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Die Antwort lautet zunächst einmal ja. Jedoch sind da ein paar Dinge, die ich in Frage stellen muss.

Ich habe live miterleben müssen, wie sich ein junger Springer, mit etwas über 1000 Sprüngen, kurz nach einem Kappenseminar, wirklich böse verletzt hat. Wenn ich böse sage, dann meine ich das auch. Für alle anderen Anwesenden ist das sicherlich nicht berauschend, einen solchen Unfall mit ansehen zu müssen, wenn man um dessen Überleben kämpfen muss.

Ein nächster Springer, der, obwohl er sich schon einmal bei einer Landung heftig verletzt hat, trotzdem weiterhin grobe Landefehler an den Tag legt. 

Ich könnte so weitererzählen, denn bei weiteren Leuten wartet man förmlich auf den Einschlag.

Man könnte meinen, dass diese Springer, die man darauf anspricht, unbelehrbar sind, zumal auch einige gerade frisch aus einem Kappenkurs kommen oder Dinge ausprobieren, die man ihnen in 2-3 Tagen beigebracht haben will.

Aber was bringt man den Teilnehmern bei? 

Anfängern wird beigebracht, einen richtigen Anflug zu finden und stehend normal zu landen, also in richtiger Höhe zu flairen, aber auch welche Waffen so ein Schirm zum Steuern noch besitzt und man einsetzen kann. Da wird erklärt, wie ein vorderer und hinterer Haupttragegurt eine Landung beeinflussen kann, und sicherlich wird auch erklärt, wie gefährlich das Ganze ist.

Ich mag hier keinem Kappenkursleiter in sein Handwerk fuschen oder gar anklagen, denn jeder Kappenkursleiter führt einen solchen Kurs auf seine Weise, aber wer prüft, ob diese Kappenkurse die richtigen und notwendigen Dinge lehren? 

Ich beobachte halt, wie Springer in diesem Kurs Dinge probieren sollen, die für ihren Erfahrungsstand völlig unnötig sind. Warum soll ein unerfahrener Springer nur mit den hinteren Haupttragegurten landen? Bis wohin zählt man als unerfahrener oder ab wann ist man erfahrener Springer? Kann man das in Zahlen ausmachen? Leider nein.

Zudem sind die Kurse mit sehr unterschiedlichen Erfahrungsständen besetzt. Da sind Springer, die machen ihren ersten Kappenkurs, andere schon den dritten und dann gibt es die, die bereits im gleichen Kurs schnelle Turns erlernen möchten.

Kann der Kappenkursleiter nach einigen Landungen sicher beurteilen, ob der Teilnehmer überhaupt fähig ist bzw. dessen Erfahrungsstand ausreichend erscheint, ihm Dinge beizubringen, die für normale Landungen oder schnelle Turns unbedingt notwendig sind? Reichen da die 5 oder auch 8 Landungen aus? Wenn das Wetter dann nicht wirklich mitspielt, kommen auch nur wenige Landungen dabei raus.

Nach 2-3 Tagen ist der Kappenkurs beendet und der Kursleiter ist weg zum nächsten Termin. Die jungen Springer kommen frisch aus dem Kurs und versuchen sich dann völlig alleine an Dingen, die gerade 1-2 mal probiert wurden. Haben dann die ersten 2-3 Turns funktioniert – in vielen Fällen einfach nur mit Glück –, stellen sie sich gleich schon der nächsten Landeherausforderung und verdoppeln den Grad der Landeturns.

Unser Sport hat mit Glück sehr wenig zu tun, sondern mit Können und großer Erfahrung und dazu ist Üben mit einem Profi notwendig. Die Erfahrung sich zu verletzen, die brauchen wir nicht, um richtig landen zu können. 

Geht man dann auf diese Leute zu, die gerade mal wieder Glück hatten, kommen komische Reaktionen. Der eine meint, er weiß jetzt, was er falsch gemacht hat, und benötigt keine Belehrung. Der Nächste zeigt einem den Stinkefinger oder will seine Meinung diskutieren und der dritte Kollege nickt zwar brav ab, aber es kommt in seinem Hirn erst gar nichts an. Ältere Kollegen sind da manchmal noch beratungsresistenter. 

Die letzte Möglichkeit ist dann nur die rote Karte, sprich Sprungverbot für den Tag. 

Es sollte Kappenkurse nur für Anfänger oder nur für erfahrene Springer geben. Gemischte Kurse verleiten zum Abschauen und zu Selbstversuchen, die dann eben im Krankenhaus oder beim Beerdigungsunternehmen landen. In der Regel erhält der ganze Kurs die Briefings gemeinsam, also die Anfänger hören auch beim etwas Erfahreneren zu.

