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Bisher kennt man Live Performances oder auch Live-Vorführungen vor Publikum in Windtunneln vor allem in Form von Flug-Performances, also kurze Flugshows von Athleten, die z.B. bei Eröffnungen von Windtunneln oder im Rahmen von Events, wie z.B. den Deutschen Meisterschaften oder der Virgin Galactics Spacesuit Vorstellung, gezeigt werden. Auch die in den Windkanälen gezeigten Demo-Minuten der Instruktoren fallen in diese Kategorie.

All dies sind einmalige kurze Vorstellungen überwiegend athletischen/sportlichen Charakters.

Wenn man diese Vorführungen nun mit Vorstellungen in einem Theater vergleicht, sieht man deutliche Unterschiede: Hier gibt es einen Spielplan mit regelmäßigen Vorstellungen und den dafür erforderlichen Probenbetrieb, außerdem die dazugehörigen Abteilungen wie Kostüm- und Bühnenbildnerei, diverse Technik, Ticketverkauf etc.

Und da kommt die Frage auf: Sind Live Performances in einem Windkanal überhaupt möglich – räumlich, preislich, zeitlich und künstlerisch gesehen?

Ja, sind sie!

China ist in dieser Hinsicht der absolute Vorreiter: Mit gleich zwei aktuellen Performances, den „Pirates of the Caribbean“ im Disney Resort in Shanghai und der „Kung-Fu“-Show im „Flying Monks Temple“ in Dengfeng, zeigt uns China, wie man das Windtunnel-Fliegen in Performances integrieren kann.

Doch wie kommt es, dass wir in Europa keine Live Performances im Windkanal kreieren? Weil unsere Tunnel nicht wie in China extra für die Performances erbaut wurden? Oder weil die Tunnel nur für den reinen Flugbetrieb ausgelegt sind, also für die Nutzung durch Fun Flyer in Kombination mit Sportfliegern? Weil es kein potentielles Interesse gibt? Oder weil Bodyflying einfach (immer noch) zu unbekannt ist?

Diese Fragen lassen sich nicht generell beantworten. Das Potential und das Interesse sind vorhanden, denn auch die Entwicklung der darstellenden Kunst ist immer dramatischer, atemberaubender und innovativer – die Künstler rücken dem Limit menschlicher Fähigkeiten immer näher. Flug-Shows sind also nur eine Frage der Zeit.

Wir, die Hurricane Factory in Berlin, wollen daher ein Konzept für Live Performances entwickeln und haben die Vision, diese im nächsten Winter auch umzusetzen. Live Performances im Windtunnel öffnen neue Türen und machen es für eine ganz neue Zielgruppe attraktiv.

Bisher war Indoor Skydiving nur als Sport bekannt. Dies hat es dem Bodyflying ermöglicht, kontinuierlich bekannter zu werden und seine Türen für viele Menschen zu öffnen. Aber eben als (Freizeit-) Sport – und der gedeiht und wird immer größer und hoffentlich auch bald olympisch und somit seriöser.

zurück zu den Live Performances

Die Problematik, die häufig als Erstes angesprochen wird, ist die Finanzierbarkeit, aber dieses Problem ist überall in der Kunst bekannt und ist lösbar. Ich will hier keinen Business-Plan aufstellen oder auf die Möglichkeiten der privaten und staatlichen Kunstförderung eingehen, sondern ein eher strukturelles Problem ansprechen.

Meiner Meinung nach sind die Räumlichkeiten der Windtunnel ein viel größeres Problem. Betrachtet man die Windtunnel in Deutschland, bieten weniger als 50% der Tunnel genug Platz für ein größeres Publikum. Zu kleine Räumlichkeiten machen es nicht lukrativ für den größten Teil der Tunnel, die Eintrittskarten müssten im oberen 3-stelligen Bereich liegen. Das wäre dann eher unattraktiv für potentielle Besucher – da wir mit den Flug Live Performances noch kein Cirque du Soleil-Niveau bzw. den entsprechenden Bekanntheitsgrad erreicht haben, würde dies dann wahrscheinlich in Vorstellungen ohne Publikum enden. Doch einige Windkanäle haben die benötigten größeren Flächen für Zuschauer – größere Flächen und größere, höhere Tunnel!

