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Eine Meisterschaft der Rekorde. Vom 05. bis 10.09.2022 richtete der Fallschirmsportclub Mecklenburg e.V. (FSCM, Skydive MV) die Internationale Deutsche Meisterschaft im Fallschirmspringen aus. Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren boten die Mitglieder des Vereins mehr als 250 Athlet:innen aus ganz Deutschland, Italien, Österreich, der Schweiz und Polen die Gelegenheit sich in insgesamt sieben Disziplinen miteinander zu messen. Alles im Ehrenamt und mit liebevollem Einsatz bis an die Belastungsgrenze, unter dem Motto „Ein Land, eine Region, ein Sprungplatz, ein Verein“. Angeleitet durch das Headquarter bestehend aus Sebastian Keltner, Thomas Reinke und Eva Steinhübl übertrafen sich die zahlreichen helfenden Hände des Vereins wieder einmal selbst.

Ein ganz besonderes Highlight, das der FSCM im Rahmen dieser DM den Zielspringer:innen ermöglichte, war das Landen vor dem Schweriner Schloss auf der Schwimmenden Wiese. Hier nutzten auch zahlreiche Zuschauer die Gelegenheit, den Springer:innen bei ihren Wettbewerbssprüngen zuzusehen und diese anzufeuern.

In den Disziplinen der Artistik stach besonders die gute Stimmung sowie Hilfsbereitschaft unter den Teams hervor. Es waren rekordverdächtig viele Mannschaften angemeldet, die alle mit viel Kreativität ihre Kür zusammengestellt hatten. In Freestyle besteht das Team aus einem Kameraflieger und einem Performer. Bei Freefly gibt es einen Kameraflieger und zwei Performer. In beiden Disziplinen entwirft das Team eine Kür. Diese sollte möglichst kreativ, abwechslungsreich sowie schwierig gestaltet sein. Die Schiedsrichter bewerten ein Video davon vor dem ersten Sprung des Wettkampfs. Bei der Meisterschaft wird dann darauf geachtet, dass die Kür ansprechend und korrekt geflogen wird. Es gibt aber auch zwei Runden, in denen Pflichtelemente gesprungen werden und nach deren Ausführung bewertet werden. Dieses Jahr gab es fünf Teams in der Disziplin Freestyle. Auf dem ersten Platz konnte sich „Freiflug Fehrbellin Oceanside“ behaupten. Mit einem Punktestand von 49,8 konnte sich das Team für die nächsten internationalen Wettkämpfe qualifizieren. Den zweiten Platz vom FSZ-Kassel erreichte das Team „Klara Fall“ mit einem Punktestand von 33,3. Platz drei mit 29,7 Punkten ging an „Hoppsie Legends“ von Gojump Gransee. Mit 28,3 Punkten erreichte das Team „Skylicious“ ebenso von Gojump Gransee den vierten Platz. Platz fünf ging an „Perpetuum Mobile“ mit einem Punktestand von 27,5. Im Freefly gab es ebenso einen sehr spannenden Wettkampf. Letztendlich konnte sich das Team „Mate Dynamics“ von YUU-Skydive mit 40,3 Punkten vor Team „3-Fly“ aus Neustadt-Glewe mit 37,1 Punkten auf dem ersten Platz behaupten. Platz drei ging an „Spaghetti and the Meatballs“ vom FSZ-Kassel mit 28,0 Punkten, gefolgt vom Team „In Progress“ mit 15,8 Punkten.

In der ersten Hälfte der DM-Woche fanden die Wettbewerbe in der Disziplin Formationsspringen (FS) statt. Achtundzwanzig Teams traten in drei Klassen (Offen, Fortgeschritten und Rookie) gegeneinander um die Medaillen an. Nach einem spannenden Rennen um die ersten Plätze sicherte sich „AIRBUS 4-way Oceanside Illertissen“ den Titel „Deutscher Meister“ mit 187 Punkten vor dem Deutschen Nationalfrauenteam „Meltemi Oceanside“ (167 P.) und „Paranodon 4way Illertissen“ (152 P.). Auch die weiteren fünf Plätze waren hart umkämpft aber auch von einem rekordverdächtigen Wettbewerbsgeist unter den Teilnehmenden gekennzeichnet.

Am stärksten besetzt war die FS-4 Gruppe der Fortgeschrittenen. Neun Teams lieferten sich einen spannenden und fairen Kampf um Griffe, Punkte und Platzierungen. Nach zehn Runden stand fest, dass „Paranodon Futura 3“ aus Illertissen mit 111 Punkten den ersten Platz nicht hergeben würde. Knapp dahinter fanden die „Fr4ggles“ (105 P.) aus Marl und „On Air“ (99 P.) aus Eisenach ihre Platzierungen.

In der erstmals ausgetragenen Disziplin FS 4er Rookie, die sich explizit an Neulinge im Sport richtet, bewarben sich fünf Teams um die Plätze. Den ersten Platz belegte das Team „Paranodon Futura 6“ aus Illertissen (152 P.). Spannend war der Kampf um die Folgeplätze, den am Ende „YUUnited 4“ von Yuu-Skydive knapp für sich entschied (124 P.) und „Iron Flies“ von Skydive Hildesheim (121 P.) auf Platz 3 verwies. Die „TRANS4MERS“ und das spontan angetretene Team 4-Task FIXX aus Neustadt-Glewe belegten die Folgeplätze.