Für Anfänger mag das sicherlich Sinn machen, die Probleme bei den Landungen bzw. Landeeinteilungen haben, aber nach 2 Tagen werden sie damit alleine gelassen. Dass das reicht, mag ich schwer bezweifeln. 

Auch Anfänger im Bereich Swooping erhalten nur ein paar Dinge in diesen 2 Tagen erklärt und gezeigt und probieren sich dann auch weiter alleine aus.

Um mit seiner Kappe im richtigen Verhältnis umgehen zu können, reichen diese 6-10 Sprünge bzw. Landungen nicht wirklich aus. Dazu ist eine weitere Betreuung und sind viele, wenn nicht hunderte von Landungen notwendig. Obendrein wird dann noch der falsche Weg gegangen, indem man sich im nächsten Jahr dann die nächst kleinere Kappe kauft. Das da alles anders ist, andere Höhen und andere Reaktionen der Hauptkappe, scheint man zu verdrängen.

Ich selbst habe bei guten 500 Sprüngen auch einmal mit den schnellen Landungen und Turns begonnen und auch ich hatte verdammt viel Glück dabei. Ich bekam ständig Mahnungen, „lass das sein“, aber ich wollte ja nicht hören. Nach der 10. bösen Landung mit viel Glück, sagte mir mein Springerfreund, der auch im Staff sitzt:

„Weißt Du was, Uwe? Bring Dich doch einfach um, aber bitte an einem anderen Sprungplatz“.

Dieser Spruch legte bei mir einen Schalter um, indem ich mir dann zeigen ließ, wie man es richtig macht. Das Ergebnis mit viel Zeit und Geduld sieht man heute. Mein Springerfreund macht sich keine Sorgen mehr um mich, weil er genau weiß, dass ich das Risiko so gering wie möglich halte und meine Turns immer konstant gleich gut sind und ich mit dem Abbruch eines Turns umgehen kann. 

Aber auch ich bin von Verletzungen nicht verschont geblieben. Und warum? Weil ich einmal anders gelandet bin als sonst.

Viele Punkte sind zu berücksichtigen, um saubere Turns abzuliefern. Der richtige Landeanflug in seinen bestimmten Höhen ist das A und O, aber auch das genaue Beobachten des Luftraumes, sprich andere Springer, Wind, Wärme, Kälte und Thermik spielen eine wichtige Rolle. Schon ein kleiner Fehler kann in einer Katastrophe enden.

Da drängeln sich die Springer in den Landeanflug der anderen Anfliegenden, bemerken, dass sie vor oder über einem anderen im Landeanflug sind und reißen die Kappe rum, womit sie dann natürlich zu hoch reinkommen, was besser ist als zu tief, oder verzögern das Ganze, was dann dazu führt, dass man zu tief für den Turn ist. Nach der Landung gerade noch unverletzt, schimpfen sie dann mit dem Springer, der nach ihrer Meinung im Weg war und ihren Turn versaut hat. Da frage ich mich, wer hier den Fehler gemacht hat. Endanflug ist Endanflug und da hat man sich nicht vorzudrängeln oder andere Springer in tiefer Höhe zum Ausweichen zu zwingen.

Er hat eben nicht gelernt, auch mal einen Turn an der richtigen Stelle abzubrechen, auch wenn es eine Mit- oder Querwindlandung bedeutet.  

Viele Gründe sprechen gegen diese Turns, aber man kann es erlernen. Allerdings nicht in 100 oder 200 Landungen. Dazu bedarf es vieler Jahre, um sichere, konstante und schnelle Landungen abzuliefern, und zwar zunächst mit einer Schirmgröße und nicht ständig kleiner werdenden. Ein wenig Talent und verantwortungsbewusstes Handeln gehören ebenfalls dazu.

Wo passieren denn die meisten Unfälle in unserem Sport? Leider bei Landungen.

Mein Rat, lasst euch von einem Profi helfen. In der Regel kostet es nichts, außer ein Bier oder sonst ein Getränk. Jeder nimmt sich gerne Zeit dafür. Nehmt Ratschläge an und fühlt euch nicht auf den Schlips getreten, wenn Gemecker kommt. 

Wir machen das doch nur für euch und eure Gesundheit und weil ihr uns wichtig und wertvoll seid. 

In diesem Sinne gute und sichere Landungen

Uwe Steinbrecher

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