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„Der Begriff „Training“ entstammt dem lateinischen „trahere“ (schleppen, ziehen). Dieser wurde über das altfranzösische „trainer“ in der ersten Hälfte des 19.Jh. im Englischen zu „Training“ und bedeutete zunächst so viel wie das Herausziehen der Pferde aus dem Stall zur Bewegung (vgl. Schnabel/Harre u.a. „Trainingslehre“/3. akt. Aufl. 2014/S. 202).

Im deutschen Fallschirmsport geschieht dieser Ablauf mit verlässlicher Regelmäßigkeit derzeit vor allem in den klassischen Disziplinen. „Kein Wunder“, sagt der interessierte Leser, die Sportler*innen trainieren bei der Sportfördergruppe und sind de facto Profis. Gerade deshalb sind die Leistungen aller anderen Sportler*innen und Betreuer*innen, die mit hohem persönlichen und finanziellen Aufwand als Amateure unterwegs sind und die deutschen Farben im internationalen Fallschirm-Wettkampfsport vertreten, anzuerkennen und zu bewerten.

In der Öffentlichkeit wahrgenommen und auch durch (Sport)Förderung honoriert werden allerdings nur die Erfolge bei den sog. „maßgeblichen Wettbewerben“ (Olympische Spiele, WM, World Games). Da sind es überwiegend aber selbstverständlich nicht ausschließlich die Sportler*innen der Spofö, die unsere Sportart ab und an ins Rampenlicht rücken.

Um sich besser zu präsentieren und umfangreichere (Sport)Förderung zu erfahren, ist es also notwendig, sich im deutschen Fallschirmsport breiter und vor allem professioneller aufzustellen. Ein wichtiger Baustein ist dabei die personelle Sicherstellung eines leistungssportlichen Trainings. Neben interessierten (und geeigneten) Sportler*innen braucht es dafür qualifizierte Trainer*innen. Auch an dieser Stelle haben wir Nachholbedarf, weil wir uns zu lange nicht ernsthaft um Auswahl und Qualifizierung von Personal gekümmert haben. Diese Situation ist erkannt und soll sukzessive beseitigt werden.

Als erster Schritt in die r(w)ichtige Richtung fand 2020 nach fast 20 Jahren Pause endlich wieder ein zentraler Lehrgang zum Erwerb der Trainer-B-Lizenz im Fallschirmsport statt.

12 Teilnehmer aus fast allen Disziplinen unsers Sports und nahezu allen Regionen des Landes stellten sich dieser spannenden Herausforderung (und bezahlten sogar noch Lehrgangsgebühr). Der vom DFV-Büro um Ralph Schusser hervorragend vorbereitete und unter fachlicher Leitung/Moderation von Torsten Kunke mit temporärer Unterstützung durch Gundel Klement durchgeführte Lehrgang musste coronabedingt als Onlineseminar durchgeführt werden. Das war sehr schade, weil mehrtägige Präsenzveranstaltungen erfahrungsgemäß auch nach dem Unterricht die Möglichkeit zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch bieten. Weil wir jedoch eine tolle heterogene Gruppe sind/waren, die im Lehrgang sehr diszipliniert „dabei war“ und trotz der räumlichen Distanz angeregte und zielführende Diskussionen geführt hat, konnte das Fehlen des direkten Austauschs ein wenig kompensiert werden. Zudem war so auch die FIXXe Möglichkeit gegeben, dass uns unser Präsident Henning einen kurzen Besuch abstatten und sich von der Ernsthaftigkeit unserer Arbeit überzeugen konnte.

An 2 langen Wochenenden (jeweils Freitagnachmittag bis Sonntagabend) wurde ein anstrengendes und mehr als umfangreiches Schulungsprogramm absolviert. Dabei mussten wir erkennen, dass es so wie im Fußball ist:-weil man gegen einen Fußball treten kann, gibt es ca. 80 Mio. Jogi Löws, Hansi Flicks oder Thomas Müller. Um jedoch absolute Top-Leistungen zu erreichen ist ein „bunter Blumenstrauß“ an Einflussfaktoren so zueinanderzubringen, dass am Ende nennenswerte, dem Auge des Betrachters schmeichelnde Wettkampfergebnisse auf den Tisch des Hauses gestellt werden können. Auf unseren Sport übertragen: Aus einem Flugzeug fallen kann (fast) jeder, (mehrfach hintereinander) eine Null treten oder 500km/h im Freifall können nur top trainierte Athleten, die fachlich gut sortierte Unterstützung bekommen.

Auszugsweise einige Stichwörter aus dem Lehrprogramm: von Talentauswahl bis Periodisierung, von Sportpsychologie bis Trainingsprinzipien, von Trainingsaufbau bis Wettkampfauswertung oder Regelkunde u.v.a.m. – HOLLA, die Waldfee!!

Weil 12 gut ausgebildete Trainer-B nicht ausreichen, unsere Sportart in der Breite leistungssportlicher auszurichten (Sportstudenten haben i.d.R. 4 Jahre Zeit, sich in die Geheimnisse eines Trainerjobs einzudenken), setzen DFV/BKF den Ausbildungsprozess für Trainer und Übungsleiter weiter fort.

Der aktuelle Lehrgang findet seine Fortsetzung mit einer Weiterbildungsveranstaltung am 24./25.4.2021 und führt sehr wahrscheinlich in den Folgejahren zum Trainer-A-Lehrgang.

Interessierte Fallschirmsprunglehrer (Trainer-C-Inhaber) haben die Möglichkeit, den kommenden Trainer-B-Lehrgang vom 15. bis 17.10.2021 (Teil 1) und 5. bis 7.11.2021 (Teil 2) zu besuchen. Die Anmeldeinformationen folgen zeitnah.

Um sehr zeitnah messbare Leistungsverbesserungen zu erreichen, wurden den Lehrgangsteilnehmern in einer Abschlussarbeit Aufgaben gestellt, die sofort in die Praxis überführt werden können. Nun warten alle Teilnehmer gespannt auf die Bewertung ihrer „Hausaufgaben“. Passend zum Jahresende wünscht sich jeder von uns neben den üblichen Präsenten als Sahnehäubchen den Bescheid „erfolgreich bestanden – Du bist Trainer-B“ unter dem Weihnachtsbaum.

Fazit für mich: Ein großes Dankeschön an alle „Köpfe im Hintergrund“, insbesondere an Torsten als versiertem Leiter und Referenten. Natürlich auch an meine Kurskolleg*innen für ein sehr konstruktives Lernklima. Selbst als DHfK-Diplomsportlehrer konnte ich viel Wichtiges und Nützliches dazulernen, Zeit und Geld sind sehr sinnvoll investiert. Ich wünsche mir, dass die begonnenen Aktivitäten ihre regelmäßige Fortsetzung finden und wir auch in unserem Sport flächen- und disziplindeckend wirklich leistungsorientiert unterwegs sind. Es gibt zudem viele Ansätze, auch sportwissenschaftlich tiefer in die Themen einzutauchen und uns noch erfolgreicher zu machen.

Axel Gotsche
skydive-mv/Neustadt-Glewe

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