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Olav Zipser hat im Sommer 2018 gemeinsam mit dem Freefly-Pionier Sven „SvenZ“ Zimmermann fünf Free­fly-Events der besonderen Art in Schweighofen veranstaltet, und wir versuchen, einen hoch interessanten Menschen und Springer besser zu verstehen.

Die Fakten allein sind faszinierend: Olav hat über 24.000 Sprünge, hat 51 Goldmedaillen in internationalen Wettbewerben gewonnen, ist in 30+ Windtunneln weltweit geflogen und ist in mehr Ländern gesprungen, als die meisten je zu sehen kriegen. Er ist seit nunmehr 30 Jahren Botschafter des Freefly, hilft Staaten, z.B. in Südafrika, Drop Zones zu organisieren und erhielt für seine springerische und Video-Leistung 1995 als weltweit erster Springer einen Emmy.

Er besitzt ein nahezu unberührtes Stück Land in den USA mit einem selbst gebauten Baumhaus, hat jahrelang auf verschiedenen Drop Zones in einem Transporter gelebt, hat sich ein Flugzeug selbst gebaut, betreibt ein Unternehmen, das einen Freifall-Rettungsanzug für Kosmonauten erschafft und hat mit der First School of Modern SkyFlying eine Freefly-Schule begründet, die tausende von Springern inspiriert hat, sich in der Luft ganz anders zu bewegen, als es zuvor gedacht wurde.

Spurensuche in der Südpfalz 

Wir begeben uns auf Spurensuche in das Mind dieses Mannes in Schweighofen, einem wunderbar entspannten Sprungplatz in der pittoresken Südpfalz. Der Platz ist so dicht an der deutsch-französischen Grenze, dass die Springer häufig innerhalb eines Sprungs in zwei Ländern fliegen.

Hier veranstaltete Olav gemeinsam mit Sven (über 12.000 Sprünge) von Juli bis September 2018 fünf Free­fly-Events.

Wer ihn in der Luft erlebt oder in einem seiner Videos, sieht einen Menschen, der voll in seinem Element, der Luft – oder wie er es selbst nennt einem „Meer aus Molekülen“ – zu Hause ist. Seine Bewegungen sind in jeder Haltung von einer Reinheit, Präzision und traumhaft fliegerischen Selbstverständlichkeit, die selbst gestandene Freeflyer immer wieder erstaunt.

Wer sich mit ihm unterhält oder ihn in der Interaktion mit seinen Schülern erlebt, erkennt eine tiefere Dimension: Für Olav ist die Bewegung in der Luft, das echte freie Fliegen (im Gegensatz zum reinen Fallen), eingebettet in eine Philosophie, einen weiten Denkraum mit einer Vielzahl von Bedeutungsebenen.

„Früh war ich inspiriert von der Idee, dass wir wirklich die ersten Menschen sein könnten, die mit ihrem eigenen Körper frei fliegen, und dass wir damit einen uralten und tief in unserer Seele verankerten Menschheitstraum wahr machen werden.“

Olav begann zu experimentieren, in tausenden von Sprüngen, alleine. Etwas, was ihm damals, in den späten 1980er Jahren eine Vielzahl von erstaunten Kommentaren eintrug. Sie konnten nicht ahnen, dass hier jemand als echter Pionier eine moderne Art des menschlichen Fliegens erforschte.

Freefly geht Fliegen

Olav benutzt faszinierende gedankliche Konzepte, um zu beschreiben, was er tut. Zunächst geht es darum, das Medium Luft zu begreifen als etwas, das wir aktiv manipulieren, um uns wirklich dreidimensional fliegend zu bewegen durch jenes „Meer aus Molekülen“. Gleichzeitig, so seine Idee, lösen wir uns da oben von unserem Schatten, wir sind schattenfrei, oder zumindest so weit von ihm entfernt wie nie zuvor.

Wie jedoch übermittelt man solche Ideen? Für Olav ist der Traum des Fliegens etwas, was nicht im Besitz eines Einzelnen sein darf, nein, es muss in die Welt hinaus und er möchte all dies idealerweise mit der gesamten Menschheit teilen.

