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Eine Winterpause sind gerade die Springer aus dem deutschen Raum ja gewöhnt, aber die Corona-Pandemie hat natürlich auch den Fallschirmsport getroffen und die Möglichkeiten unserem Hobby nachzugehen grundlegend eingeschränkt. Reisemöglichkeiten auch in ferne Länder zur Überbrückung der Winterpause waren reduzierter als je zuvor und die große Unsicherheit, ob geplante Veranstaltungen stattfinden werden, hat oft dazu geführt, dass man sich aufgrund der Risiken am Ende doch gegen eine Buchung entschieden hat.
Einige wenige Boogies gab es aber, darunter auch der Paradise Boogie auf den Malediven, die es geschafft haben, die Rahmenbedingungen und Auflagen der Pandemie zu erfüllen und ein Event zu ermöglichen, das einen die aktuelle Situation für ein paar Tage völlig vergessen ließ.
Der Paradise Boogie fand auf dem Süd-Nilandhe-Atoll, dem RIU Palace Resort Hotel statt.
Das Atoll ist eines der flächenmäßig größten Atolle der Malediven und bietet mit einem eigenen Flugplatz daher die besten Voraussetzungen für ein Event dieser Art.
Veranstalter ist Moe Abdallah von Skydive Maledives, der mit seinem Team und der Unterstützung von Skydive Egypt diesen Boogie, mit einem Jahr Vorbereitung, geplant und auf die Beine gestellt hat. Das Boogie-Paket beinhaltete dabei garantierte 15 Sprünge, Unterkunft im Resort und ein All-Inclusive-Paket für Vollpension und Getränke.
Aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen der Pandemie und der damit verbundenen Auflagen und Sicherheitsvorkehrungen wurden sowohl mit dem Resort als auch mit den lokalen Behörden detaillierte Konzepte und Abläufe festgelegt, die die Sicherheit und Gesundheit der Teilnehmer wie auch der lokalen Bevölkerung garantieren sollten.
Die Anreise der Teilnehmer erfolgte über den zentralen Flughafen der Hauptstadt Male und von dort mit einem Anschlussflug nach Dhaalu Airport auf der Insel Kudahuvadhoo.
Der abschließende Teil der Anreise erfolgte dann per Speedboat, in 20 Minuten zum Resort.
Insgesamt gab es 50 Teilnehmer und 15 Staff-Mitarbeiter, die zum Boogie anreisten, wobei Deutschland mit 7 Teilnehmern vertreten war.
Als Load Organizer wurden Greg Crozier & Karine Joly (Team Airwax), Omar Alhegelan, Roberta Mancino und Will Penny als erfahrene Veteranen des Sports eingeladen, um die Gruppen in Einzelbetreuung wieder sicher zu den von Wasser umgebenen Landespots zurückzuführen. Das Erfahrungslevel der Springer bewegte sich von unter 100 Sprüngen bis hin zu mehreren 1000 Sprüngen, von Anfängern bis Professionals war also alles vertreten.
Nachdem am ersten Tag alle nötigen Vorbereitungen getroffen wurden, Ausrüstung und Papiere gecheckt waren, wurde der Ablauf des Boogies mit all seinen Besonderheiten, Herausforderungen und zu beachtenden Gefahren sowie Sicherheits- und Gesundheitsvorgaben gebrieft.
Die Angestellten des Resorts waren bereits geimpft und es wurde durch klare Abläufe und Logistikvorschriften dafür gesorgt, dass es keinen Kontakt mit Einheimischen der anderen Inseln oder Besuchern anderer Resorts gab.
So startete der erste Tag bei strahlend blauem Himmel über türkisem Wasser und etwa 30 Grad um 7:45 Uhr: 20 Minuten Fahrt mit dem Schnellboot zur nächstgelegenen Insel Kudahuvadhoo, auf der sich der Flughafen befindet.
Vom Hafen erfolgte dann die direkte Überführung zum Flughafen mit einem eigenen Shuttle-Bus bis in den Hangar. Während der gesamten Überführung bestand Maskenpflicht und es gab eine geschlossene Logistikkette, die vom Resort bis zum Einstieg in das Absetzflugzeug nicht unterbrochen oder verlassen wurde.
Am Vormittag wurde an einem eigens abgesperrten Bereich am Strand der Insel gelandet, auf der sich auch der Flugplatz befindet. Zwar gab es teilweise starke Crosswinde, aber die Länge des Strandes war ausreichend, so dass auch unerfahrene Springer hier problemlos landen konnten.
Als Packbereich wurde ein Zelt direkt am Strand errichtet, aber Hitze und Luftfeuchtigkeit verlangten allen Springern trotz allem zusätzliche Energie beim Packen ab.
Zum Mittag wurde dann direkt am Strand des RIU Palace Resorts gelandet. Aufgrund der starken Winde und erschwerter Bedingungen musste aber situations- und tagesabhängig mit Jumplimits gearbeitet werden, um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten und Unfälle zu vermeiden.
So konnte man bereits am ersten Tag 4 Sprünge absolvieren und den letzten Load um 18:30 Uhr zum Sunset mit einer Strandlandung abschließen.