Sind Live Performances eine Zukunft für diese Windtunnel?

Weltweit werden immer mehr Windtunnel erbaut. Wir sehen bereits jetzt Preiskämpfe zwischen den Windkanälen, die hart am Rand der Wirtschaftlichkeit ausgetragen werden, und auch schon die ersten geschlossenen Tunnel (z.B. Orlando, Sirius Sport Resort wurde zum Glück nach seiner Schließung 2019 gerade wieder von neuen Besitzern gekauft).

Die größeren Windkanäle mit dem entsprechend höheren Energieverbrauch können besonders mit den Sportflieger-Preisen von kleineren Tunneln nicht konkurrieren. Und let’s face it: Auch wenn mehr Platz natürlich mehr Spaß macht und mehr Möglichkeiten bietet – zum Einzel-Coaching ist selbstverständlich der geringere Preis für die meisten von uns der attraktivere und entscheidende Faktor – zumal für die jungen Sportler, die eh jeden Cent umdrehen müssen.

Hier bietet also die darstellende Kunst eventuell eine Möglichkeit für die größeren Windtunnel, sich von den kleineren Windtunneln abzuheben. Und die darstellende Kunst wird den Flug erobern! Die Frage ist nur, sind die Windtunnel darauf eingestellt, sich an diesem Trend zu beteiligen oder überlässt man dem Marktführer „Aerodium“ diesen Bereich? (Aerodium baut für Shows hauptsächlich offene Windtunnel und hat eigene Instruktoren, die den Performern das Fliegen beibringen oder selbst fliegen.)

Wie also kann ein Standard-Windtunnel die darstellende Kunst in seine Abläufe integrieren?

Hier gibt es diverse Möglichkeiten, wie dies in der Zukunft aussehen könnte. Angefangen von den kleinen Flugschulen, die den Tunnel als Theater für ihre Vorstellungen nutzen, über nachwuchsfördernde Workshops und eigene Projekte bis hin zu einer hauseigenen Company.

Was bei solchen Live Performances gezeigt werden kann?

Bisher wurde bei den Events und kurzen Live Performances eine Kombination von Elementen des Freestyle und Dynamic Fliegens gezeigt, manchmal ergänzt durch Einflüsse z.B. von Hip-Hop-Tänzern oder Aerialisten.

Vieles, was unter den Kunstbegriff fallen könnte, findet leider momentan nur in Video-Projekten statt, und es gibt mittlerweile tolle Performance-Videos von Weltklasse Freestyle Fliegern. Da gibt es u.a. Leo Volkov, der in der Ante Chamber seine sehr artistische Show zu Imagine Dragons beginnt, dann Inka Tiitto, die ein atemberaubendes Schwanensee-Video mit Tanz und Flug in Verbindung gefilmt hat, und natürlich die Videos von den Kindern der Modern Aerial Dance Company (MAD).

All dies sind Möglichkeiten einer Darbietung in Live Performances, welche wahrscheinlich einer Ballett-Aufführung am nächsten käme. Darüber hinaus gibt es auch noch zeitgenössischen Tanz, Tanztheater, Schauspiel und Akrobatik. All dies kann mit in eine Live Performance fließen.

Und jetzt träumt mal mit mir

Stellt euch vor, ihr seid im (Windkanal-)Theater, die Luft um euch herum ist spürbar elektrisch aufgeladen, jeder im Raum ist aufgeregt, die Lichter gehen aus, man kann die Vorfreude förmlich greifen und die Spotlights gehen an.

Peter Pan steht auf der Bühne und verliert seinen Schatten. Oder Alice fällt durch das Loch ins Wunderland, oder der Schwan wird gerettet von seiner/ihrer Liebe (oder auch nicht) oder ihr dürft unterschiedliche Stücke, welche Fliegen, Tanz, Schauspiel und Akrobatik integrieren, bewundern.

Ich will nicht darauf warten, bis es jemand anderes macht, und gebe daher nun gerade mein Möglichstes, um selbst Teil an diesem historischen Geschehen zu sein, denn für mich ist Fliegen in einem Windtunnel nicht nur Sport, sondern Kunst.

Kunst, die der Welt gezeigt werden muss.

Katharina“Kat“ Pudenz

Fotos: Alexandra Richter

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