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Neulich im schönen Oberbayern wurde ich zufällig zum ersten Mal einem Fallschirmspringer und Vereinsmitglied als die neue Ethik- und Good-Governance-Beauftragte des DFV e.V. vorgestellt. Statt Begrüßung kam die Frage: „Braucht’s des jetzt a?“ Die relativ einfache Antwort lautet: Ja.

Der Fallschirmsport soll sich in Zukunft weiterentwickeln und dafür braucht es mitunter entsprechende Fördermittel. Spitzensport in Deutschland muss für bestimmte Zwecke den Regeln des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gerecht werden und diese verlangen eine ordentliche Verbandsarbeit nach den Prinzipien der Good Governance. Good Governance bedeutet schlicht gute Führung und der DOSB beschreibt hiermit die Einhaltung von Werten wie Transparenz, Integrität, Verantwortlichkeit und Partizipation. Um diese Forderungen sicherzustellen, soll laut DOSB auch ein Ethik- und Good-Governance-Beauftragter mit dem Sportverband zusammenarbeiten. Diese Vorgabe erfüllt der DFV e.V. ab sofort und vollzieht damit einen wesentlichen Schritt für die Weiterentwicklung des Fallschirmsports.     

Die Regeln zur guten Führung betreffen in erster Linie die Verbandsarbeit. In bestimmten Sportarten ist der Spitzensport längst zum lukrativen Geschäftsmodell geworden. Ethische Prinzipien sollen dort nicht nur die Ideale des Sports retten, sondern die Glaubwürdigkeit der Verbände an sich. Zudem hat Sport eine wichtige gesellschaftliche Funktion und Sportlern wird ein gewisser Vorbildcharakter zugeschrieben. Korruption und Betrug zerstören nicht nur das Ansehen des Sports oder einzelne Lebensläufe, sondern haben auch negative Auswirkungen auf die Gesellschaft. Verlorenes Vertrauen ist meist der Anfang vom Ende einer guten Geschichte. Gerade im professionellen Sport ist die Einhaltung von ethischen Prinzipien daher mittlerweile zur unerlässlichen Forderung geworden. Die Verbandsarbeit hat jedoch auch Auswirkungen auf jeden einzelnen Sportler im Amateurbereich und auf die Art und Weise, wie ein Sport überhaupt ausgeübt werden kann. Good Governance beschäftigt sich deshalb ebenso mit den ethischen Werten und Vorgaben, die für den Sport im Allgemeinen gelten sollen.

Die Ethik als (wissenschaftliche) Disziplin setzt sich mit den Handlungsmöglichkeiten der Menschen auseinander. Im Zentrum steht die Freiheit, und es geht um das Verhältnis von Autonomie und Verantwortung und um die Fragen, was richtiges Handeln ist und was ein gutes Leben auszeichnet. In der Sportethik geht es deshalb darum, zu beschreiben, was im Sport wünschenswert bzw. recht und unrecht ist und welche Werte gelten sollen. Die Debatte über die Abwägung zwischen Sicherheit und individueller Freiheit zählt somit beispielsweise zur Ethik. Auch die Fragen, was als gute Leistung zu bewerten ist und welche Mittel erlaubt sind, um diese Ziele zu erreichen, basieren auf ethischen Überlegungen. Weitere Beispiele im Bereich des Sports sind folgende Fragen: Wie werden Gerechtigkeit und Fairness im Sport gelebt bzw. umgesetzt? Welche Stellung hat das Individuum im Sport und wie kann der Sport zum erfüllenden Leben für den Einzelnen beitragen? Wo ist die Grenze zwischen positivem Leistungsansporn und Überforderung? Abgesehen von diesen Beispielen, gibt es natürlich noch sehr viele weitere Fragen.

Ethik bezeichnet eigentlich eine Teildisziplin der Philosophie, nämlich einen Teil der praktischen Philosophie. Die Philosophie zeichnet sich wiederum dadurch aus, dass mehr Fragen gestellt, als dass konkrete Antworten gefunden werden können. Dem ist so, weil sich Philosophie mit den Möglichkeiten und mit den Grenzen unseres Erkenntnisvermögens befasst, also auch mit dem, was wir nicht wissen können. Folglich gibt es auch in der Ethik unterschiedliche Theorien und keine einfachen Antworten. Dafür gibt es aber viele Diskussionen. Ethik im DFV e.V. wird daher vermutlich auch Diskussionen auslösen und genau das zählt hier als Erfolg. Alle Vereinsmitglieder sollen zum Nachdenken angeregt werden und sich gegenseitig verständigen, um Einigungen über grundlegende Fragen ihres Sportes zu finden. Natürlich kann dies mitunter sehr anstrengend sein, aber weder im Sport noch in der Philosophie führt der einfache Weg ohne Herausforderungen zum Ziel.

In den folgenden Ausgaben vom FF-Xpress werden nun schrittweise und immer detaillierter Good Governance und Sportethik erklärt. Im nächsten Heft werden zunächst die Aufgaben der Good-Governance-Beauftragten beschrieben.

Susanne Kuhnert

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