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Vom guten Individualflieger zum anspruchsvollen Fliegen in Gruppen

Big Ways, Relativ Work, Sequentials etc. kennen wir alle aus unserem Sport – ob auf dem Bauch oder vertikal. Allerdings gehört weitaus mehr dazu, um gut in Gruppen zu funktionieren und Spaß zu haben, als nur ein guter Individualflieger zu sein. Jeder von uns hat doch schon mehrfach Sprünge mit mittel-/großen Gruppen aus dem Flieger gewagt und sich vor allem anfangs darüber gewundert, wie alle im Himmel plötzlich verstreut sind. Der eine weit oben, zwei weitere schräg unten und drei noch da vorne irgendwo am Horizont. Wenn‘s gut lief, hatte man vor dem Sprung eine Basis definiert, zu der dann alle hingeflogen sind und wie wild versucht haben, noch schnell einen Griff zu nehmen, bevor der Ditter lospiepte.

Das Fliegen in Gruppen ist weitaus komplizierter, als man zunächst vielleicht denken mag. Die wichtigste Regel gleich zu Beginn: Level – Slot – Dock (LSD) galt schon immer und wird auch immer gelten. Headlevel hat höchste Priorität, da es essenziell ist, seinen Platz (Slot) in der Gruppe horizontal anzufliegen und nicht von oben in die Gruppe zu fliegen. Die Gefahr, einen Mitspringer von oben zu erwischen, ist viel zu groß. Dies hört sich zunächst leichter an als es ist, denn was im Tunnel auf Grund der vielen Referenzen (Glas, Netz, Diffusor etc.) noch gut funktioniert, ist plötzlich im Himmel nicht mehr ganz so einfach umsetzbar. Außerdem sind die Geschwindigkeiten, mit denen im Himmel sowohl vertikal als auch horizontal geflogen wird, wesentlich höher als im Tunnel. Die Grundlagen und Routinen für ein sicheres Fliegen in Gruppen können jedoch im Tunnel sehr gut erlernt werden, wenn auch die Separation noch mal auf einem anderen Blatt geschrieben steht. Dazu später mehr. 😉

Durch regelmäßiges Fliegen in Gruppen wird sowohl das genaue Ansteuern auf den Punkt sowie den Griff durchgehend zu fliegen relativ schnell erlernt. Was anfangs noch eher einem Abenteuer im Autoscooter auf dem Rummel gleicht, geht früher oder später in ein sauber gelinktes Fliegen über. Ihr werdet zügig merken, wie sich eure Skills verbessern, wenn ihr regelmäßig in Gruppen trainiert. Hier lernt man mit der Zeit kontrolliert aufeinander zuzuarbeiten, ohne den anderen ständig umzufliegen oder chaotisch durch eine Formation zu kacheln. Gerade im Freefly ist das essenziell, da hier weitaus höhere Geschwindigkeiten geflogen werden und kleine Bewegungen, ähnlich wie beim Butterfly-Effekt, hohe Auswirkungen auf das große Ganze nach sich ziehen. So weit, so gut …

Angefangen bei einem umfangreichen Skillset, das idealerweise im 1:1-Coaching erlernt wird, geht es danach mit kleinen Gruppen zu 3-5 Springern los. Hier wird je nach Tunnelgröße schnell klar, dass der Platz doch sehr begrenzt ist und „auf dem Spot zu fliegen“ unumgänglich ist. Doch auch für fortgeschrittenere Flieger ist es nicht immer trivial, sich auf engstem Raum so zu bewegen, dass die Mitflieger nicht gleich aus der Bahn geworfen werden, wenn beispielsweise eine Transition in den Headdown gemacht wird. Denn wenn plötzlich kein Platz mehr ist, blockiert der Kopf, und die Dinge, die vorher noch gut funktioniert haben, klappen plötzlich nicht mehr. Wir selbst haben schon wirklich gute Flieger gesehen, die regelrecht ins „Struggeln“ kamen, als es in deren Anfangszeit mit Gruppen richtig eng wurde. Ein weiterer Vorteil, den das Fliegen in Gruppen bietet, ist, dass man mit der Zeit lernt, sich durch die äußeren Einflüsse wie anrempeln, unterfliegen (Burbels), zerren und ziehen nicht mehr aus der Ruhe bringen zu lassen. Denn wenn du ständig gestaucht, geschoben oder gezerrt wirst und gezwungen bist, in den exotischsten asymmetrischen Positionen zu fliegen, dann gewöhnst du dich mit der Zeit daran, auch unter solchen Umständen nicht aus der Formation zu fliegen. Das lässt sich gut in den Himmel transferieren und umsetzen.

