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Die Indoor DM 2022 in der FlyStation Munich
Exakt 728 Tage war es her, dass die Teams der 3. Deutschen Indoor Skydiving Meisterschaft die Treppen der Hurricane Factory Berlin hinabstiegen. Jeder Teilnehmer hatte die berühmte „Runde #1“ akribisch vorbereitet, jede Bewegung saß, der Gehörschutz auch, der Puls wurde schneller. Doch was dann geschah, war der Beginn einer Pandemie, deren Ausmaße wir damals noch nicht wirklich begreifen konnten. Die Deutsche Meisterschaft wurde, wenige Augenblicke bevor sie überhaupt anfangen konnte, abgesagt. Die Teams und Solo-Athleten machten sich auf den Heimweg, ohne auch nur eine einzige Wettkampf-Sekunde in Berlin geflogen zu sein.
FlyStation Munich, Neufahrn bei Freising, knapp zwei Jahre (und einige Lockdowns) später: Die Deutsche Indoor Skydiving Meisterschaft darf im Jahr 2022 tatsächlich stattfinden. 105 Teilnehmer (ein Drittel davon Frauen!) haben sich angemeldet, um in ihren Klassen um Medaillen zu kämpfen. Während im Süden Deutschlands 21 FS 4er-Teams, vier VFS 2er-Teams, ein VFS 4er-Team und vier Kinder in der inoffiziellen Junioren U14-Wertung starten, finden coronabedingt die artistischen Disziplinen wenige Tage später in Bottrop statt.
Für viele ist es das erste Wiedersehen nach langer Zeit mit alten Freunden – man kann den Gesichtern die Freude darüber buchstäblich ansehen. Und was während des Wettbewerbs immer mehr heraussticht: Die lange Durststrecke ohne Events und Wettkämpfe hat der familiären Stimmung und dem Zusammenhalt unter den Teilnehmenden keinen Abbruch getan. Egal, ob es unter den Teams gerade knapp steht oder die Athleten sich bereits einen guten Vorsprung erarbeitet haben – während jeder versucht, sportlich sein Bestes zu geben, helfen sich die Flieger ganz ohne Konkurrenzgefühl gegenseitig beim Engineering und feiern ihre „Gegner“ für gewonnene Runden und großartige Leistungen. Sportsgeist, wie er sein sollte!
Bereits während des ersten Tages kann sich das bisherige Nationalteam und somit Favorit im FS 4er Offen, Jochen Schweizer Arena Airfource, in drei Runden einen entspannten 6-Punkte-Vorsprung erfliegen. Doch am nächsten Morgen sitzt Team-Captain Christian Schäfer nicht auf den Rollbrettern, sondern im Auto auf dem Weg in den Kreißsaal zur Geburt seines ersten Kindes. Keine 24 Stunden später hält er zwar keine weitere Goldmedaille im Indoor Skydiving, aber dafür seinen Sohn Bennett in den Armen. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle an Chris und Marina zur Geburt des kleinen Nachwuchsspringers!
Die verbleibenden drei Team-Mitglieder Christian Kautzmann, Elischa Weber und Robin Griesheimer, allesamt Mitglieder der Sportfördergruppe der Bundeswehr, können kurzfristig ihren Teamkollegen Christoph Zahler akquirieren. Dass dies sein erster Wettbewerb in der offenen Klasse nach FAI-Regeln ist, merkt man dem Team kaum an: Airfource gewinnt mit einem Schnitt von 25,3 und neun Punkten Vorsprung die 3. Deutsche Meisterschaft im Indoor Skydiving!
Erfreulich ist nicht nur die Anzahl, sondern auch das Niveau der antretenden Teams. Man merkt, dass die Athleten jede Möglichkeit genutzt haben, während der Pandemie-Zeit zu trainieren. Besonders beeindruckend ist die Leistung des neuen VFS 4er-Teams Rundes Viereck mit Markus Schwarz, Martin Carl, Olivier Rogoll und Rob Jones, die in ihrer Disziplin mit 26 Punkten einen neuen deutschen Rekord aufstellen. Und nicht nur das – in den offenen Klassen qualifizieren sich die Teams Airfource (FS 4er Offen), Piteraq (FS 4er Frauen) und Rundes Viereck (VFS 4er) durch ihre Siege und das Erreichen der vorgegebenen Punkteschnitte als W-Kader und somit für die Weltmeisterschaft 2023 in der Hurricane Factory Tatralandia, Slowakei. Herzlichen Glückwunsch zu diesen sportlichen Höchstleistungen!
Überschattet wurde das Event leider durch den Krieg in der Ukraine. Gerade in einem Sport wie unserem, der durch so viele internationale Freundschaften geprägt ist, konnten die Veranstalter nicht darüber hinwegsehen. Zwei Tage lang hatten die Mitarbeiter der FlyStation Munich die Gebäudebeleuchtung mit Folie umwickelt, um die Fassade pünktlich zum Wettkampf in ukrainischen Farben erstrahlen zu lassen. Zudem wurde im Rahmen des (nächtlichen) Lichterfliegens und einer Tombola, in der es gesponserte Tunnelzeit zu gewinnen gab, 2.560 € gesammelt, die an die „Aktion Deutschland Hilft“ zugunsten der Kriegsopfer in der Ukraine gespendet wurden. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an die großzügigen Spender!
Zu guter Letzt: Großen Respekt und Glückwunsch an alle Medaillen-Gewinner! Wir freuen uns jetzt schon, euren Fortschritt nächstes Jahr auf der Indoor DM 2023 zu sehen!
… und dann war da noch die Party. Aber mehr dazu diesen Sommer an den Lagerfeuern der deutschen Sprungplätze.

Linda Köb / FlyStation Munich

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