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Jubiläum für Wings over Marl und Premiere für Wings over Eschbach

Seit 2015 ist Wingsuit Performance eine offiziell anerkannte Disziplin der FAI (Fédération Aéronautique Internationale). In Marl reicht ihre Geschichte jedoch wesentlich weiter zurück. Denn dieses Jahr war es bereits der 14. Wettkampf dieser Art. Hinzu kam die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft für Wingsuit Performance mit Unterstützung der Bundeskommission Fallschirmsport (BKF). Weit vor diesem Happening gastierte die Wings over-Familie als „Season-Opener“ erstmals auch in Eschbach – natürlich nicht ganz zufällig. Juliane Radow, die Ausrichterin des Wettkampfes in Eschbach, ist in ihrer Rolle als Chief-Judge seit Jahren feste Größe bei Wings over Marl (WoM). Die Idee dafür kam von ihr selbst und stieß in Marl direkt auf Begeisterung. Der nicht unbeträchtliche Aufwand für die Organisation eines zusätzlichen Events hat sich gelohnt. In Eschbach bot sich besonders für Einsteiger die Gelegenheit, einen Eindruck dieser Disziplin zu bekommen. Die große Anzahl internationaler und erfahrener Teilnehmer nahm sich dieser gerne an.

Grundlegendes Ziel ist es, in drei Subdisziplinen, die sich am treffendsten mit den Begriffen „länger, weiter und schneller“ beschreiben lassen, die bestmögliche (Flug-)Leistung zu erbringen. In den Bereichen Time, Distance und Speed müssen die Teilnehmer in einem Wettkampffenster von nur 1000 Höhenmetern (3000m – 2000m über Grund) die jeweils maximale Freifallzeit, die maximal zurückgelegte Distanz über Grund und die maximale (durchschnittliche) horizontale Geschwindigkeit erzielen. Ihre Leistung wird dabei über einen GPS-Tracker, der am Helm befestigt ist, festgehalten. Zum besseren Verständnis: es sind beispielsweise Zeiten von über 90 Sekunden (Time), Strecken über 5000 Meter (Distance) und horizontale Geschwindigkeiten jenseits 300 km/h – je nach Windstärke und -richtung – möglich.

Da sich pro Absetzvorgang bis zu 5 Springer gleichzeitig in der Luft befinden, die anhand von Bodenreferenzen parallel verlaufenden Flugbahnen folgen müssen, ist eine freie Sicht für die Sicherheit der Springer unerlässlich.

Bei Wings over Eschbach (WoE) bedeutete dies, dass die Wertungssprünge immer wieder wegen starker Wolkenbildung abgebrochen oder pausiert werden mussten. Glücklicherweise konnten im Verlauf des letzten Wettkampftages alle Sprünge erbracht werden – auch dank der schier unbegrenzten Geduld von Familie Schimmele.

Ganz anders sah es in Marl aus. Widrigstes Wetter bereits am ersten Wettkampftag ließ Sprünge erst ab dem späten Vormittag zu – trotz lobenswerter Frühaufsteher-Disziplin aller Beteiligten (Briefing um 07:15 Uhr). Bei einer am Ende des Tages verbliebenen Restzeit von nur vier Minuten für den Take-Off des letzten Loads konnten wir eine komplette Wertungsrunde zusammenbringen. Zum Glück, denn sowohl der zweite Wettkampftag als auch unser Reservetag sind sprichwörtlich ins Wasser gefallen.

Beide Wettkämpfe in Marl und in Eschbach unterscheiden sich von Wingsuit Performance Wettkämpfen an kommerziellen Dropzones, denn die Events werden mit Herzblut und Enthusiasmus für den Sport organisiert. An erster Stelle stehen Spaß, eine familiäre Atmosphäre und die Möglichkeit, gerade den Wingsuit-Nachwuchs für diese Disziplin begeistern zu können. Vergleichbare Events dieser Art und vor allem Größe gibt es kaum. So kamen in diesem Jahr zu WoM 43 Teilnehmer aus 11 Nationen, viele davon aus weiten Teilen Europas und den USA. In Eschbach durften wir 24 Teilnehmer aus 8 Nationen willkommen heißen – umso schöner erlebten wir den hohen Anteil neuer Gesichter. Eine stolze Leistung für ein so junges Event.

