Oder auch: impossible is just a word. Das war das Motto der drei inklusiven Tunnel-Events für Menschen mit und ohne Behinderungen, die der DFV Ende November 2025 in Zusammenarbeit mit Indoor Skydiving Bottrop, der Hurricane Factory Berlin und der FlyStation in München mit Unterstützung durch Förderung der Aktion Mensch durchgeführt hat.
Im Mittelpunkt stand dabei die Möglichkeit, erstmals Flugerfahrungen im Windtunnel zu sammeln, aber natürlich nutzten wir vor Ort auch die Gelegenheit, über die Arbeit des DFV im Bereich Inklusion zu informieren und die Sportart Indoor Para Skydiving, bei der ein Parcours aus Lichtpunkten möglichst schnell geflogen werden muss, vorzustellen. Dazu gaben unsere IPS-Kaderathleten Niko Johann und Jörg „Schmiddl“ Schmidtke Einblicke in ihre Wettkampferfahrungen und beantworteten viele interessierte Fragen.
Bei den drei Veranstaltungen waren über 60 Teilnehmende zugegen und so gut wie alle hatten nach ihren Flügen leuchtende Augen und die Absicht, es nicht bei diesem einmaligen Erlebnis belassen zu wollen.
Nach dem gelungenen Auftakt in Bottrop stand bereits zwei Tage später die nächste Station in der Hurricane Factory Berlin auf dem Programm. Wie schon zuvor in Nordrhein-Westfalen konnten wir zahlreiche Flieger:innen begrüßen. Dabei waren Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen vor Ort: Menschen mit Amputationen, spastischen Lähmungen, visuellen Behinderungen wie (Teil-)Blindheit und Menschen mit verschiedenen Ausprägungen von Neurodiversität. Sie alle einte jedoch eins: alle konnten fliegen und hatten sichtlich Spaß daran. Ein großer Dank geht an dieser Stelle auch an die Instruktorinnen und Instruktoren nicht nur in der Hurricane Factory, sondern auch bei Indoor Skydiving Bottrop und in München bei der FlyStation. Sie alle nahmen sich sehr viel Zeit, um den Ablauf zu erläutern und mit den Teilnehmenden zu besprechen, wie die Unterstützung im Tunnel, bei Entry oder Exit am besten erfolgen sollte, damit das Flugerlebnis für alle sicher war.
Besonders beeindruckt hat mich in Berlin ein Teilnehmer, der vollständig erblindet ist. Er bekam einen Vollvisier-Helm mit dem aus den artistischen Disziplinen bekannten integrierten Headset und konnte dann unterstützt von Sprachkommandos selbst im Tunnel fliegen.
Die dabei gesammelten Erfahrungen sind für die Weiterentwicklung unserer Disziplin Indoor Para Skydiving extrem wertvoll und zeigen einmal mehr, dass die einzigen Grenzen, die es wirklich gibt, die in unseren Köpfen sind. Neben viel Flugzeit gab es in Berlin auch einiges an Informationen: von unseren Kaderathleten zur Disziplin IPS und Patrick Fröhner, frischgebackener „Expert Classifier“ für den DFV, gab spannende Einblicke in das IPS-Klassifizierungssystem. Dieses ist so aufgebaut, dass alle Teilnehmenden in einer Klasse starten, egal welche Behinderungen sie haben. Der notwendige „Nachteilsausgleich“ infolge der Behinderung erfolgt über die Ermittlung eines Koeffizienten, der, mit der geflogenen Zeit multipliziert, das Endergebnis ergibt. Damit haben wir eine wirklich inklusive Sportart, während – etwa im paralympischen System – die Athlet:innen abhängig von ihren Behinderungen in unterschiedliche Klassen eingeteilt werden. Dass Inklusion für den DFV ein wichtiges Thema ist, zeigte nicht zuletzt der spontane Besuch unserer Vizepräsidentin Anja Strich, die sichtlich beeindruckt war ob der Freude, mit der alle Flieger:innen zu Werke gingen.
Den Abschluss der Event-Reihe bildete Ende November die Veranstaltung in der FlyStation in München. Auch hier konnten wir viele Menschen mit und ohne Behinderungen in den Wind bringen – Dank guter Kontakte der FlyStation zu einem lokalen Rollstuhl-Rugby-Verein auch viele Menschen, die im Alltag auf einen Rollstuhl angewiesen sind.
Nach einer kurzen Begrüßung, bei der ich auf die Unterstützung von DFV-Vizepräsident Peter Glas zurückgreifen konnte, ging es auch in München für alle Teilnehmenden rasch zum Briefing und in den Tunnel, stand gemeinsames Fliegen doch im Vordergrund. Besonderes Highlight war, dass das Team Airbus 4way Oceanside Illertissen es sich trotz eines anstrengenden Tunnelcamps nicht nehmen ließ, gemeinsam mit einigen Teilnehmenden im Tunnel Formationen zu fliegen.
Neben den Flugerlebnissen kam auch das Netzwerken natürlich bei allen drei Veranstaltungen nicht zu kurz. Neben dem Austausch untereinander konnten wir als DFV auch Kontakte zum Behindertenbeirat der Stadt München und zur Diakonie in Bottrop aufbauen und so ein Netzwerk für geplante zukünftige Veranstaltungen in ähnlichem Format knüpfen. Abschließend hier noch einmal ein großes Dankeschön an alle, die mitgeholfen haben, diese Veranstaltungen durchzuführen, vor allem an die tollen Teams von Indoor Skydiving Bottrop, der Hurricane Factory Berlin und FlyStation Munich, aber auch allen, die im Hintergrund an der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung mitgewirkt haben.
Nach einer beeindruckenden und auch anstrengenden Event-Woche hat uns überwältigendes positives Feedback aller Teilnehmenden erreicht. Gemeinsam haben wir gezeigt, dass bei uns alle Menschen fliegen können, und der Weg, den wir gehen wollen, ist klar: im Jahr 2026 möchten wir daran arbeiten, gemeinsam mit den Tunnelbetreibern Rahmenbedingungen zu schaffen, um solche Veranstaltungen verstetigen und regelmäßig anbieten zu können. Wenn wir auf diesem Weg auch zukünftige Athlet:innen für IPS entdecken, wäre das ein positiver Nebeneffekt, den wir gerne mitnehmen. Seid gespannt, wir werden auch 2026 regelmäßig berichten.
Niki Jaklitsch