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Ein perfekter Boogie mit einer Hercules C130, Weltklasse-Load-Organisern, hervorragendem Essen, traumhafter Natur und vielen wilden Tieren? In Afrika? Der Makgadikgadi Boogie in Botswana bot all dies und noch viel mehr.

Wer der Hitzewelle in Deutschland entfliehen wollte, hatte im Juli die Möglichkeit, in den afrikanischen Winter zu reisen, wobei Winter mit 25 Grad tagsüber und 15 Grad nachts relativ ist.

Botswana ist für die meisten von uns ein unbekanntes Land, da es so friedlich ist, dass es nie in den Nachrichten auftaucht. Nördlich von Südafrika gelegen, besticht Botswana durch eine sehr stabile parlamentarische Demokratie, einen Korruptionsindex, der niedriger als der von Spanien oder Italien ist, und die wohl niedrigste Kriminalitätsrate in Afrika. Darüber hinaus hat Botswana einen der höchsten Wildbestände Afrikas und weiß diesen auch zu schützen. Und mitten in einem der Wildreservate wurde der Makgadikgadi Boogie veranstaltet, was bedeutet, dass man auf dem Weg zum Flugzeug regelmäßig Zebras, Gnus, Pelikane und andere Tiere sah. Doch der Reihe nach.

Jenseits von Afrika

Foto: Ralph Wilhelm

Das Tourismusministerium von Botswana (BTO) veranstaltet seit mehreren Jahren einen Boogie für Fallschirmspringer, um Touristen in das Land zu locken. Da die mitveranstaltende Botswana Parachute Association gerade einmal 16 Mitglieder hat, holte man sich Hilfe aus dem Ausland. So klingelte dann das Telefon bei Dan BC, dem 6-fachen Weltmeister und wohl besten Grofo Organisator der Welt. Großformation bedeutet immer auch entsprechende Flugzeuge. Da solche in ziviler Hand in Botswana nicht vorhanden sind, bat das Tourismusministerium die Streitkräfte, doch eine Casa 212 (etwas größer als eine Skyvan und deutlich hübscher) sowie eine Hercules C130 bereitzustellen. Zusagen für Flugzeuge dieser Art kennt man von verschiedenen Boogies, in vielen Fällen, wie kürzlich in der Ukraine, tauchen diese dann aber nicht auf. Da jedoch der Staat Botswana selbst Veranstalter des Boogies ist, sind die Flugzeuge garantiert.

Jenseits von Afrika

Foto: Ralph Wilhelm

Die Anreise nach Botswana gestaltet sich problemlos. Von Frankfurt gibt es einen Nachtflug nach Johannesburg, wo man nach Kasane im Norden Botswanas umsteigt und noch mal eine Stunde fliegt. Da Botswana in der gleichen Zeitzone liegt wie Deutschland, entfällt jeglicher Jetlag. Dort angekommen traut man schon vor der Landung den Augen nicht. Wer einen Fensterplatz hat, kann nämlich bereits im Landeanflug die ersten Elefanten sehen. Um Kasane herum, direkt am Chobe, befindet sich eines der größten Naturschutzgebiete Botswanas. Ohne jegliche Zäune kann sich die Tierwelt hier vollkommen frei bewegen, bleibt aber aufgrund des Wassers immer in Flußnähe. Direkt am Chobe liegen auch diverse Hotels. Das in vielen Fällen normale Springerverhalten Anreise – Boogie – Abreise wäre hier ein großer Fehler. Und so waren die Springer, natürlich mit einer kalten Dose Bier, zwei Stunden nach dem Einchecken auf dem hoteleigenen Safariboot zu finden. Und noch bevor die erste Dose geleert war, gab es Elefanten und Krokodile zu sehen. Flusspferde, Giraffen, Büffel, Adler und Zebras wurden auf der 3-stündigen Bootsfahrt zum Teil in 3-stelliger Anzahl gesichtet. Am nächsten Morgen ging es dann an die Viktoria-Fälle, die zu den drei größten Wasserfällen der Welt gehören. Eine im wahrsten Sinne des Wortes feucht-fröhliche Angelegenheit. Nachmittags zurück in Kasane gab es eine Jeepsafari, um die bereits erwähnten Tierarten plus Löwen und Antilopen zu sehen. An dieser Stelle merkten bereits einige Teilnehmer an, dass die Reise, selbst ohne Fallschirmspringen, jetzt schon mehr als lohnenswert war. Gerade für Nichtspringer ist der Makgadikgadi Boogie mit der optionalen, aber mehr als empfehlenswerten, Safari davor oder danach eine sehr gute Option, den springenden Partner endlich mal zu begleiten.