In der Königsdisziplin FS 8 bilden acht Springer aus einem definierten Pool innerhalb von 45 Sekunden so viele Formationen wie möglich. Den Titel Deutscher Meister errang hier AIRBUS 8way Oceanside Illertissen (102 P.) mit deutlichem Abstand vor Paranodon Bus F&S Illertissen (63) und Coriolis Eisenach (51 P.) und verwiesen die Teams Phoenix mach KO ́s-FSZ Saar (36 P.) und Fehrbellin 8er (23 P.) auf die Plätze. Nur sich selbst schlagen konnte der Einsteiger 8er des FSCM aus Neustadt-Glewe FIXX-toria Secret, die mit einer Gesamtzahl von 29 Punkten einen Achtungserfolg erzielten, da sie wetter- und verletzungsbedingt nur selten zusammen trainieren konnten.

Die klassischen Disziplinen waren gut besetzt und spannungsgeladen. Das Stilspringen der Junioren, bei dem so wenig Zeit wie möglich für das Absolvieren einer vorgegebenen Choreografie benötigt werden soll, entschied Mathias Demmler (Sportfördergruppe Bw Altenstadt – Team 2) mit einer Durchschnittszeit von 8,50 Sekunden für sich und gewann Gold. Silber erreichte Elias Kammer (Durchschnittszeit 9,53 Sekunden) vor dem Bronzegewinner Aaron Dulisch (9,77 Sekunden), beide Sportfördergruppe Bw Altenstadt – Team 1.

Seine besondere Klasse zeigte Mathias Demmler dadurch, dass er später auch bei den Herren mit einer Durchschnittszeit von 8,50 Sekunden Bronze gewann hinter Robin Griesheimer (7,04 Sekunden) und dem Deutschen Meister Stefan Wiesner (6,62 Sekunden) – beide von der Sportfördergruppe Bw Altenstadt – Team 1.

Rekordverdächtig war die Spannung, welche die Einzelzielspringer im Zielspringen für sich und das Publikum aufbauten. Nach einem ganz engen Stechen stand der neue Deutsche Meister mit nur 1cm Differenz im Stechen fest: Robin Griesheimer setzte sich super knapp gegen seinen Teamkollegen Stefan Wiesner von der Sportfördergruppe Bw Altenstadt durch. Sascha Lasotter vom Paratec Factory Team 1 ersprang Bronze.

Ebenfalls erfolgreich waren die Springer der Sportfördergruppe bei den Junioren. Hier gewann Elias Kammer mit 16 cm Gold vor Mathias Demmler (18 cm) und Aaron Dulisch (21 cm).

In der Disziplin AL setzte sich Gerhard Wagner mit 16 cm (Paratec Factory Team 1) vor Oliver Hotopp (Paratec Factory Team 2 und 29 cm) an die Spitze. Reinhold Haibel stand mit 30 cm auf dem dritten Platz des Treppchens.

In der Gesamtwertung holte sich souverän und routiniert die Sportfördergruppe Bw Altenstadt den Meistertitel (31 cm) vor dem Silbergewinner Paratec Factory Team 1 (61 cm). Bronze ging an das Team 2 der Sportfördergruppe Bw Altenstadt. Zahlreiche Neulinge und neu zusammengestellte Teams wie bspw. das Team „FSCM & Friends“ sorgten für ein breites Teilnehmerfeld von 39 Einzelspringer:innen und einer stolzen Zahl von 8 Teams.

Sechs Deutsche Wingsuiter sowie ein Gastspringer aus der Schweiz traten zum Wettkampf im Wingsuit Performancefliegen an. Zur bisher bestehenden Overall-Wertung werden neu auch, angelehnt an Änderungen im internationalen Regelwerk, Meister in den einzelnen Disziplinen Time, Speed und Distance ermittelt.
In der Overall-Kombinationswertung siegte der Berliner Springer Stefan Gilbert vor Felix Selent aus Dortmund und Florian Kaschuba aus Bochum. Stefan Gilbert durfte ebenfalls die Goldmedaille in der Einzelwertung Time und Silbermedaillen für Speed und Distance mit nach Hause nehmen. Das Podium der Time Wertung ist analog der Overall-Wertung mit Stefan Gilbert (Gold), Felix Selent (Silber) und Florian Kaschuba (Bronze) besetzt. Seinen ersten Podiumsplatz mit einer Goldmedaille in der Speed Wertung erreichte Frank Bremer aus Walsrode. Er stand zusammen mit Stefan Gilbert (Silber) und Fabio Neuhaus (Bronze) aus Kiel auf dem Podium. Fabio Neuhaus, der einen Podiumsplatz in der Time-Wertung aufgrund von Wertungsabzügen verpasste, erflog trotzdem in einem fehlerfreien Flug einen neuen Deutschen Rekord von 91,9 Sekunden im Wettkampfzeitfenster. Ebenfalls gewann er die Distanz-Wertung vor Stefan Gilbert (Silber) und Felix Selent (Bronze).

