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Formationsspringen in Norddeutschland

Am Sonntag, 6. September 2020, kam es auf dem Flugplatz Trier-Föhren zum Landeunfall eines erfahrenen Springers. Er verstarb noch am selben Abend im Krankenhaus.

Dieser Artikel ist kein Unfallbericht, sondern schildert den Umgang des Vereins mit dem Unglück.

Unfalltag

Der FSC-Trier ist ein Verein, welcher auf dem Flugplatz Trier-Föhren in Rheinland-Pfalz beheimatet ist. Gesprungen wird üblicherweise aus den beiden vereinseigenen Cessna 182. Am ersten Wochenende im September stand eine gecharterte Cessna Caravan 208 für den Sprungbetrieb zur Verfügung. Entsprechend groß war das Springeraufkommen.

Der Unfall ereignete sich beim letzten Load dieses Sprungwochenendes in direktem Sichtbereich und in der Nähe zur Packzone. Somit wurden viele der Anwesenden Augenzeugen des Unfalls.

Sofort wurde durch Vereinsmitglieder, darunter ein Arzt und ein Notfallsanitäter, Erste Hilfe geleistet. Ihnen stand dazu ein hochwertig ausgestatteter Notfallrucksack mit der entsprechenden Ausrüstung zur Verfügung. Da der verunfallte Springer schwerste äußere Verletzungen aufwies und nicht bei Bewusstsein war, forderte man umgehend einen Notarzt sowie einen Rettungshubschrauber an.

Die Einweisung des bodengebundenen Rettungsdienstes auf das Vorfeld erfolgte durch weitere Vereinsmitglieder, so dass dieser ohne Verzögerung zur Unfallstelle fahren konnte.

Noch vor Eintreffen des Notarztes wurde der Notfallkontakt (die Schwester des Verunfallten) über den schweren Unfall informiert, und im Folgenden über den weiteren Verlauf wie Eintreffen des Notarztes, Start des Rettungshubschraubers und Angabe des Zielkrankenhauses auf dem Laufenden gehalten. Dies wurde von der Schwester als sehr fürsorglich empfunden und positiv aufgenommen.

Nach den Rettungsarbeiten bot ein Vereinskamerad, der auch katholischer Priester ist, einen Gesprächskreis an, der von vielen der Anwesenden wahrgenommen wurde. Ein weiterer Austausch mit diesen Personen fand am darauffolgenden Dienstagabend statt. Das Angebot wurde dankbar angenommen und als wohltuend empfunden.

Noch in der Nacht informierte die Schwester des verunglückten Springers den Vorsitzenden des Vereins darüber, dass ihr Bruder im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen ist.

Folgetage

Am Tag nach dem Unfall wurden alle Vereinsmitglieder vom Tod ihres Springerkameraden unterrichtet.

Das Angebot, die Schwester bei der Überbringung der Todesnachricht an die Mutter des Verunglückten zu begleiten, nahm diese dankbar an. Diese Begleitung erfolgte durch den Vereinsvorsitzenden und den zum Verein gehörenden Seelsorger.  Nach Aussage der Familie war es wichtig, Fragen direkt an Augenzeugen des Unfalls richten zu können. Auch in der folgenden Zeit hielt man engen Kontakt zu den Angehörigen.

Der Sprungbetrieb für das folgende Wochenende wurde abgesagt und für den Sonntagabend eine vereinsinterne Trauerfeier am Flugplatz terminiert. Organisation und Leitung übernahmen ein zum Verein gehörender Bestattungsunternehmer und der Seelsorger in enger Abstimmung mit dem Vorstand. Unter sehr großer Beteiligung fand eine emotionale Trauerfeier am Zielkreis statt. Das Angebot, sich bei einer Wanderung vor der Trauerfeier und einem Beisammensein danach auszutauschen, wurde von vielen angenommen.

Auch an der von der Familie organisierten, drei Wochen nach dem Unfall stattfindenden Beisetzung am Heimatort des Springerfreundes nahmen wieder viele Vereinsmitglieder teil.

Resümee

Die Ausstattung des Notfallrucksacks wird im Verein regelmäßig in kurzen Abständen überprüft. Die Einweisung der Rettungskräfte stellt ein erprobtes Verfahren dar.

Ein externer Defibrillator (AED) war nicht vorhanden. Im vorliegenden Fall war dieser auch nicht erforderlich, doch eine Anschaffung sollte geprüft werden.

Es war Zufall, dass am Unfalltag sowohl für die Erste Hilfe wie auch für die psychosoziale Unfallnachsorge der Unfallzeugen qualifizierte interne Kräfte vorhanden waren. Um eventuellen Traumatisierungen vorzubeugen, ist es sinnvoll auch die Unfallnachsorge in die Notfallplanung einzubinden. Im Vorfeld kann sich jeder Verein über die örtlichen Ressourcen informieren und/oder eigene Kräfte schulen. Hier liegt es an jedem einzelnen Springer selbst, einen Beitrag zu leisten. Es ist für uns als Fallschirmsportler wichtig, unsere Kenntnisse in Erster Hilfe regelmäßig alle zwei Jahre aufzufrischen. Nur so sind wir auf einen Notfall vorbereitet.

Über die rechtlichen Fragen hinaus stellt ein solches Ereignis hohe Anforderungen an die Verantwortlichen. Die Rückmeldungen der Familie zeigen, wie wichtig es war, offen und zeitnah mit der Familie zu kommunizieren und diese, soweit möglich, zu unterstützen.

Der tödliche Unfall des langjährigen Springerfreundes hat die Vereinsmitglieder zutiefst erschüttert. Im Folgenden wurde nicht sofort zum „business as usual“ zurückgekehrt, sondern Gelegenheit zu Trauer und Austausch gegeben. Dieses bewusste Innehalten hat die Vereinsmitglieder und den Zusammenhalt gestärkt und die Basis gelegt, dass wir in Zukunft wieder mit Freude unserem schönen Sport nachgehen können.

Ich bin stolz, diesem Verein anzugehören!

Christoph Klant

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