Commitment – Ja, Ich will!

Com·mit·ment

/kə’mɪtmənt,kɔˈmɪtmɛnt/

Substantiv, Neutrum [das] das [Sich]bekennen, [Sich]verpflichten

Moin Leute, in der heutigen Ausgabe will ich euch einen ganz wesentlichen Punkt im Teamspringen näherbringen. Das Thema beschränkt sich hier nicht nur auf FS, sondern kann für alle Teams mit mehr als einem Individuum sehr hilfreich sein. Die meisten Teams lösen sich irgend- wann aufgrund von falsch kommunizierten Zielen oder Überstrapazierung der Freizeit beziehungsweise des Kontos auf. Eine jährliche Abwägung der finanziellen Mittel und der zur Verfügung stehenden Urlaubstage im Verhältnis zu den gesteckten Zielen ist unabdingbar.

Ein Team funktioniert nur so gut beziehungsweise ist nur so gut wie das schwächste Mitglied – den Satz dürften alle schon einmal gehört haben, und da liegt eine Menge Wahrheit drin. Bei der Teamfindung, der Zielplanung und der Trainingsplanung müsst ihr realistisch und vor allem ehrlich euch und allen anderen Teammitgliedern gegenüber bleiben.

Man kann sich als Amateurteam nicht mit Arizona Airspeed oder Hayabusavergleichen. 800 bis 1000 Trainingssprünge pro Jahr erfordern neben viel Freizeit auch ein enormes Sümmchen an Euros. Meistens stößt man entweder an ein Zeitproblem (x-Tage Urlaub fürs Team) oder an ein finanzielles Problem (y-Euros fürs Team). Wer viel Geld hat, arbeitet meistens auch sehr viel und hat dementsprechend weniger Zeit als jemand, der wenig arbeitet, dafür dann zwar mehr Zeit hat, aber natürlich auch weniger Geld. Hier gilt es einen fairen Mittelweg für alle zu finden,mit dem jeder leben kann, der aber die Einzelnen nicht überstrapaziert.

Dan BC sagte einmal, es gibt zwei wichtige Fragen, die es zu beantworten gilt. Sinngemäß lautet die erste Frage: „Ist es möglich, mein Ziel zu erreichen?“ Es ist utopisch zu sagen, wir fangen jetzt an und werden in zwei Jahren Weltmeister – also, bleibt bei realistischen Zielen.

Die zweite Frage ist: „Bin ich gewillt, alles mir Mögliche dafür zu tun, dieses Ziel zu erreichen?“ Diese Frage ist deutlich interessanter und erfordert das oben genannte Commitment aller Beteiligten. Je höher das Level ist, auf dem ihr springen wollt oder das ihr euch als Ziel gesetzt habt, umso mehr Commitment wird erforderlich sein, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Bessere Leistung erfordert mehr Training, mehr Training erfordert mehr Zeit und Geld usw.

Das Wichtigste – wie oben schon erwähnt – ist miteinander reden, also Kommunikation und Ehrlichkeit. Nichts ist schlimmer als wenn jemand unbedingt mitmachen will, aber mitten in der Saison das Geld ausgeht. Natürlich kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren, aber wer von vornherein sein Team mit falschen Zusagen belügt, fällt irgendwann damit auf die Nase und zerstört im schlimmsten Fall das ganze Projekt. Aber Commitment bedeutet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Kann ich mir die Zeit nehmen, meine Hausaufgaben zu machen, Videos zu gucken und zu visualisieren? (Das ist sogar kostenloses Training!) Kann ich genug Urlaubstage geben, um die geplanten Trainingssprünge zu erreichen? Kann ich auch mal auf den Geburtstag der Oma oder auf meinen eigenen verzichten? Seitdem wir Ende der 2012er Saison das AtomiX-Projekt ins Leben gerufen haben, habe ich fast alle meine Geburts- tage entweder beim Training oder einem Wettkampf verbracht.Selbst den 60. Geburtstag meines Vaters habe ich ausgelassen, weil wir in dem Jahr erstmals für eine Europameisterschaft / WorldCup nominiert worden sind. Der A-Kader hatte keine Zeit und so fragte der Bundestrainer uns, ob wir Lust hätten, nach Holland zu fahren und dort teilzunehmen. Da musste man nicht lange überlegen … Natürlich wäre ich gernzur Feier meines Vaters geflogen, aber ich konnte unmöglichdem Team absagen. Das ist es doch, wofür wir immer trainiert haben und was ich auch immer wollte.

All das erfordert auch viel Verständnis von Außenstehenden und Partnern. Oft fehlt das aber leider, weil „man mit dem Springkram ja kein Geld verdiene“ oder „ist ja nur ein Hobby und nicht so wichtig“. Ja, und würde man jetzt fragen? Das können eben nur Amateursportler aller Sportarten nachvollziehen, für die es eine Passion ist, ihren geliebten Sport so erfolgreich wie möglich auszuüben – da geht es nicht ums Geld, sondern schlichtweg um den Wettkampf und die Zeit mit seinem Team – ganz gleich auf welchem Leistungsniveau.

Außerdem kommt es auch auf Commitment an, wenn es mal schwierig wird. Sei es durch Misserfolg oder Problemchen im Team. Es ist immer einfach wegzurennen und das nächst Beste zu greifen. Schwieriger ist es jedoch, an den Problemen zu arbeiten beziehungsweise sich diesen zu stellen und eben nicht den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen. Natürlich wird es immer mal wieder Diskussionsbedarf im Team geben. Man muss sich fragen, ob man mit den anderen sein Ziel erreichen kann und ein paar Ecken und Kanten akzeptieren kann. Niemand im Team wird jemals so toll sein wie man selbst. Da möchte ich gern Markus Bastuck zitieren, der mir einmal sagte, nachdem wir einen Wechsel im Team hatten: „Man kann eben nur mit den Damen tanzen, die auf der Hochzeit sind.“ Und genau so ist es. Man hat keine vier Klone um sich herum, sondern andere Menschen. Jeder hat seine Baustellen, an denen er arbeiten muss, aber jeder andere ist auch irgendwo besser als man selbst.

Eine der wichtigsten Eigenschaften guter Teams ist es, diese Baustellen zu erkennen und zu bearbeiten. Wir als Amateure brauchen die Zeit, über die hinweg wir besser werden können.Wir sind keine bezahlten Profis, für die es ein Job ist. Die Chemie im Team muss stimmen und daran muss ständig gearbeitet werden. Mit der Zeit wächst ein besonderes Vertrauen und eine Freundschaft, die nur Menschen nachvollziehen können, die dieses Gefühl selbst erlebt haben. Ich muss mich bei meinen vier Mitstreitern aus tiefstem Herzen bedanken, dass sie mich so nehmen, wie ich bin, einen bei Problemen oder nach Rückschlägen immer wieder auffangen und sich gegenseitig untereinander wieder zu Höchstleistungen antreiben und motivieren. Wenn man es schafft, sein Team lange zusammenzuhalten, wird man besser. Springerisch und auf jeden Fall menschlich lernt man eine Menge Dinge dazu, die den eigenen Horizont auch außerhalb der Dropzones enorm bereichern.

Habt ihr Fragen oder Anregungen, wollt ihr etwas über ein spezielles Thema wissen? Schreibt uns an team@atomix4way.de

Bis dahin eine gute Zeit und bis bald auf irgendeinem Sprungplatz.

Cheers, 

Peter ‚Pitti‘ Ingenhaag

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2019-06-26T17:05:53+00:00

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