In der Disziplin Wingsuit Acrobatic präsentierten drei Teams ihr akrobatisches Geschick. Wetterbedingt konnten 5 von 7 Runden geflogen werden. Das Team Flitzkittel vom Flugplatz Illertissen präsentierte sich mit den Performern Ina Preiwisch, Noel Bressan und dem Videomann Ralph Grimm. Das Team Venom bestehend aus den Performern Arvid Endler und Patrick Kramer mit dem Videomann Andre Reichelt. Beide Teams bilden das deutsche A Kader. Als neues Team präsentierten Gerald Schmidt, Christian Busch und Stefan Gilbert (Video) vom Flugplatz Takeoff Fehrbellin unter gleichem Namen, eine solide Leistung in ihrem ersten Wettkampf. Mit Vorsprung gewann das Team Venom vor TAKE OFF Fehrbellin und Flitzkittel. TAKE OFF Fehrbellin feierte seinen Einstand in den Wettkampfsport mit der Silbermedaille und zeigte somit großes Potential.

Speed Skydiving ist die schnellste nichtmotorisierte Sportart der Welt. Nach Erreichen der Absetzhöhe von 4.000 m springen die Sportler kopfüber ab und beschleunigen in einer aerodynamischen Position bis 1.700 m über Grund. In dieser Zeit können Geschwindigkeiten von über 500 km/h erreicht werden. Während der diesjährigen deutschen Meisterschaft wurde zusätzlich der vierte Wettbewerb der internationalen ISSA World Series ausgetragen. Insgesamt 13 Speedskydiver aus vier Nationen kämpften miteinander um die höchsten Geschwindigkeiten. Bei den Frauen gewann Lucia Lippold vor Newcomerin Marlene Kiepke. Die Wertung der Junioren ging an Lukas Winnecker vor dem 18-jährigen Newcomer Linus Eckenigk. Linus erreichte bei seinem ersten Start sogar gleich mehrmals die wichtige Marke von 400 km/h. Bei den Männern konnten sich die Newcomer Sven Albrecht und Peter Talkovski im starken internationalen Teilnehmerfeld behaupten. Besonders Peter erreichte bei seinem ersten und nicht letzten Start bereits eine persönliche Bestleistung von 468,33 km/h. Das Podium der internationalen Wertung teilten sich auf Platz 3 Matthias Kraft, Platz 2 ging an Fabian Wernli aus der Schweiz und Platz 1 gewann Marco Hepp mit einem neuen deutschen Rekord von 518,61 km/h und einem Wettbewerbsschnitt von 512,61 km/h. Das nationale Podium vervollständigt Thorsten Morhaus und komplettiert das deutsche Speed Skydiving Team für die Weltmeisterschaft in den USA im Oktober dieses Jahres.

Zusätzlich zum Einzelwettbewerb gab es dieses Jahr eine Neuheit. Ein Mix-Team-Wettbewerb, bei dem zwei Athleten unterschiedlichen Geschlechtes gemeinsam antreten, um zusammen die höchste Geschwindigkeit zu erreichen. Dabei springen aus Sicherheitsgründen die Teammitglieder jeweils einzeln ab, um dann die Ergebnisse zu addieren. Es traten insgesamt 5 Teams in diesem neuen Format an, um planmäßig drei weitere Wertungssprünge zu absolvieren. Aufgrund der widrigen Wetterbedingungen konnten dabei nur zwei vollständige Runden gesprungen werden. Am Ende setzte sich in einem Kopf-an-Kopf Rennen das Team „Speed Dating“ (Viktoria Markewitz mit Fabian Wernli) mit einem Vorsprung von nur 1,63 km/h durch. Platz 2 gewann das Team „Leniel“ (Lena Reeker mit Daniel Plumpe) vor Team „Flinke Viecher“ (Marlene Kiepke mit Thorsten Morhaus). Auf den weiteren Plätzen folgten mit klasse Leistungen Team „Two Fast“ (Michele Schmidtke mit Peter Talkovski) und „Mach 2“ (Klara Burkey mit Patrick Staczewski). Vielen Dank allen teilnehmenden Teams für die Bereitschaft, die Disziplin Speed Skydiving zu ergänzen, und den großartigen Spaß.

Nun blicken Organisatoren und Vereinsmitglieder zurück auf über 200 Starts mit 3.750 Sprüngen aus zwei Absetzflugzeugen vom Typ C208, danken allen Unterstützern, Sponsoren und Förderern und freuen sich, zahlreiche glückliche Springer:innen nicht nur mit ihren Medaillen, sondern auch persönlichen Rekorden verabschiedet zu haben.

Eine großartige Leistung, welche die Mitglieder des FSCM da erbracht haben, die nicht nur von einem Teilnehmenden mit „Danke an euch alle für die (erneut) wunderbare DM“ gewürdigt wurde.

Dr. Kathrin Dummann

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