Olav gründet die First School of Modern SkyFlying, trainiert eine erste Generation von Freeflyern und schafft so eine Gruppe von Trainern, die seine Art des Fliegens in die Welt tragen. Heute existieren Freefly-Coaches in 40 Ländern der Welt, auf unzähligen Sprungplätzen springen Freeflyer der dritten oder vierten Generation und entwickeln das echte Fliegen im Meer der Moleküle weiter.

Olav begreift, dass Verständnis für seine Ideen ein öffentliches Podium braucht, also springt er auf Wettbewerben mit, zeigt neue Arten des Fliegens, schafft die Space Games und gestaltet über die USPA die Regeln von Wettbewerben mit. Auf einem Wettbewerb fliegt er sogar ohne flattrige Kombi mit nackten Armen und Beinen, um  zu zeigen, dass präzises Fliegen keiner textilen „Stützräder“ bedarf. Und fliegt tatsächlich präziser als alle anderen.

Freefly ist keine etwas verschrobene Idee eines einzelnen Experimentators und einsamen Forschers, sondern eine eigene Kultur, eine sportliche Disziplin und ein Experimentierfeld einer neuen Generation von Springern.

Freier Tanz in der Luft

Die Teilnehmer der Events in Schweighofen sind bunt gemischt, von der 14-jährigen Zoé mit 45 Sprüngen über den erfahrenen Freeflyer Thomas Lieber mit knapp 2.000 Sprüngen bis zum Veteranen Dominique Stoll mit über 9.000 Sprüngen. 

„F*ck the rule, dass jemand x-hundert Sprünge haben muss, um fliegen zu lernen, jeder kann das umsetzen, wenn man ihn nur richtig anleitet“, sagt Olav. Und so tanzen sie durch die Moleküle, die Sprünge sind nicht exakt geplant, sondern ein Mix aus Briefing zu Ideen und Philosophie des Freefly. Olav fliegt mit traumartiger Sicherheit und führt seine Schüler durch die Luft, zeigt ihnen die Manöver und leitet sie dann durch deren Ausführung. Faszinierte Gesichtsausdrücke während des Sprungs, nach der Landung und beim ausführlichen Debriefing zeigen, dass seine Methode wirkt.

Schnell legen alle ihre Scheu vor dem „Skygod“ ab. Er ist ein Mensch, der von seiner Botschaft fasziniert ist, das Lehren liebt und dabei seine Sicht der Dinge mit Liebe und Hingabe mitgibt. 

Wer Olav verstehen und seine Ideen und Gedanken nachvollziehen möchte, muss sich im Gespräch auf eine weite Reise einlassen. Zum Beispiel spricht er von Space Time Design und meint damit die bewusste Beeinflussung der Zeit und deren Wahrnehmung, der Loslösung des Menschen von der Konstruktion der festen Zeit, einer „sozial gelernten Taktung“, von der sich Menschen treiben lassen, anstatt ihr Leben zu leben.

Und wie Michelangelo den David „nur“ aus dem Block Marmor befreit hat, begreift Olav den Menschen als geborenen Free­flyer, der sich „nur“ noch nicht entsprechend entwickelt hat.

Für Olav hört die Fähigkeit des menschlichen Fliegens auch nie auf. Das menschliche Fliegen ist grenzenlos, es gibt immer Neues zu entdecken und zu erforschen. „Endless new“ ist das, was wir da oben tun können, und so hört auch Freefly nie auf sich weiterzuentwickeln.

Große Pläne für 2019 in Schweighofen 

Ab dem 20.06.2019 ist wieder eine Serie von Freefly-Events in Schweighofen geplant. Interessierte haben die Möglichkeit, sich systematisch coachen zu lassen, mindestens 20 Sprünge mit Olav versprechen einen deutlichen Boost! Aber auch für Formation Skydiving wird es in Schweighofen wieder viel geben, neben einer Reihe von Skill Camps will Dom die Serie der 6er Speed aus zwei Porter wieder neu beleben.

Stefan „Wenni“ Wendler

Fotos: Olav Zipser, Sven „Svenz“ Zimmermann

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