Auf eine erste Idee, während der Erkundung der CISM Militär Weltmeisterschaft 2016 in Russland, wie die Eröffnungsfeier einer deutschen Weltmeisterschaft aussehen könnte, folgte im Lauf der nächsten Wochen eine ganz konkrete Vorstellung. Es musste etwas Besonderes her, das war allen klar. Wir vom CYPRES Demo Team waren uns schnell einig, den Wunsch unseres Teammitglieds „Grabo“, einmal mit der weltgrößten, jemals an einem Fallschirm geflogenen Flagge zu springen, in die Tat umzusetzen. Ohne zu wissen, auf was wir uns da einlassen würden.

Erste Gedanken zum Projekt beschäftigten sich mit dem damals aktuellen Rekord, der durch Guinness World Records offiziell 2015 anerkannt worden war. Zum damaligen Zeitpunkt betrug die Flaggengröße 1436,22 m². Ein zwischenzeitlich inoffiziell geflogener Rekord aus den USA lag bei 1860 m². Dementsprechend definierten wir unser Ziel mit 2000 m². Weitere Überlegungen zum Material folgten. Eine erste Marktsichtung ergab einen Preis von 22.000 € nur für den Flaggenstoff. Viele weitere Teamtreffen, in denen folgende Themen besprochen wurden, folgten:

  • Wie kann sich so viel Stoff sicher entfalten?
  • Wie verhält sich der Stoff in der Luft?
  • Welches Gesamtgewicht ergibt die komplette Ausrüstung?
  • Wie kann diese Menge Stoff verpackt werden?
  • Welcher Fallschirm kann das leisten?
  • Welches Luftfahrzeug ist geeignet?
  • Welcher Sprungplatz bietet entsprechende Möglichkeiten?

Nach einer weiteren Marktsichtung fanden wir einen speziellen, für die Luftfahrt entwickelten Stoff in England. Aufgrund seines extrem leichten Gewichts von nur 31 g/m² war der Stoff hervorragend für unser Vorhaben geeignet. Wir kauften 2980 laufende Meter Stoff, den es nur in der Farbe Weiß gab. Guinness World Records schreibt vor, für solche Versuche, die Vergrößerung einer bereits vorhandenen Original-Flagge zu nutzen. Wir entschieden uns für die Deutschland-Flagge, und der Stoff wurde entsprechend in Schwarz, Rot und Gold eingefärbt.

Immer im Hinterkopf hatten wir bei unseren Überlegungen den Zeitfaktor, denn das Vorhaben sollte am Eröffnungstag der CISM WM 2017 realisiert werden.

Nach drei Monaten Lieferzeit ging es ans Zuschneiden der Stoffbahnen: Neun Bahnen pro Farbe und 27 Bahnen entsprechender Länge insgesamt. Wir verwarfen die Idee, den Stoff selbst zu nähen, nachdem wir vielversprechende Gespräche mit einem Kieler Flaggenhersteller geführt hatten.

Parallel zu diesen Vorbereitungen wurde ein entsprechendes Sprunggepäck gefertigt, da vorhandene militärische Systeme nicht ausreichend waren. Bei einem Stoffgewicht von 89 kg und einem Gegengewicht von 45 kg entstand ein Gesamtpaket von 152 kg, mit den Abmessungen 65cm x 45cm x 110cm.

Es folgten Testsprünge mit 100 m² und 200 m² Flaggen. Immer wieder wurde die Entfaltung thematisiert. Sollte die Flagge aus dem Gepäck fallen und das Sprunggepäck am Springer bleiben oder sollte sich das Sprunggepäck komplett lösen und die Flagge freigeben? Weitere Testsprünge mit unterschiedlichen Fallschirmtypen wurden gemacht. Im Ergebnis wurde ein Prototyp mit 480 sqft durch die Firma Brüggemann angefertigt. Durch die Möglichkeit der Trimmung auf Front- und Rear Riser konnten Flug- und Gleiteigenschaften ausgezeichnet eingestellt und flexibel justiert werden.