Weitere wichtige Themen beim Fliegen in Gruppen sind Timing, die Wahrnehmung der Umgebung, ein fliegerischer Automatismus und die Verständigung im Freifall – vor allem, wenn die Interaktion zwischen den Fliegern beginnt. Sobald das Setup klar ist, ist es wichtig denjenigen zu definieren, der die Gruppe durch die verschiedenen Moves/Formationen führt. Wir haben alle schon oft gesehen, dass ein 1A Flugplan mit tollen Manövern einstudiert wurde, welcher sogar hinsichtlich des Skillsets abgeflogen werden konnte, und alle auf den Start-Key gewartet haben, der jedoch nie bzw. erst zu spät kam. Auch der Wechsel von Formation 1 zu Formation 2 sollte durch den Leader der Gruppe durch ein vorher definiertes Zeichen (den Key) angezeigt werden. Der ständige Augenkontakt sowie die klare Definition, wem innerhalb der Gruppe zu folgen ist, sind unumgänglich, um großartige Moves zu fliegen. Darüber hinaus spielt das Timing eine große Rolle. Vor allem im fortgeschrittenen Bereich ist es immer wieder wichtig, sich aufeinander ein­zu­spielen. Zu wissen, wer wann den nächsten Schritt macht und vor allem wie schnell, sind die Schlüsselfaktoren, um die Gruppe erfolgreich funktionieren zu lassen. Gerade hierbei sollte man die „Trockenübungen“ vor Betreten des Tunnels oder Verlassen des Fliegers nicht unterschätzen und den Sprung immer wieder „ablaufen“. Mit der Zeit merkt man dann, dass man fliegerisch einen gewissen Automatismus entwickelt und ohne viel Platz im Tunnel zurechtkommt. Jetzt fängt man an, während des Fliegens seine Mitflieger mehr und mehr wahrzunehmen und regelrecht ins Zentrum zu arbeiten, was für den Erfolg beim Sequentialsfliegen sehr wichtig ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt: der Griff/Dock/Link or whatever. Sobald man seinen Mitflieger angeflogen hat und den langersehnten Griff endlich genommen hat, muss die Position zu 120% geflogen werden. Wir nehmen immer wieder wahr, dass ein regelrechtes “Erschlaffen“ stattfindet, sobald der Griff einmal zu ist und danach die ganze Formation regelrecht auseinanderfliegt. Fliegen im gelinkten Zustand ist schwer, da sich Bewegungen der einzelnen Flieger immer auf alle anderen auswirken und umgekehrt. Daher ist es wichtig, möglichst locker zu bleiben, aber den gesamten Körper dennoch stärker zu fliegen als zuvor. Auch hier kann man durch regelmäßiges Fliegen in Gruppen gut trainieren und sich für größere Formationen und die anspruchsvollen Flugmanöver vorbereiten.

Last but not least: so großartig das Fliegen in großen Gruppen auch ist, sollte man sich gerade draußen im Himmel immer wieder darüber bewusstwerden, was man sich zutrauen möchte. Es ist zwar nicht statistisch erwiesen, aber wir sind dennoch davon überzeugt, dass die Unfallgefahr auf Grund der Separationsproblematik zunimmt, je mehr “unerfahrene Springer“ mit guten bis sehr guten Tunnelskills in einem Sprung zusammenkommen. Die Nutzung der Tunnel ist klasse und sie bieten Möglichkeiten, die früher kaum denkbar waren. Jedoch sollte man sich bei der Wahl der Gruppengrößen immer wieder bewusst sein, was man sich hinsichtlich der Separationsmöglichkeiten zumuten möchte, denn die Separationswinkel nehmen mit zunehmender Anzahl der Springer rapide ab. Und wenn man eines nicht im Tunnel lernen kann, dann sind es Separation und Schirmfahrt. Daher zieht gerade am Anfang kleinere Gruppen mit 3-4 Springern größeren Formationen mit 5, 6 oder 8 Mitspringern vor und splittet die Gruppen, wenn ihr euch nicht sicher seid.

In diesem Sinne: bleibt gesund, trainiert fleißig and always blue skies 🙂

AirBerlin Sequentials

Fotos: Marc Wegner

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