Anders als bei Skill camps und Boogies, die an festen Dropzones stattfinden und bei denen man einen eingespielten Ablauf hat und alle Rahmenbedingungen kennt, fand der Paradise Boogie zum ersten Mal überhaupt in dieser Location statt. Das gesamte Team, zusammen mit Teilnehmern und Pilot wie auch den Logistikern, musste sich daher an den ersten 2-3 Tagen erst einspielen und die Abläufe an die individuellen Bedingungen anpassen.
Insbesondere die Kombination von erfahrenen LOs, die für spotting und alle sicherheitsrelevanten Entscheidungen in direkter Abstimmung mit Ground Control und Pilot standen, haben dabei eine entscheidende Rolle gespielt, ein reibungsloses und unfallfreies Event sicherzustellen.
Die LOs waren auch gleichzeitig die zentrale Anlaufstelle, um Gruppen zu manifestieren und sicherzustellen, dass in den Loads klare Briefings zu Sprungaufträgen, Exit-Reihenfolge und Abständen zwischen Gruppen eingehalten wurden.
Durch die detaillierte und langfristige Vorbereitung und die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden wie auch die professionelle Anleitung der erfahrenen LOs gelang es für den Boogie eine “Social Bubble” zu erschaffen, die die grundsätzlichen Pandemie- und Ansteckungsrisiken auf ein Minimum reduzieren konnte. Innerhalb der ersten Tage wurde schnell klar, dass insbesondere Springer mit wenig Erfahrung immer wieder Probleme mit dem Treffen der Landezone hatten und gerade bei den starken Crosswinden des öfteren den Landefall üben mussten oder sich plötzlich doch im Wasser wiederfanden. Allerdings gab es, bis auf ein paar Kratzer und blaue Flecken und nasse Ausrüstung, keine nennenswerten Verletzungen.
Jeder einzelne Sprung war dafür ein besonderes Erlebnis und die hochklassige Besetzung ließ dabei auch für erfahrene Springer keine Wünsche übrig. Die Panoramen und Eindrücke waren dabei so atemberaubend und teilweise surreal, das man sich wirklich bewusst auf den Sprung konzentrieren musste, um sich nicht mit dem Blick in den tropischen Atollen zu verlieren. Die Eindrücke, bei türkisblauem Wasser über tropischen Inseln aus dem Flugzeug zu springen und auf weißen Sandstränden zu landen, haben selbst bei den erfahrensten Springern pure Euphorie ausgelöst.
Es waren alle Disziplinen vertreten, insbesondere Angle Tracking und anspruchsvolle Freefly Sprünge für die erfahreneren Teilnehmer, aber auch RW und Wingsuit wurden angeboten. Für die mitgereisten Gäste ohne Springerlizenz und auch einige wenige Resort-Gäste wurden zusätzlich Tandemsprünge angeboten. Aufgrund der zeitaufwändigen Logistik für die Sprünge konnte man im Schnitt 3-4 Sprünge am Tag machen, hatte eine etwa einstündige Mittagspause zum Essen am üppigen 5 Sterne-Buffet und konnte mit dem Sunset-Sprung pünktlich zum Abendessen wieder am Resort landen.
Auch wenn 4 Sprünge für einen normalen Boogie recht wenig klingen, muss man sagen, dass unter diesen abenteuerlichen Bedingungen das in etwa der doppelten Anzahl an Sprüngen unter Normalbedingungen entspricht, was Energieaufwand und Aufnahmefähigkeit angeht.
Als besondere Überraschung muss dabei der Secret Island Sprung erwähnt werden: Eine kleine, nicht bewohnte einsame Insel, inmitten des indischen Ozeans, nur umgeben von Meer, war dabei das Landeziel und hat diesen Sprung für alle Teilnehmer zum besonderen Highlight des Boogies gemacht.
Insgesamt waren die Tage mit springerischen Aktivitäten bereits gut ausgefüllt und anders als man es von einem regulären Boogie kennt, gab es daher wenige der Boogie typischen Abendaktivitäten oder Partys. Es wurde gemeinsam gegessen und noch der ein oder andere, im All-Inclusive-Paket enthaltene Drink an der Poolbar bestellt, aber insgesamt war es eher eine Mischung aus Entspannungsurlaub verbunden mit Fallschirmspringen.
Im Schnitt konnten alle Teilnehmer 15 Sprünge absolvieren, für einige waren sogar 20 Sprünge möglich.
Der letzte Tag wurde von fast allen Teilnehmern zur reinen Erholung genutzt, um noch ein letztes Mal die Schönheit dieses Ortes auf sich wirken zu lassen, den Strand und das Wetter zu genießen und das Event mit allen Eindrücken Revue passieren zu lassen, bevor dann alle gesund und mit vielen unvergleichlichen Erinnerungen die Heimreise antreten mussten.
Als Fazit für das Event und auch für die Frage, ob Reisen und Boogies während der aktuellen Pandemie sicher oder möglich sind, kann ich nur so viel sagen: Alle Teilnehmer sind gesund zu Hause angekommen und haben sich weder während des Events noch auf der Reise angesteckt. Wir haben dazu auch die professionellen Athleten befragt und wollten herausfinden, wie nachhaltig sie und ihr Job direkt davon betroffen sind und wie sie den Paradise Boogie hier einordnen würden.
Schaut euch dazu die Interviews über die AR+ Discover Reality App an.

Eric Klein

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