelles Defence Forces
- Commander Rodney Zarine – Seychelles Air Force
- Capt. Don Du Preez – Seychelles Air Force
- Alex Savy and Lucas Savy – Owner/Manager Bird Island
- Matthew Botha and Bernard Lammerding – PAC-750XL Pilots
- Billy Sharman – PAC-750XL Owner and guest camara flyer
- Nicu Pulfer and Sebo Jotti – camera flyers
- Rene Sta van Uiter – Tandem Instructor
Ayad Al-Tuhafi