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Alle vier Jahre finden die Military World Games statt, die mit den olympischen Spielen mithalten können und für alle Militärsportler das größte Sportereignis sind. Über 9000 Sportlerinnen und Sportler aus 109 Nationen nahmen vom 18.10. bis zum 23.10.2019 teil. Mit dabei die Athleten der Sportfördergruppe Altenstadt mit der ersten Mannschaft bestehend aus Stefan Wiesner, Elischa Weber, Christian Kautzmann, Christoph Zahler und Kai Erthel. Bei den Frauen waren Tatjana Gustke und Laura Heck dabei. Komplettiert wurde die Mannschaft von den Junioren Robin Griesheimer und Nils Kammer. Betreut wurden sie vom Heimtrainer Wolfgang Lehner und Bundestrainer Torsten Kunke. Ebenfalls anwesend war der Leiter der SportFGrp Oliver Vent, der in der Funktion als Chefschiedsrichter beim Wettbewerb für faire Bedingungen sorgte.

Die Erwartungen an den Veranstalter wurden in allen Bereichen übertroffen. Ein komplettes Stadtviertel für über 10.000 Personen ist neu erbaut worden, eine Mensa, in der gleichzeitig 5000 Sportler nahezu 24h am Tag essen konnten, oder Hunderte Busse, die bereit standen, um alle Sportler zu den Wettkampfstätten zu bringen. Über 600 Mio. US-Dollar investierte der Veranstalter, eine riesige Organisation setzte diese Mammutveranstaltung um und sage und schreibe mehr als 200.000 Freiwillige halfen mit. Allein bei der Eröffnungsfeier waren Tausende Darsteller dabei, eine bildgewaltige Vorführung mit vielen tollen Effekten und den größten Stars Chinas mit Lang Lang, dem besten Pianisten der Welt, oder Checki Chan rundeten dieses Spektakel ab. Welch Stellenwert dieses Ereignis in China hat, zeigte sich unter anderem darin, dass der Staatspräsident die Spiele eröffnete. In einem eigenen Fernsehkanal zeigte das chinesische Fernsehen fast ununterbrochen Wettkämpfe und am Ende sahen über 1 Mio. Zuschauer die Wettbewerbe vor Ort. Kurze Wege, gutes Essen, verlässliche Informationen trotz so mancher Sprachschwierigkeit und stets Freundlichkeit der Veranstalter ließen alle Beteiligten sich schnell wohlfühlen.

Die deutsche Delegation mit über 400 Teilnehmern reiste fast geschlossen von Warendorf nach Wuhan an und nutzte die ersten drei Tage, um sich an das Klima und den Sprungplatz anzupassen. Am Freitag ging es dann endlich los und von Anfang an war das Niveau, wie zu erwarten war, sehr hoch. Die Zielstellung, Gold in der Königsdisziplin Mannschaftskombination zu gewinnen, galt es nun in Angriff zu nehmen. Mit fehlerfreiem Formationsspringen gelang nicht nur eine gute Ausgangsposition, sondern etwas unerwartet konnten die Männer sich auf dem Bronzerang nach der Hälfte der Sprünge festsetzen. Auch im Stilspringen lief es nach Runde zwei wie geplant und Elischa Weber konnte sich ganz vorn festsetzen. Auch Stefan Wiesner lag nach der Halbzeit auf Rang vier mit nur 4 Zehntel Rückstand zu den begehrten Medaillenplätzen. Einzig die dritte Disziplin, das Zielspringen, lief nicht wie geplant. Runde für Runde konnten die Männer nicht an ihre Trainingsleistungen anknüpfen und machten dadurch den Wettkampf unnötig spannend.

Bei den Frauen und Junioren mussten alle vier Teilnehmer Lehrgeld bezahlen und dreimal mit dem undankbaren vierten Platz vorliebnehmen. Robin Griesheimer belegte im Stil und in der Einzelkombination jeweils knapp hinter Bronze den vierten Rang und auch Tatjana Gustke fehlten am Ende 3 Zehntel zur Bronzemedaille.

Am Mittwoch, dem 23.10.2019 war es dann so weit. Die beiden letzten Runden im Stilspringen fanden statt und zwei Männer lagen im Medaillenbereich. Christoph Zahler erreichte nach großem Kampf sein erstes Finale und belegte am Ende den neunten Platz. Stefan Wiesner musste trotz sehr guter Leistung mit dem undankbaren vierten Platz vorliebnehmen. Ideal lief es für Elischa Weber, der Runde für Runde seinen Vorsprung ausgebaut hatte und im Finalsprung erneut die beste Leistung zeigte und völlig verdient die Goldmedaille in seiner Paradedisziplin, nach zuvor zweimal Silber bei den vorangegangenen Weltmeisterschaften, gewinnen konnte. Anschließend absolvierten alle Mannschaften die sechste Runde Ziel, in der sich die Deutschen eine sehr gute Ausgangsposition mit Tuchfühlung zu den Medaillenrängen verschafften.