Jenseits von Afrika

Foto: Ralph Wilhelm

Am nächsten Tag ging es dann mit Reisebussen 5 Stunden nach Süden in das Sowa-Salzpfannen-Naturschutzgebiet. Die Busse hielten mehrfach an, um Elefanten, Giraffen oder andere Wildtiere die „Bundesstraße“ überqueren zu lassen. Der Boogie fand direkt am Ufer des Makgadikgadi-Salzsees statt, in einem 51 Wochen im Jahr unbewohnten Naturschutzgebiet. Hier war eine Zeltstadt mit 2-Mann-Zelten mit echten Betten aufgebaut worden. Neben Sanitärcontainern, einem Küchen- und einem großen Speisezelt gab es sogar einen „Zimmerservice“, der die Betten jeden Tag machte. Vom Speisezelt, in dem 3 extrem leckere Mahlzeiten in Buffetform serviert wurden, waren es gerade einmal 70 Meter zur Landezone. Hier stand auch das Pack- und Briefingzelt. Zum Flugplatz fuhren Busse. Damit die 7-minütige Fahrt nicht langweilig wurde, gab es regelmäßig Zebras, Gnus, Pelikane oder Flamingos zu sehen. Am Flugplatz gab es dann auch was zu sehen. Obwohl die Casa 212 Platz für 25 Springer bietet, sah dieses Absetzflugzeug gegenüber der direkt daneben geparkten Hercules doch irgendwie klein aus. Das nächste optische Highlight wartete auf 4.000 Metern. Dort gab die hydraulisch öffnende Heckklappe den Blick auf riesige rote, grüne und blaue Salzseen frei. Kaum ging das grüne Licht an, hatten die Springer aber kein Auge mehr für die Landschaft. Nun war es Zeit für Großformationen mit Dan BC, Milko Hodg­kinson und Siân Stokes. André du Preez kümmerte sich um die Freeflyer und organisierte zwischendurch auch echte Boogie Sprünge. Bereits am zweiten Tag wurde aus der Hercules gesprungen. Dank der Sauerstoffanlage ging es dann auch noch etwas höher. Die Formationen wurden größer und besser, da die Load-Organizer nach den Sprüngen ein Debrief machten, wie man es sonst nur in einem Bigway-Camp bekommt.

Jenseits von Afrika

Foto: Ioannis Vlachiotis

Wer vom Springen nicht zu müde war, konnte in der eigentlich für die Zuschauer aufgebauten Party Area neben der Landezone abends noch mit den Einheimischen kräftig feiern.

Jenseits von Afrika

Foto: Ralph Wilhelm

Der vierte und letzte Tag des Boogie begann mit einem kleinen Rückschlag. Aufgrund von zu viel Wind war Springen nicht möglich. Daher wurde kurzfristig entschieden, die Springer einfach sofort mit der Hercules, anstatt am nächsten Tag mit dem Bus, zurück nach Kasane zu fliegen. Somit bot sich dort die Möglichkeit auf einen weiteren Tag mit Safaris, was die Springer begeistert nutzten. Aber auch die lokalen Springer, die noch am Platz verblieben, langweilten sich nicht. Jeder, der zum ersten Mal aus einer Casa oder Hercules gesprungen war, musste natürlich entsprechend getauft werden, wobei dieser Taufakt eher als Bierdusche zu beschreiben ist. Dabei wurde auch der Verbandspräsident nicht verschont. Egal ob nur 150 oder 28.000 Sprünge, alle Teilnehmer waren sich einig, dass der Makgadikgadi Boogie ein MUST Do auf der Bucket-Liste ist und alle Erwartungen bei Weitem übertroffen hat.

Ralph Wilhelm

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