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In diesem Artikel widmen wir uns ganz dem Head down-Fliegen. Das „Schädeln“ ist die vierte Grundposition im Freefly. Grundsätzlich sollte jeder Coach bzw. Instruktor mit seinem Schüler erst dann mit dem Head down-Coaching anfangen, wenn er oder sie zufrieden mit den Skills der drei vorhergehenden Positionen ist (Bauch, Rücken und Sitzen). Es hat also wenig Sinn, nach 10 Minuten Sitztraining gleich mit den teuren Netzkopfständen anfangen zu wollen. Je besser das Grundverständnis bzw. die Sicherheit im Sitzen oder Rückenfliegen ist, umso einfacher wird es dem Schüler auch gelingen, die Head down-Position schnell zu begreifen und zu meistern. Der Hauptantrieb dieses Artikels ist, euch zu zeigen, wie man sicher schnell, aber auch mit viel Spaß zum Head down kommt, ohne es voreilig anzugehen und/oder sich unnötig in Gefahr zu bringen.

Safety First!

Wie schon vorab gesagt ist Backfly und Sitfly schon aus Sicherheitsgründen Pflicht. Die volle Kontrollfähigkeit beider Positionen ist das Minimum, um loslegen zu können. Mit genügend Erfahrung im Sitzen und im Rückenfliegen fällt somit auch die Stabilisierung nach einem Head down-Versuch deutlich einfacher, und man schmiert keine wertvollen Sekunden oben an der Tunnelwand herum.

Investiert also lieber erst mal ein bisschen mehr Zeit in Head up und Backfly bei hohen Windgeschwindigkeiten, bevor ihr vorschnell ans Head down-Fliegen herantretet. Es wird euch helfen.

Eine gute Möglichkeit hierfür sind die tunnellokalen Stammtische der Freeflyer. Hierbei könnt ihr kostengünstig und mit viel Spaß euch gegenseitig beim Sitzen und Rückenfliegen verbessern und pushen. Gleichzeitig lernt man mit Leuten auf dem gleichen Skilllevel zu fliegen, was bedeutet, dass ihr auf euch gegenseitig aufpassen müsst.

Low speed als Head Down Training

Ja, auch Low speed wird dir helfen, ein besserer Head down-Flieger zu werden. Denn beim Low speed, wie in dem Artikel davor schon beschrieben, bewegen wir uns von der Orientierung auch schon im Head down-Bereich. Wer sich die letzten Artikel durchgelesen hat, erinnert sich an das Belly outface- und Back Infacecarven und die Layouts. In allen diesen Positionen befindet sich der Kopf im Head down. Geht man also seine ersten Head down-Versuche mit Erfahrung im Low speed-Carven an, so hat man eine etwas leichtere Zeit und muss sich nicht an die neue Aussicht gewöhnen. Beim Schädeln ist dann nämlich alles, was vorher immer links war, jetzt rechts, und was rechts war, ist jetzt links. Gleiches passiert logischerweise mit oben und unten. Das kann am Anfang durchaus verwirrend wirken, jedoch gewöhnt man sich meiner Meinung mit ein bisschen Airtime recht schnell daran.