Die Falttechnik der Flagge wurde immer wieder überdacht. Unsere erste komplette sprungfertige Faltung dauerte mit 10 Personen rund 8 Stunden. Auch in diesem Bereich konnten wir die Abläufe perfektionieren und brauchten für die finale Packung unter Beteiligung von 15 Personen nur noch etwa 4 Stunden. Da jetzt das abschließende Packvolumen klar war, entschieden wir uns, die Zielzahl der Flaggengröße zu erhöhen.

Zum Thema Luftfahrzeug folgten ebenfalls Testsprünge. Obwohl eine große Tür vorhanden ist, zeigte sich die Pilatus Porter wegen der Platzprobleme innerhalb der Maschine als ungeeignet. Es reichte nicht aus, nur den Flaggenspringer mit Gepäck in die Maschine zu bekommen. Sowohl beim Ein- und Aussteigen als auch beim Anlegen war Unterstützung nötig.

Außerdem mussten Vorgaben von Guinness World Records eingehalten werden. Unter anderem war die lückenlose Videodokumentation zwingend vorgeschrieben. Weitere Tests zeigten, dass die DO 28 für unser Vorhaben geeignet schien. Die Absprünge wurden mittels Droguesetter durchgeführt, einer überwiegend militärisch genutzten Auslösevariante, die die sofortige Öffnung der Hauptkappe zur Folge hat. Eine Freifallphase war weder erforderlich noch durch die mangelnde Aerodynamik des Sprunggepäcks sicher durchführbar.

Unmittelbar vor der Generalprobe wurden erneut alle Auswertungen und Ergebnisse der Tests überdacht und bis zum letzten Moment Modifikationen durchgeführt. Ein ebenfalls wichtiger Punkt war die Trennmöglichkeit bei Bodenkontakt, um eine Ankerwirkung zu verhindern.

Noch gut im Zeitplan gingen wir nun in die unmittelbare Vorbereitung zur CISM WM. Am 11. Juli wurde durch Teammitglieder der Absetzpunkt erflogen und auf die vorhandenen Wetterbedingungen abgestimmt. Die anfängliche Überlegung zum Sprungplatz wurde durch die Vorgabe der CISM, die Veranstaltung in Soest stattfinden zu lassen, schnell konkret. Hier fanden wir gute Möglichkeiten, die Flagge auch sicher zu releasen.

Während des Sprungs stand der Springer in Kontakt mit der Bodencrew. Diese informierte ständig über die aktuelle Entwicklung. Da der Springer selbst die große Menge Stoff nicht überblicken und auch die Entfaltungsphase nicht einsehen konnte, wurde er darüber informiert, um bei einer Fehlöffnung auch entsprechend reagieren zu können. Von uns wurde das Gepäck so vorbereitet, das zu jeder Zeit – beim Exit, am Schirm mit der Flagge im Sprunggepäck und nach der Entfaltung der Flagge – eine Möglichkeit bestand, diese abzutrennen.

Auch wenn uns allen klar ist, das eine solche Leistung nicht von einer Person allein erbracht werden kann, gratulieren wir vom CYPRES Demo Team, Grabo ganz herzlich zu seinem Rekord. Grabo selbst versuchte, die Teamleistung immer in den Vordergrund zu stellen.

Nach einer sehr langen Wartezeit liegt uns nun die Guinness World Record Urkunde vor. Das Ergebnis lautet:

Largest flag flown while skydiving (parachute jump) 2607,21 m² / 28063,77sqft

Foto: Martina Maske

Wer Interesse an dem Projekt hat, kann uns gerne ansprechen, anschreiben oder über die Firma Airtec (CYPRES), um Helmut Cloth, Kontakt zu uns herstellen. Darüber hinaus bieten wir für Interessenten an, Flaggenseminare an den eigenen Plätzen durchzuführen. Gerne sind wir bereit, eure Veranstaltung mit Demosprüngen zu unterstützen oder beratend zur Seite zu stehen.

Stefan Scheper

Public Relations, CYPRES Demo Team

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