In dieser Ausgabe geht es mir diesmal besonders um den letzten Teil unseres Sprungs und unserer Schirmfahrt, nämlich der Landung. Viele reden dann gerne von einer schönen Landung. Doch was ist den überhaupt eine schöne Landung? Für mich gibt es keine genaue Definition für eine schöne Landung, sondern jede Landung ohne Schmerzen ist “erstmal” eine schöne Landung. Denn dann sind wir von unserem Sprung gelandet und haben uns nicht verletzt. Dazu gehört natürlich eine Bilderbuchlandung mit einem sauberen Flare in der richtigen Höhe und der richtigen Geschwindigkeit, aber auch eine Tandemrutschlandung und selbst der Landefall. Faktoren wie Turbulenzen, thermische Ablösungen, falsches Einschätzen und falsches Handling im Flare können uns die Landung in manchen Fällen ungemein erschweren.

Grundvoraussetzung:

Die Grundvoraussetzung  für einen gelungenen Flare und demnach eine weiche Landung ist die Länge der Steuerleinen. Ist diese auf die jeweilige Arm- und Riserlänge abgestimmt, steht einer „schönen“ Landung prinzipiell erst einmal nichts mehr im Wege. Sind die Steuerleinen zu lang für die Länge unserer Arme und Riser, so steht uns nicht die volle Flare-Leistung zur Verfügung. Sind die Steuerleinen zu kurz, besteht die Gefahr eines Strömungsabrisses (Stall) und wir können die Steuerleinen nicht bis zum “langen Arm” herunterziehen.

Gehen wir die Schirmfahrt aber einmal von unserem Landepattern bis zur Landung durch und beleuchten dabei verschiedene Punkte. Auch vor dem Landepattern gilt natürlich: Augen auf im Straßenverkehr, Kappenkollisionen gilt es absolut vermeiden! Um dem vorzubeugen fliegen wir unter 500m keine aggresiven Drehungen über 180 Grad oder Steilspiralen mehr. Eine Kappenkollision bedeutet: zur gleichen Zeit, an gleicher Stelle und in gleicher Höhe zu sein. Schließe nur einen Punkt davon aus um auf der sicheren Seite zu sein – also immer die Augen auf!

Landepattern

Das Landepattern ist obligatorisch und wir bekommen dies schon alle vor unserem ersten AFF Sprung erläutert. Aus meiner Sicht ist es dabei für unser persönlich Pattern enorm wichtig, dass die Gegen-, Quer- und Endanflugspunkte unsers Landepatterns grundsätzlich IMMER in der gleichen Höhe stattfinden sollten. Um bei verschiedenen Windverhältnissen, von keinem, bis sehr starkem Wind, trotzdem zielgenau zu Landen, können wir den Abstand unseres Landepatterns zum gewünschten Zielgebiet verändern. Bei null Wind vergrößert sich der Abstand unseres Patterns zu unserem Zielgebiet erheblich, bei starkem wind verringert sich der Abstand hingegen erheblich. Variiert man hingegen nicht nur den Abstand des Patterns zum Zielgebiet, sondern auch die Höhe der verschiedenen Anflugspunkte, so erweist sich eine zielgenaue Landung gerade bei sich verändernden Windverhältnissen als sehr schwierig.

Führe ich die oben genannten Anflugspunkte immer in der gleichen Höhe durch, bekomme ich gerade am Anfang der Karriere oder auch mit einem neuen Schirm viel schneller ein Gefühl für das Sinkverhalten und die “Reichweite” meines Schirms.

Der wichtigste und entscheidendste Punkt für eine zielgenaue Landung ist unser Endanflugspunkt. Und wenn ich weiß wie weit mein Schirm im Endanflug  aus einer bestimmten Höhe bei null Wind fliegt, brauche ich diesen Abstand zu meinem gewünschten Ziel bei mehr Wind nur entsprechend zu verringern.

Elektronische Unterstützung

Akustische Höhenwarner unterstützen uns in unserem Landepattern ungemein und sind meines erachtens nach obligatorisch, egal mit welchem Erfahrungsstand. Sie ersetzen zwar nicht unseren Höhenmesser, aber durch die akustische Unterstützung fällt der Blick auf den Höhenmesser im Endanflug nahezu weg und wir können uns noch besser auf unsere Mitspringer in unserem unmittelbaren Umfeld konzentrieren. Weitere wichtige Faktoren, wie der Windcheck und das visualisieren von Orientierungspunkten für eine angestrebte Zielgenauigkeit kommen hinzu.