Der Anfang

Geübt wird das statische Head down-Fliegen vorerst auf dem Netz, dem oben angesprochenen „teuren Kopfstand“. Das alles hat aber einen gewissen Sinn. So würde zum Beispiel kein Coach der Welt zu seinem Schüler sagen „Sitzen läuft, los, lass uns die Transition ins Head down machen“, das wäre schlichtweg viel zu gefährlich und würde wahrscheinlich selbst mit dem begabtesten Artisten nicht funktionieren. Es ist leider so, dass nicht nur die Ansicht des Tresens sich ändert, sondern leider auch die Steuerimpulse, die wir in die Luft geben müssen, um uns zu bewegen. Sobald sich der Schüler also wohlfühlt auf dem Netz und eine synchrone, stabile Grundposition hat, wird der Wind aufgedreht und abgehoben. Wo wir beim Sitzen unseren Kopf/Oberkörper nach hinten lehnen, um nach  vorn zu fliegen, müssen wir auf dem Kopf genau das Gegenteil davon machen, also den Kopf/Oberkörper nach vorn lehnen für die Vorwärtsfahrt. Das bedarf ein bisschen Übung, ist aber in der Regel in wenigen Stunden gemeistert. Als kleine Eselsbrücke könnt ihr euch merken, beim Vorwärtsflug ist der Wind immer auf dem Rücken und beim Rückwärtsfliegen immer auf dem Bauch, sowohl im Sitzen als auch beim Schädeln. Sobald alle Grundbewegungen ausreichend verinnerlicht sind, wird die Transition geübt.

Head down carving (high speed)

Wie schon im Artikel zum Backfly beschrieben, ändert sich am Grundgedanken „Carve“ nichts. Bei hohen Windgeschwindigkeiten fällt es jedoch dem intermediate Head down-Flieger etwas leichter, da man hier ein wenig schummeln kann. Läuft es mal nicht so gut beim Carven, kann man sich kurz im Head down orientieren und dann weiter um die Ecke mogeln. Wer jedoch schnell, kraftschonend und effizient auf dieser Geschwindigkeit carven möchte, kommt leider um das Training beim Low speed nicht herum. Hast du nämlich eine starke Haltung im Low speed, kannst du diese auf alle Windgeschwindigkeiten übertragen. Das Einzige, was sich ändern wird ist, dass du nicht mehr flach, sondern ziemlich steil im Anstellwinkel bist und die Referenzpunkte logischerweise ein bisschen schneller an dir vorbeifliegen.

Head down im Himmel und im Tunnel

Abschließend noch ein kleiner Vergleich aus meiner Sicht zum Unterschied zwischen dem Reagenzglas und dem großen Spielplatz. Der Tunnel ist definitiv ein super Tool, wenn nicht das beste, für den modernen Skydiver sämtliche Positionen stabil und auf den Punkt fallend zu lernen und das in einer kurzen Zeit. Hier hat man einfach die perfekte Referenz, um zu sehen, was mit einem geschieht, sowohl während des Fluges als auch kurz danach auf dem Video. Leider muss ich dazu sagen, dass man nicht alles, was man als intermediate Head down-Tunnelflyer schon in der Röhre kann, direkt und eins zu eins in den Himmel übernehmen kann. Angefangen natürlich beim Exit. Im Tunnel haben wir den Head down speed direkt anliegen, sobald wir hineingehen und das sogar aus der richtigen Richtung, von unten. In dem Moment, wo wir jedoch das Flugzeug verlassen, gibt es allerdings noch nicht den Wind, den man vom Tunnel kennt, hier müssen wir also erst mal so entspannt und grade wie möglich den „Berg“ runterrutschen und warten, bis uns die Erdanziehungskraft ausreichend beschleunigt. Das erfordert leider einige Sprünge Übung, wofür ich auch dringend einen Skydive-Coach empfehlen würde, der euch das sicher beibringen kann. Er oder sie wird euch nämlich davor bewahren, dass ihr auf dem Rücken eure Kurven in der Absetzlinie unter den anderen Springern dreht. Sobald ihr diese Hürde gemeistert habt, müsst ihr euch nur noch an euer Rig auf dem Rücken kopfabwärts gewöhnen und dass es keine nahen Referenzen mehr gibt, sondern nur noch den Horizont und eure Mitspringer. Es gibt natürlich noch viele kleine Details, auf die ich nicht eingehe, da es locker den Rahmen sprengen würde. Schnappt euch also euren Lieblingscoach und löchert ihn mit Fragen. Denn je mehr ihr wisst, desto sicherer seid ihr unterwegs. Viel Erfolg und vor allem Spaß beim Training.

Sebastian Robak

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