Die sehr gute Organisation vor Ort sowie das Wetter sorgten für einen reibungslosen Ablauf und die Möglichkeit, in allen Disziplinen die maximale Rundenzahl zu absolvieren. Ständig wechselten die Sportler zwischen Ziel- und Formationsspringen. Lagen die Deutschen überraschend zwischenzeitlich auf Rang drei, zogen die Belgier und Katarer davon, aber auf den Plätzen drei, vier und fünf war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Schweizern und Spaniern. Vor der Finalrunde lag Deutschland mit einem Punkt zurück und musste alles riskieren, um die Bronzemedaille zu gewinnen. Beide Teams waren sehr nervös und zeigten einige Fehler und am Ende konnte die Schweiz mit zwei Punkten Vorsprung über Bronze jubeln. Das bedeutet zwar für die deutsche Equipe den undankbaren vierten Platz, sicherte aber für die Mannschaftskombination eine gute Ausgangsposition.

Am Freitag ging auch die achte Runde Ziel und damit die Einzelwertung zu Ende. Stefan Wiesner lag vor dem Finalsprung mit 1 cm in Führung, dicht gefolgt von einem Ungarn und vier weiteren Springern auf dem dritten Rang. Wieder einmal gelang es ihm, die Nerven zu behalten, und am Ende konnte er sich über die Goldmedaille in seiner Paradedisziplin freuen. Erstmals gelang es einem Sportler, den Titel im Zielspringen zu verteidigen, und für Stefan bedeutete dies Titel Nr. 15. Das hieß zugleich eine weitere Goldmedaille in der Einzelkombination (Addition aus Ziel- und Stilspringen) und damit Titel Nr. 16 in seiner einmaligen Karriere. Aber auch Elischa Weber sicherte sich im achten Sprung eine Top-Ten-Platzierung, was in der Endabrechnung die Silbermedaille in der Einzelkombination bedeutete. Ebenso konnte die Mannschaft zwei weitere Plätze gutmachen und lag mit drei weiteren Mannschaften ex aequo auf Platz 3. Eine so hohe Leistungsdichte gab es noch nie. Das zeigte einmal mehr, welch Weltklasseleistungen notwendig sind, um um die begehrten Medaillen mitzuspringen.

Der vorletzte Tag ließ mit Regen und viel Wind keine Sprünge zu. Somit musste die Entscheidung am allerletzten Tag fallen. Unsere Männer waren hochmotiviert, wollten sowohl eine Medaille im Zielspringen als auch die Goldmedaille in der Mannschaftswertung gewinnen. Nach dem Halbfinale blieb es weiter spannend. Immer noch auf Rang drei liegend, hatte die Mannschaft einen Zentimeter Rückstand auf die Silbermedaille, aber nur zwei Zentimeter Vorsprung auf Rang fünf. Die Finalrunde war an Spannung kaum zu überbieten. Getragen vom eigenen Publikum lieferten die Chinesen, bisher mit Deutschland auf Platz 3 liegend, eine nahezu perfekte Runde ab und setzten die Deutschen enorm unter Druck. Die Spannung war greifbar und jeder am Boden wusste um die geringen Abstände zwischen den Mannschaften. Diese jedoch hielten dem Druck stand und zeigten als einzige Mannschaft des gesamten Wettbewerbs die perfekte Runde und leisteten sich mit einer „Nuller-Runde“ keinen weiteren Zentimeter. Dadurch, dass die Ungarn einige Zentimeter Abweichung in Kauf nehmen mussten, schob sich vor der letzten Mannschaft, die deutsche Equipe auf den zweiten Platz nach vorn. Die Führenden aus Tschechien konnten ihren Vorsprung mit nur einem Zentimeter Vorsprung ins Ziel retten und wurden knapp, aber dennoch verdient Weltmeister im Mannschaftszielspringen. Silber ging an Deutschland und Bronze an China.

In der Endabrechnung hieß das Gold in der Mannschaftswertung (Addition aus Ziel-, Stil- und Formationsspringen), dicht gefolgt von Tschechien und Russland. Das große Ziel, die Goldmedaille in der Mannschaftskombination, wurde mit starker Willenskraft, eisernen Nerven und nicht zuletzt einer geschlossenen Mannschaftsleistung erreicht und besonders im Zielspringen konnten die Männer ihr wahres Können zeigen.

Mit vier Gold- und zwei Silbermedaillen gingen die 7. Military World Games als erfolgreichste world games zu Ende und zur sehr guten Bilanz der deutschen Delegation konnten die Fallschirmspringer von der Sportfördergruppe Altenstadt eine gehörige Portion dazu beitragen.

Ergebnisse: http://results.worldskydiving.org/FrontEnd/CompetitionCollection/1033

Text: HptFw d.R. Torsten Kunke

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