Besonderes Highlight: Aleksandr Kunin, Entwickler der kostenlosen Wertungsplattform Skyderby (www.skyderby.ru), ist extra aus Russland angereist, um WoE mit seiner Teilnahme und Expertise zu bereichern, denn seit 2018 setzen wir und mit uns viele weitere Wingsuit Performance-Events auf seine Software zur Auswertung der Wettkampfergebnisse.

Die Ergebnisse bei WoE erscheinen zurückblickend wie eine Vorahnung auf WoM: in der Open Class standen bei beiden Wettbewerben exakt dieselben Teilnehmer auf dem Treppchen: Alexey Galda (ebenfalls Vorjahressieger und mehrfacher US-Nationalchampion) konnte sich jeweils den ersten Platz sichern. In der Intermediate Class waren in Eschbach Daniel Ossio und in Marl Marcel Lehmann an der Spitze. Zusätzlich waren in Marl genügend Teilnehmer für die Wertung in der Advanced Class vertreten, in der sich Fabio Neujahr den ersten Platz sicherte. In der Wertung für die Deutsche Meisterschaft standen Alexey Galda (erster Platz), Florian Kaschuba und Marcel Peters (zweiter und dritter Platz) auf dem Treppchen. Alle Ergebnisse sind über folgenden Link einsehbar: www.skyderby.ru/events.

Keiner der Teilnehmer musste jedoch mit leeren Händen nach Hause gehen. Der Preisverleihung schloss sich die Tombola an, die neben zahlreichen und großzügigen Sachpreisen vielen ein zusätzliches Lächeln bescherte. Der erste Teilnehmerplatz für WoM 2020 ist bereits reserviert: Im Vorfeld unserer diesjährigen Fun-Flare-Challenge durften alle Interessierten raten, welche Höhe erzielt werden würde. Mit ihrem Tipp von 69,369 m lag Karin Bauch weniger als 80 cm neben dem erreichten Ergebnis (70,1 m) und gewann damit eine Wild-Card für nächstes Jahr. Wenn das kein guter Grund für Karin ist, endlich mit dem Wingsuit-Fliegen zu starten! Für Nachwuchs ist also gesorgt.

Doch der Dank gilt nicht allein den Sponsoren. Auch in diesem Jahr begeisterten uns wieder unser Pilot Micka Mahier mit präzisen Anflügen und perfekter Umsetzung unserer Wünsche (Merci!), unsere Schiedsrichterin Juliane Radow mit schier endloser Geduld und Ruhe trotz schwieriger Entscheidungen, die reibungslose Kooperation der Deutschen Flugsicherung und das Verständnis der Luftaufsicht, die anhaltende Unterstützung seitens der kompletten Vereinsführung, des Manifests und insbesondere einzelner Mitglieder, die sich ungefragt und uneigennützig in den Dienst dieses letztendlich doch familiären Events gestellt haben. Ihnen allen gebührt unser Dank.

Philip Berstermann, selbst Fallschirmspringer und einer der wohl talentiertesten Kameraspringer, hat eben das, wofür dieser Wettbewerb steht, im WoM-Aftermovie festgehalten. Danke, Philip.

Wingsuit-Fliegen ist in unserem Sport zwar vergleichsweise jung, jedoch gibt es einen deutlichen Aufwärtstrend: Nicht nur in der rasant fortschreitenden Entwicklung von Wingsuits, sondern auch in zunehmenden Anfragen, einen der begehrten Teilnehmerplätze zu bekommen. Auch der Zusammenschluss mehrerer europäischer Ausrichter zu einer Wettkampfserie, den Wingsuit Performance Games (kurz WSPG), spricht dafür, dass WoM auch in Zukunft Freunde gleicher Leidenschaft aus vielen Teilen dieser Welt zusammenführen darf.

Mehr Informationen zu WoE und WoM gibt es auf Facebook (www.facebook.com/wingsovermarl).

Felix Selent, Daniel Leithold

Fotos: Daniel Leithold

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