Endanflug

Wie bereits erwähnt, ist der Endanflugspunkt der wichtigste und entscheidendste Faktor für eine zielgenaue Landung. Nach Möglichkeit sollten wir ab diesem Punkt  gegen den Wind, bzw. in Richtung des Landepfeils/Lande-T fliegen. Da man es leider doch das ein oder andere Mal sieht möchte ich nochmal besonders betonen dass dies nicht gilt, wenn wir nicht mehr ausreichend Höhe zur Verfügung haben! Landepriorität Nummer 1 besagt “Kappe parallel zum Boden” – bist du also zu tief für die letzte Drehung, lande Cross- oder Downwind!

Das bekannte Sprichwort besagt nicht umsonst “Lieber 100m laufen, als wenige Meter getragen werden!”. Gleiches gilt auch für die Wahl meines Landepunktes auf der Landewiese. Ist viel Traffic am Himmel, wähle alternative auf der gesamten Landewiese und lande nicht dort, wo alle landen.

Eine weitere wichtige Grundlage der Schirmfahrt und Landung ist es, dem Schirm das fliegen zu ermöglichen. Fliegen wir unseren Schirm mit 100% Eigengeschwindigkeit, so stehen uns auch 100% Flareleistung zur Verfügung. Geschwindigkeit ist dein Freund, sie gibt dir Lift. Fliegen wir unseren Schirm im Endanflug schon angebremst, so steht uns auch wenige Flareleistung zur Verfügung. Aus diesem Grund sollten wir wenn möglich mindestens 5 Sekunden vor dem Flare (am besten den gesamten Endanflug) Steuerbewegungen und Toggleinputs vermeiden. Kleiner Tipp: Kleinere Korrekturen der Richtung im Endanflug lassen sich auch über Gewichtsverlagerung in unserem Gurtzeug durchführen (gewuust wie!). Zusätzlich sollten wir auch versuchen, das Fliegen von S-Schlägen im Endanflug zu vermeiden. Zum einen besteht die Gefahr, dass wir unsere Kappe durch die S-Schläge “aufschaukeln” und zum anderen blockieren wir nachfolgenden Springern durch das Fliegen von S-Schlägen die gesamte Landezone und erhöhen das Risiko von Kappenkollisionen in niedriger Höhe und anderen brenzlichen Situationen. Haben wir eine hindernisfreie Ausweichlandefläche in Verlängerung unserer Landezone, gilt auch hier wieder: Lieber 100m laufen als wenige Meter getragen werden.

Landung

Häufig werde ich in gefragt, in welcher Höhe man im Idealfall mit dem Flare beginnen sollte. Doch leider lässt sich diese Frage so nicht beantworten, da es keine für alle Springer, Schirmtypen/-größen und alle Windsitutionen geltende “Musterhöhe” für den Beginn des Flares gibt. Timing ist hier alles und wir müssen ein Gefühl dafür entwickeln, genau wie wir im Auto ein  Gefühl für den richtigen Bremszeitpunkt entwickeln, wenn wir auf eine rote Ampel zufahren. Welche Frage man aber sehr wohl beantworten kann ist die Frage, wie lange der Flare dauern sollte. Die optimale Dauer für einen sauberen Landevorgang beträgt zwischen 3 und 4 Sekunden vom Beginn des Flares, bis zum Bodenkontakt.

Dauert unser Flare 5 Sekunden oder länger, haben wir “zu früh”mit unserem Bremsvorgang angefangen und uns steht nicht die gesamte “Bremsleistung” zur Verfügung. Dauert unser Flare 2 Sekunden oder weniger, haben wir definitiv zu spät mit unserem Bremsvorgang angefangen und es besteht die Gefahr dass wir unter unserem Schirm nach vorne pendeln und wieder steigen. Grundsätzlich gilt aber: besser zu früh anfangen, als zu spät! Zu früh heisst immer, wir können verzögern und uns den Flare noch bis zum  Boden einteilen, nach zu spät kommt nichts mehr!

Die häufigsten Landefehler:

  • zu früher Flare
  • zu später Flare
  • unsymetrischer Flare
  • unvollständiger Flare
  • gar kein Flare

Bei Schwierigkeiten oder Problemen mit der Landung hilft es oft, sich die eigene Landung von Fachpersonal am Platz filmen zu lassen. Meist nimmt man die Dinge aus der Ego-Perspektive ganz anders wahr, als sie von außen aussehen. Sieht man auf einem Video welche “Fehler” man  gemacht hat, lassen diese sich oft viel leichter abstellen.

zu guter letzt: Im Falle eines Falles, ist richtig Fallen alles!

Wer einen guten Landefall kann, ist ganz klar im Vorteil!  😉

In diesem Sinne, Go 4 Hop&Pop

Tobi Scherrinsky

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