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Eigentlich ein ganz normaler Sprungtag. Es ist warm und in Gedanken bin ich bei meinem fünften Sprung an diesem Tag. Kurz vor dem Einstieg in das Flugzeug fällt der offene Brustgurt eines Springers auf und ich merke wie meine Erleichterung über das Finden des offenen Brustgurtes in Wut umschlägt. Solche Situationen kommen häufiger vor als man denkt und könnten der Vergangenheit angehören, wenn jeder nur 30 Sekunden vor dem Sprung in Sicherheit und in einen Check investieren würde! Und wenn es so einfach ist, warum wird es dann nicht gemacht? 30 Sekunden, die Leben retten können und unseren Sport ein Stück weit sicherer machen!
Als Schüler werden wir vor jedem Sprung gecheckt. Ganz nach dem Motto: Vier Augen sehen mehr als zwei! Doch mit dem Erhalt der Springerlizenz hat der Check vor jedem Sprung dann ein Ende. Es kostet Zeit und schließlich ist jeder selbst für seine Ausrüstung verantwortlich, oder? Sprüche wie: „du bist doch alt genug“ bringen das Denken über Checks genau auf den Punkt. Doch das sind alles faule Ausreden und keine Entschuldigung dafür, warum wir uns nicht checken. Denn auch in anderen Sportarten, wie zum Beispiel beim Tauchen, werden Checks in der ganzen Welt praktiziert. Kein Taucher geht ins Wasser, ohne dass ein anderer Taucher über die Ausrüstung geguckt hat. Warum sollte es in unserem Sport also anders sein?
Ich habe an einem britisch-militärischen Platz in Deutschland das Fallschirmspringen gelernt und wurde von Anfang an darauf geschult, meine Mitspringer zu checken und vor jedem Sprung 30 oder sogar weniger als 30 Sekunden in einen Mitspringer zu investieren. Ich prüfe also, ob das Drei-Ring-System richtig sitzt, die RSL richtig eingehakt ist, der Brustgurt zu ist, die Beingurte richtig angelegt sind, der Höhenmesser an ist, ich frage, ob das AAD an ist, der Pin der Hauptkappe sowie der Pull richtig sitzt und ob der Helm dabei ist! Und nicht nur das! Für jeden Check musste ich am Einstiegspunkt unterschreiben. Und das ist an JEDEM Sprungplatz in UK Pflicht! Es ist egal, ob ein Springer wieder fünf Minuten zu spät ist oder lieber Lust auf eine Zigarette vor dem Sprung hat! Ohne Check steigt in UK keiner ins Flugzeug!
Die BPA (British Parachute Association) hat diese einfache Methode schon lange eingeführt und fest in ihrer Ausbildung verankert. Jetzt könnte man meinen, dass mit der Schließung des britischen Platzes und unserem Umzug zu einem deutschen Platz, dieses „nervige“ Checken auch ein Ende hat, schließlich ist das Checken in Deutschland keine Pflicht!
NEIN, denn offene Brustgurte und auch ein nicht eingeschaltetes AAD können eine Todesursache sein und können durch einen einfachen Check vermieden werden. Dazu kommen verbogene Reserve Pins, die nicht auffallen, weil die Ausrüstung nicht gecheckt wird, eine leere Batterie am Höhenmesser, eine heraushängende Bridle, ein komplett eingesteckter Pilote Chute im BOC (bottom of container), ein nicht aufgezogener Pilot chute oder nicht angelegte Beingurte bei Wingsuitern. Warum sollten wir also nachlässig werden und die faule Ausrede vorschieben? Und obwohl wir auf vollstes Verständnis stoßen, wenn Springer uns beim Checken zuschauen, ist es noch lange kein Anlass für andere, mit dem Checken anzufangen. Da ist die Zigarette oder ein kühles Getränk vor dem Sprung wichtiger als diese 30 Sekunden. Sieht ja auch total uncool aus, wenn du dich von deinen Springern checken lässt wie ein Schüler, oder? 30 Sekunden, in denen ich einfach jemanden drüber schauen lasse und die eventuell dein Leben retten können.
Denn wir sind nur Menschen, und Menschen machen nun mal Fehler! Und selbst wenn ihr euch nicht checkt, dann achtet trotzdem auf eure Mitspringer und kontrolliert in eurem Load alle Brustgurte. Denn irgendwann wird aus dem Finden des Brustgurtes nicht mehr VOR dem Flugzeug, nicht mehr auf 4000m beim EXIT, sondern GARNICHT mehr. Und dann hätten wir uns gewünscht, einfache 30 Sekunden investiert zu haben, um unserem Springerkollegen das Leben zu retten! Es kann so einfach sein …
Stay Safe & Blue Skies

Kimi Couling

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